Wieviel Fleisch erträgt die Welt?




"Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf dieser Erde so erhöhen wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung." Das Genie Albert Einstein lieferte uns nicht nur eine Erklärung zur Entstehung des Weltalls. Seiner Zeit weit voraus, warnte er uns vor den ökologischen und sozialen Gefahren des Fleischkonsums.

Fleisch ist zwar in unseren Mägen allgegenwärtig, aber in unseren Köpfen gibt es keine Vorstellung davon, wieviele Ressourcen der Fleischkonsum verschlingt. Erst die Betrachtung des gesamten "Lebenslaufes" zeigt uns den wirklichen Energie‑ bzw. Umweltverbrauch von Fleisch. Warum die Reduzierung unseres Fleischkonsums sehr effizienter Umwelt‑ und Klimaschutz ist, steht im Mittelpunkt der folgenden Überlegungen.

Das Fleisch in Zahlen

Im Jahre 1998 verbrauchten die ÖsterreicherInnen 790.000 Tonnen Fleisch, bzw. 97,8 kg pro Kopf (1999: 99,4 kg). Ohne Sehnen, Fett und Innereien entspricht das einem Pro‑Kopf-Verzehr von 65,4 kg/Jahr bzw. 180 g/Tag. 1 Schweinefleisch führt dabei mit 40 Kilo pro Kopf deutlich vor Rindfleisch mit 12 kg und Geflügel mit 10 kg. Viele essen noch größere Mengen Fleisch, da in dieser Zahl auch die ca. 400.000 Vegetarier mitgerechnet 2 sind.

In Österreich stieg der Fleischverbrauch seit 1960 um 57% (s. Abb. 1), weltweit hat er sich seit 1950 verdoppelt und liegt nun bei 36 kg pro Kopf. Doch der Verbrauch ist ungleich verteilt: Der durchschnittliche US‑Bürger verbraucht 112 kg, ein Inder hingegen nur 2 kg/Jahr 3.

Um die Fleischeslust zu befriedigen, wurden 1998 in Österreich 680.000 Rinder, 5,4 Mio. Schweine und über 60 Mio. Hühner geschlachtet 4, d.h. pro Minute 1,3 Rinder, 10 Schweine und 110 Hühner. Weltweit werden 1 Mrd. Schweine, 1,3 Mrd. Rinder, 1,8 Mrd. Schafe und Ziegen sowie 13,5 Mrd. Hühner gehalten 5. 1998 betrug die Zahl der weltweit für menschliche Ernährungszwecke getöteten Tiere 43,2 Milliarden! 6 Neben dem enormen Tierleid, das man hinter solchen nackten Zahlen nur erahnen kann, bedeuten diese großen Tierbestände auch ein erhebliches Umweltproblem.


Abb.1: Fleischverbrauch in Österreich in kg pro Kopf (1960 - 1999)

Fleisch verunreinigt Wasser und Boden

Ein zum Himmel stinkendes Problem sind die Ausscheidungen der Tiere. So produziert die größte Schweinemastfabrik in den USA mehr Mist als die Stadt Los Angeles 7. Und auch in Österreich nimmt die Konzentration in der Tierhaltung stetig zu. Seit 1995 nahm die Zahl der Betriebe mit mehr als 400 Schweinen um die Hälfte zu. 8 Eine "Großvieheinheit" ‑ sozusagen ein Normtier mit 500 Kilogramm Gewicht ‑produziert jährlich etwa 20 Tonnen Mist. 9 Daher produzieren die "Tierfabriken" eine Unmenge an Gülle, die dann auf zu kleinen Flächen ausgebracht wird ‑ die Felder werden als Müllschlucker für Gülle missbraucht. Die Folge ist eine Anreicherung von Nitrat im Grundwasser, im Körper wird das Nitrat dann zu Nitrit und Krebs erregenden Nitrosaminen umgewandelt. Mehr als die Hälfte der heimischen Grundwasserreserven sind bereits mit Nitrat und Pestiziden oberhalb der Schwellenwerte belastet. 10 Durch die mineralischen Futterzusätze enthält Gülle auch Kupfer und Zink. Die Ausbringung von Schweinegülle hat dadurch bei weidenden Schafen bereits Kupfervergiftungen verursacht." 11 Auch Hormon‑ und Medikamentenrückstände gelangen mit der Gülle auf unsere Felder.

