Wie gründe ich eine Tierrechtsgruppe ?


Keine Gruppe ist zu klein. Viele der größten und bedeutendsten Gruppen wurden von nur zwei Menschen gegründet. Vergiss nie, dass Du ganz allein in wenigen Stunden hunderte Flugblätter verteilen oder einen Infotisch betreuen kannst (wo viele Menschen zum ersten Mal mit sachlichen Argumenten gegen Tierausbeutung konfrontiert werden). Ein Netz von Tierrechtsgruppen, so klein sie auch sein mögen, die sich für gezielte Aktionen und Kampagnen zusammenschließen, ist in vielen Ländern eine treibende Kraft der Tierrechtsbewegung, und ist schon so manchem tierausbeutenden Konzern zum Verhängnis geworden.

Wenn Du eine Gruppe gründen möchtest, dann solltest Du Dir überlegen, wer von Deinen FreundInnen und Bekannten da mitmachen würde. Danach solltet Ihr ein paar Treffen haben, um Euch Grundsätzliches zu überlegen. Macht vielleicht ein bißchen was zum Essen, dann ist der Grundstein für eine angenehme, entspannte Atmosphäre gelegt. Normalerweise braucht es ein paar Treffen, um sich auf einen Namen und die grundlegende Richtung Eurer Gruppe zu einigen. Feinheiten, wie das Logo, müssen nicht sofort geklärt werden.

Am Anfang können die meisten Gruppen noch keine Strafen riskieren und verzichten auf medienwirksame Stunts, die viel an Verwaltungsstrafen kosten. Viel billiger sind für den Anfang Demos vor tierausbeutenden Geschäften wie Pelz-, Leder-, Daunen-, Fleisch- oder Fischgeschäften, oder was Euch sonst noch negativ auffällt. Das ist die Knochenarbeit: Außer ein paar Wundernaturen gefällt es fast niemandem angepöbelt zu werden. Schon einfach nur auf der Straße ein Transparent zu halten, Flugblätter zu verteilen oder mit wildfremden Leuten zu diskutieren ist manchen zu viel. Nichtsdestotrotz gibt es kaum eine einfachere Art auf Tierausbeutung aufmerksam zu machen und für Vegetarismus/Veganismus zu werben. Für bis zu zwei Personen, die nur Zettel verteilen und Plakate halten, brauchst Du keine Anmeldung. Zu zweit könnt Ihr spontan mit ein paar Flugblättern eine Mini-Demo machen, wo Ihr wollt.

Mit Flugblättern erreichst Du im Prinzip 3 Gruppen von Leuten:

1) Leute, die es gar nicht interessiert und die auch kaum ihre liebgewonnenen Gewohnheiten umstellen werden. Diese Gruppe stellt den größten teil dar. Diese Leute erfahren zumindest, daß es Tierrechte und Veganismus gibt und daß sich Menschen dafür einsetzen. Obwohl diese Gruppe alles andere als offen für unsere Botschaft ist, werden Tierrechte, Vegetarismus und Veganismus zumindest zu Themen, die immer alltäglicher werden. TierrechtlerInnen und ihr Anliegen werden immer mehr zum Teil der politischen Landschaft. Es entstehen soziologische und politische Analysen über eine immer größere werdende Bewegung.

2) Menschen, die noch nie oder kaum Vernünftiges zum Thema Tierrechte und Vegetarismus/veganismus gehört haben. Diese Leute sind offen für dieses Thema und nehmen die Informationen gerne auf oder hören zum ersten Mal davon und beginnen sich kritisch damit auseinander zu setzen. Die Saat für einen späteren Veg*ismus wurde gelegt. Diese Leute beginnen vielleicht ein anderes Mal Diskussionen mit VegetarierInnen, um offene Fragen zu klären, oder lesen ein Buch zu dem Thema und ändern vielleicht über kurz oder lang ihren Lebensstil.

3) Die kleinste Gruppe sind diejenigen, die sich schon mit Veg*ismus auseinander gesetzt haben und jetzt den Anstoß bekommen ihre Gewohnheiten zu ändern. Diesen Leuten kannst Du praktische Tips geben, letzte Unklarheiten erhellen oder Bedenken aus dem Weg räumen. Manches Mal werden sich sogar Leute melden, die bei Euch mitarbeiten möchten.

Flugblätter sind schnell hergestellt. Zu diesem Zweck kannst Du entweder fertige Flugblätter übernehmen und den Namen Eurer Gruppe darunter setzen (aber Achtung, nicht alle Gruppen sind einverstanden damit), oder Du kannst von einigen Flugblättern selbst das Beste zusammenschreiben, sodaß Euer eigenes Flugblatt entsteht. Wie so oft ist es auch in diesem Segment politischer Arbeit sehr nützlich Verwandte oder Bekannte zu haben, bei denen Du Deine Flugblätter billiger kopieren oder später einmal drucken kannst.

Nicht vergessen auf das Flugblatt ein Impressum draufzuschreiben, sonst setzt es Verwaltungsstrafen (ca. 800