Um nichts harmloser sind die gasförmigen Emissionen. Durch die Tierhaltung werden in Österreich pro Jahr über 68.000 Tonnen Ammoniak (NH3) freigesetzt ‑ das sind 86% der gesamten österreichischen Ammoniak‑Emissionen. 12 NH3, entsteht bei der Lagerung und Ausbringung von organischem Dünger und im Stallbereich. Vom Wind verfrachtet schädigt es unseren Wald, versauert unsere Böden und "überdüngt" unsere Gewässer. Die weiteren Folgen davon sind u.a. eine Verringerung der Artenvielfalt sowie eine verstärkte Freisetzung von Lachgas (s.u.) aus den Böden.

Trotz dieser Belastungen beschloss die Bundesregierung erst im Juni, dass für "Ställe" mit bis zu 2500 Mastschweinen keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr durchzuführen ist.

Klimaproblem Fleisch

Der zunehmende Treibhauseffekt ist das globale Problem des 21. Jahrhunderts. Grund dafür ist der Energieverbrauch und die Zerstörung der Wälder. Der Konsum tierischer Produkte bedingt beides.

Durch Entwaldung und Humusabbau werden Unmengen an Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Allein bei der Urbarmachung ‑ sprich Entwaldung ‑ Österreichs wurde mindestens 40 mal mehr CO2 freigesetzt, als derzeit in Österreich pro Jahr durch Fossilenergieverbrennung ausgestoßen wird. 13 Dieser Wert gibt uns nur eine Ahnung davon, wie viel CO2 durch die Erhaltung der Wälder nicht in die Atmosphäre entweichen würde.

Ein Viertel der Festlandoberfläche der Erde haben die Menschen zu Weideland gemacht. In Südamerika wurden in den letzten drei Jahrzehnten mehr als 25% aller tropischen Regenwälder für die Zwecke der Viehzucht abgeholzt.

Fleisch frisst Energie

Vergleicht man den gesamten Energieeinsatz in der Landwirtschaft, so ist das Ergebnis eindeutig: Die Erzeugung der tierischen Lebensmittel verschlingt über 80% der gesamten Energie und verursacht 70% der Treibhausgase. 14 Auch wenn man den gesamten Ernährungssektor ‑ inkl. Verarbeitung, Transport, Zubereitung ‑ betrachtet, zeigt sich: Die Viehwirtschaft ist für den größten Teil der Klimabelastungen verantwortlich, während die Pflanzenproduktion fast vernachlässigbar ist (s. Abb. 2). 15

Der energetische Vergleich zwischen einem Fleischlaibchen und einem Getreidelaibchen (je 250 g) verdeutlicht dieses Faktum: Die Emissionen des Fleischlaibchens liegen bei 796 g C02‑Äquivalent ‑ jene des Getreidelaibchens hingegen bei nur 63g. Isst man also ein Fleischlaibchen, verursacht man eine fast 13‑mal stärkere Klimabelastung als beim Verzehr eines Getreidelaibchens. Dabei ist bemerkenswert, dass die Emissionen beim Getreidelaibchen zu über 80% beim Verbraucher erzeugt werden, während sie beim Fleischlaibchen zu über 90% von der Tierproduktion bedingt sind (s. Abb. 3). 16  Vergleicht man Fleisch mit Gemüse, gilt als Faustregel: 1 kg Fleisch ist zehnmal umweltbelastender als 1 kg Gemüse. 17


Abb. 2: Treibhausgasemissionen aus Land- und Ernährungswirtschaft in Österreich 1990

Methan und Ammoniak

Neben CO2 entstehen in der Landwirtschaft große Mengen an Methan (CH4), das 56‑mal treibhauswirksamer ist als C02. In Österreich entweichen rund 260.000 Tonnen CH4 jährlich ‑ das sind 43% der anthropogenen Emissionen ‑ aus dem Verdauungstrakt von Rindern und Schafen und aus den Gülleseen der Intensivtierhaltung. 18 Je intensiver die Tierhaltung, desto mehr Methan wird produziert. Eine Hochleistungsmilchkuh gibt durchschnittlich 150 kg CH4 pro Jahr ab, ein extensiv weidendes Rind dagegen nur 25 bis 35 kg. 19 Dazu kommen noch die Emissionen aus der Brandrodung zur Gewinnung von Land für Weideflächen oder für den Futtermittelanbau.

Auch die großen Ammoniakemissionen verstärken den Treibhauseffekt. Zum Einen beeinträchtigen sie methanabbauende Bakterien im Boden und vermindern damit eine Senke für atmosphärisches Methan. Zum Anderen verstärken sie die Bildung von Lachgas (N20) im Boden. 20 N20 ist ca. 300‑mal treibhauswirksamer als CO2 und durch seine Langlebigkeit gelangt es auch in höhere Schichten der Atmosphäre, wo es am Abbau der Ozonschicht beteiligt ist. 21


Abb. 3: Vergleich klimarelevanter Emissionen: Fleischlaibchen - Getreidelaibchen

Fleisch frisst Nahrungsmittel

Fraßen Nutztiere früher einmal für Menschen Unverwertbares, wie z.B. Heu, sind sie heute Nahrungskonkurrenten, da sie mit "Kraftfutter" wie Getreide, Soja, Fischmehl etc. gemästet werden. Derzeit werden 36% der weltweiten Getreideernte an Tiere verfüttert, die weltweite Sojaernte geht zu 70% in die Mägen von Tieren. Auch knapp die Hälfte der Fischfänge und selbst ein Drittel der Milchprodukte gehen diesen Weg. 22 Durch den steigenden Fleischkonsum steigt in den Entwicklungsländern die Verwendung von Getreide als Futter stärker als der Getreideertrag. 23

In Österreich wurden 1999 2,8 Mio. Tonnen Getreide (ca. 63% der Gesamtmenge) als Viehfutter ver(sch)wendet (s. Abb. 4) 24, dieses Verhältnis ist leider auch in der österreichischen Biolandwirtschaft gegeben. 25 Damit nicht genug, importiert Österreich Jahr für Jahr fast 500.000 Tonnen Soja‑Futtermittel und über 10.000 Tonnen Fischmehl. Ein positives Beispiel geben die Biobauern: Für sie ist der Zukauf importierter Futtermittel verboten. 26 Die Umweltbelastungen, die von Futtermitteln ausgehen, müssen natürlich ebenfalls dem Verzehr tierischer Produkte angelastet werden.

Aber nicht nur Lebensmittel, auch Energie wird durch die Tierhaltung vergeudet. Pro Kopf und Tag werden in Österreich 16.000 kcal an Tiere verfüttert, die Fleisch‑, Milch- ­und Eierproduktion bringt jedoch nur 1700 kcal (also etwa 1/9). Denn eine Kalorie Rindfleisch verbraucht 10 Kalorien Getreide ‑ bei Schweinefleisch ist das Verhältnis 1:3, bei Eiern 1:4 und bei Milch 1:5. In der gleichen Größenordnung liegen die Verluste an Nahrungsprotein, bei Rindfleisch betragen sie sogar das 17fache. 27 Die Agrarindustrie betreibt also ein sehr effektive Form der Nahrungsmittelvernichtung, dabei sollte die Lebensmittelproduktion eigentlich einen Gewinn aus der Sonnenenergie darstellen.

Fleisch frisst Menschen

Pro Kopf der Weltbevölkerung stehen 325 kg Getreide zur Verfügung. Von den 560 kg/Kopf in Österreich werden 355 kg an Vieh verfüttert. Würden alle derart verschwenderisch handeln, könnten mit der weltweiten Getreidemenge nicht mehr als 3,5 der insgesamt 6 Milliarden Menschen ernährt werden. 28 Eine weltweite Reduktion der Getreidemenge für Viehfutter um 10% würde die Ernährung von 225 Millionen Menschen sichern. 29

Das Problem des Welthungers ist keines mangelnder Lebensmittel, sondern der Ungerechtigkeit, sowohl innerhalb der armen Länder als auch zwischen armen und reichen Staaten. Aufgrund der immensen Fleischnachfrage verbrauchen die Industriestaaten mit einem Viertel der Weltbevölkerung drei Viertel der gesamten agrarischen Produktion!

Den 800 Millionen hungernden Menschen stehen 1,2 Milliarden Übergewichtige gegenüber!

Der Verzicht auf den jährlichen Import von 50 Millionen Tonnen Futtermittel in der EU allein würde ausreichen, um 600 Millionen Hungernden eine ausreichende Zusatzernährung zukommen zu lassen. Die Kräfte des freien Marktes lassen dies aber nicht zu, weil die "Kaufkraft" der Futtertröge von Huhn, Schwein und Rind bei uns größer ist als die der Hungernden. 30

in Brasilien etwa leben neben den 32 Millionen Unterernährten bereits 50 Millionen Übergewichtige. Mit einer Anbaufläche, die der Größe Indiens entspricht, ist Brasilien einer der weltweit wichtigsten Lebensmittelproduzenten: Die Ernte des Jahres 1996 hätte ausgereicht, um 300 Millionen Menschen zu ernähren. Trotzdem hungern von 160 Millionen Brasilianern 32 Millionen, und die Regierung musste um 3 Milliarden Dollar Nahrungsmittel importieren. 31

 Anstatt Nahrungsmittel für die Unterernährten anzubauen, wird in riesigen Mengen 32 Soja für den Export in europäische und nordamerikanische Futtertröge produziert.

In Honduras ist der Fleischkonsum der Bevölkerung zurückgegangen, obwohl sich die Fleischproduktion verdreifacht hat: Das Rindfleisch ging in die Fastfood‑Ketten nach Nordamerika. 33 So kämmt es dazu, dass fast vier Fünftel aller unterernährten Kinder in Ländern mit Nahrungsmittelüberschuss leben. 34

Fleisch frisst Land

Fruchtbares Land ist unsere Lebensbasis. Es ermöglicht mit Hilfe der Sonnenenergie die Produktion von Lebensmitteln, Energiepflanzen sowie Rohstoffen für Kleidung, und vieles mehr. Aber wie "nützen" wir unser Land?

Inklusive der 30% extensivem Grünland dienen mehr als drei Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche Österreichs der Herstellung tierischer Produkte (s. Abb. 5).

Mit über 700.000 ha wird mehr als die Hälfte des Ackerlandes mit Futtermitteln bebaut. 35 Damit noch nicht genug: Das kleine Österreich besetzt nur für das importierte Futtersoja weitere 250.000 ha im Ausland, ein großer Teil davon liegt in Brasilien 36 ‑ ein enormer Verbrauch an Land, Düngemitteln, Pestiziden und fossiler Energie für unseren hohen Fleisch, Eier und Milchkonsum.


Abb. 5: Verteilung der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Österreich

Ökonomischer Wahnsinn

Wie ist es möglich, dass trotz der oben beschriebenen immensen Nachteile einer fleischorientierten Gesellschaft der Fleischkonsum weltweit weiterhin ansteigt? Es sind unsere eingefleischten Gewohnheiten, die über die Werbung verstärkt und global exportiert werden. Nicht nur in Österreich entfallen die größten Werbebudgets auf den Nahrungsmittelbereich. 37

Eigentlich sollte ein Wirtschaftszweig, der auf die Vernichtung von Nahrungsmitteln und Ressourcen programmiert ist, ja von selbst zusammenbrechen, dennoch ist die Fleischindustrie ist riesiger Wirtschaftszweig mit sehr viel Geld. Die Unsummen an Fördergeldern, die für viele Unternehmer ein gutes Geschäft sind, kombiniert mit der Abwälzung der Umwelt- und Gesundheitskosten auf die Allgemeinheit (und somit auf alle Steuerzahler) sorgen für eine florierende Fleischindustrie. Dies ist uns von anderen Wirtschaftszweigen (z. B. Automobilindustrie) bereits bestens bekannt.

Würde man die ökologischen Kosten berücksichtigen, müsste sich der Fleischpreis verdoppeln oder verdreifachen. 38 Ganz zu schweigen von den Kosten im Gesundheitswesen: In den USA betragen die Gesundheitsschäden durch Fleischkonsum geschätzte 600 Milliarden Schilling im Jahr. 39

Der Irrweg

"Wir verschwenden einen Großteil unseres Landes und unserer pflanzlichen Lebensmittel, verbrauchen große Mengen an Fossilenergie, belasten unseren Lebensraum mit Bioziden, Ammoniak und Nitrat, tragen zur Klimaänderung bei und missbrauchen auch noch Entwicklungsländer, um Ernährungsgewohnheiten aufrecht zu erhalten, die unserer Gesundheit abträglich sind. So unverständlich und grotesk die gegenwärtige Situation bei nüchterner Betrachtung ist, so groß ist aber auch das Potential für Verbesserungen." diagnostiziert Johannes Tomic, Biobauer in Kärnten.

Auch der Agrarindustrie ist natürlich klar, dass der jetzige Weg geradewegs in den Abgrund führt. Und sie bietet auch ihre Variante der "Lösung" an: Mehr Land soll für die Futtermittelerzeugung erschlossen werden, und auf den bestehenden Flächen soll noch mehr Dünger eingesetzt werden! "Leider" scheint aus den Pflanzen selbst (vorbehaltlich der Gentechnik) kein höherer Ertrag herauszupressen zu sein. Aber vielleicht aus den Tieren: Durch Injektion von DNA für ein lang anhaltendes Wachstumshormon konnte bei Schweinen ein um 40% größeres Wachstum mit 25% weniger Futter erzielt werden. Eine neue adrenalin‑ähnliche Tierarznei lässt die Schweine mehr Muskelfleisch und weniger Fett ansetzen, was ebenfalls den Futterbedarf senkt. Denselben Zweck verfolgen die dem Futter beigemischten Enzyme, an deren Einbau direkt in die Futterpflanzen die Gentechnik bereits arbeitet. 40

Etwas weniger appetitlich ist der Ansatz, den Tieren Müll (s. Dioxinskandal in Belgien), Kadaver (s. BSE) oder Exkremente zu verfüttern. In Nordamerika werden Rinder bereits mit Mist aus Legebatterien gefüttert. Versuche in Deutschland, Schweine mit Klärschlamm zu mästen, erwiesen sich als erfolgversprechend. Folgerichtig fragt die Autorin im New Scientist: "Wobei fühlen Sie sich letztlich unwohler? Wenn Sie wissen, dass Ihr Käse von einer Kuh kam, die sterilisierten Hühnerkot speiste ‑ oder wenn Sie wissen, dass er von einer Kuh kam, die mit Getreide gefüttert wurde, das ein hungriges Kind hätte ernähren können?" 41 Nun, zum Glück haben wir noch andere Möglichkeiten.


Abb. 4: Anteile am Inlandsverbrauch von Getreide 1998/99

Der Ausweg

Es besteht keine Notwendigkeit, so viele tierische Produkte zu essen ‑ wir können uns also frei dafür entscheiden, die Umwelt‑ und Menschenbelastungen durch die Viehwirtschaft zu vermeiden. Das Potential zur Verringerung der Klimabelastung durch die Reduktion tierischer Nahrungsmittel ist sehr hoch, Schadstoffeinträge in Gewässer, Wälder und Böden können so vermindert werden, der Energie‑ und Landverbrauch für die Ernährung geht drastisch zurück. Die freiwerdenden Flächen können für die Produktion nachwachsender Rohstoffe (für Energie, Kleidung, Verpackungsmaterialien, etc.) herangezogen werden und teilweise auch der Natur zurückgegeben werden. Die gesamte Landwirtschaft könnte extensiviert werden.

Um ökologisch und sozial verträglich zu sein, gilt für Fleisch und andere tierische Produkte: in geringem Maße, aus der Region und aus biologischer Landwirtschaft. In der Bio‑Landwirtschaft ist die Tierhaltung an die Fläche gebunden. Ein auf mindestens 6600m2 Fläche gehaltenes Rind ist keine Belastung für das Grundwasser, da die Nitratauswaschung minimal ist. Festmistsysteme lassen keine Gülle entstehen, Ammoniak und Methan werden auf ein erträgliches Maß reduziert. Dadurch und durch das Verbot von Stickstoff‑Mineraldünger und synthetischen Bioziden sowie durch das Verwenden der hofeigenen Futtermittel wird der Ausstoß an Treibhausgasen um 60% verringert!

Das Futter von Bio‑Rindern darf "nur" maximal 40% Getreide und anderes Kraftfutter enthalten, Arzneimittelzusätze sind verboten. Insgesamt ist der Energiebedarf pro Rindsschnitzel um ein Drittel geringer als bei konventionellem Fleisch. Da den Böden nicht mehr entnommen werden soll, als sie geben können, hat die biologische Landwirtschaft einen 10‑30% höheren Flächenbedarf. 42 Ein‑Weiterer Grund, den Verzehr tierischer Produkte deutlich einzuschränken.

Nachhaltige Ernährung soll nicht nur schmackhaft, frisch, nährstoffreich und garantiert genetisch unverändert sein auch die Ökobilanz der Produkte muss stimmen.

Die Reduzierung unseres Fleischverzehrs ist praktizierter Umwelt‑ und Klimaschutz. Überdenken wir unsere eingefleischten Gewohnheiten und wagen wir ein weiteren Schritt zu einem nachhaltigen Lebensstil. Zum Wohle unseres Planeten und unserer Gesundheit.

Melanie Sopper & Christian Salmhofer (Klimabündnis Kärnten),
Clemens Purtscher (BioVegaN ‑ Biologisch‑Veganes Netzwerk für Garten‑ und Landbau)

Aus: Sustainable Austria Nr.13



1 Statistik Österreich: Versorgungsbilanzen

2 "Wie isst Österreich 1999": Grundlagenstudie durch ACNielsen, Wien

3 Dritte Welt Haus Bielefeld: Atlas der Weltverwicklungen. Wuppertal: Hammer, 1992, S. 97

4 PRÄKO: Zahlen 98 aus Österreichs Land‑ und Forstwirtschaft

5 Worldwatch Institute: United States Leads World Meat Stampede, 2.7.1998

6 in: Tierschutz konsequent, VgT ‑ Verein gegen Tierfabriken, Nr.2/2000, Laaben/Austria, S11

7 s. Anm. 5

8 Agrarisches Informationzentrurn: AIZ Nr. 10012, 16.5.2000

9 T. Amon: Energie aus glücklichen Kühen, In: Spektrum der Wissenschaft, Nr.7/2000, S.92

10 http://www.wwf.at/projekte/wasser/trinkwasser/trinkwasser.html, abgefragt am 23.7.2000

11 T. Schmidt: Kälbermast in der Europäischen Union. Der Kritische Agrarbericht 1997, S. 275‑280, Agrarbündnis (Hrsg.)

12 Umweltbundesamt, Wien, 1997

13 Helmut Haberl: Energetischer Stoffwechsel und nachhaltige Entwicklung, in: Natur und Kultur, Nr.1/2000, Bad Mitterndorf, S. 40

14 "Vegetarier sind die besten Klimaschützer in Ökologische Briefe Nr. 4, 25.1.1995

15 "Die Landwirtschaft produziert zuviel ... Treibhausgase" in Umwelt kommunale ökologische Briefe 13‑14/97

16 Enquete‑Kommission Schutz der Erdatmosphäre: Landwirtschaft und Ernährung, Teil A Quantitative Analysen und Fallstudien. 1994, Economica‑Verlag

17 Global denken, lokal essen Bio‑Lebensmittel sollen nicht nur besser       schmecken, sondern auch umweltverträglich sein in: Frankfurter Rundschau 2000, 05.06.2000

18 Umweltbundesamt, Wien, 1995

19 Enquete‑Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" des Deutschen Bundestages (Hrsg.): Landwirtschaft und Klima. Bonn, 1994

20 s. Anm. 15

21 Handbuch Bio‑Lebensmittel, 3. Akt.‑Lfg. 06/1999, S. 27, Kap. 1‑8, 8.4

22 A. Datta: Welthandel und Welthunger, München, 1993, S.180

23 D. Mackenzie: Protein at a price. New Scientist, Nr. 2230, 18.3.2000, S.

24 s. Anm. 1

25 Biologische Landwirtschaft in Österreich. Bundesministerium für Land­ und Forstwirtschaft (Hrsg.), Wien, 1999, S. 23

26 Statistik Österreich: Außenhandelsstatistik

27 C. Leitzmann, A. Hahn: Vegetarische Ernährung, Ulmer 1996, S. 377

28 G. Krämer: Entwicklungsland Deutschland. Dritte‑Welt‑Haus Bielefeld, Wuppertal, Hammer 1997, S. 107

29 s. Anm. 5

30 Geier, B., 2000:Wie die weltweite Ernährung sichern?, in: Zeitschrift "Ökologie & Landbau", Nr.3/2000, S.10‑14

31 "Mit Gesetzbuch und Pistole gegen Leute ohne Land, in: Le Monde diplomatic, 9/97,S.6

32 Zwischen 1980 und 1990 stieg die brasilianische Sojaproduktion von 10 auf 18 Mio. Tonnen. s. Anm. 21, S. 15

33 Ekkehard Launer: Hunger in der Welt, in: Der Standard, 9. / 10. Jänner 1998

34 G. Gardner u. B. Halweil: Unterernährung und Überernährung. In:       Worldwatch Institute Report Zur Lage der Welt 2000, Frankfurt: Fischer, 2000,S. 133

35 PRAKO: Zahlen 99 aus Österreichs Land‑ und Forstwirtschaft

36 Berechnung nach: s. Anm. 28, S. 37

37 s. Anm. 34, S. 138

38 Schätzung des Worldwatch Institutes. A. Durning: Worldwatch Paper "Zeitbombe Viehwirtschaft", Wochenschau‑Verlag, 1993, S. 48

39 Schätzung des Physicians Committee for Responsible Medicine;berücksichtigt wurden nur manche Erkrankungen und auch nicht die Kosten durch Krankenstände und verminderte Arbeitsleistung, s. Anm. 34,S. 148

40 s. Anm. 23

41 D. Mackenzie: Farm‑fresh food. New Scientist, Nr. 2230, 18.3.2000, S. 45

42 nach: Einfluß von Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung auf das       Klima. Studie im Auftrag der NO Landesregierung, erstellt von der Österreichischen Vereinigung für Agrarwissenschaftliche Forschung, St.Pölten, 1999, S. 28.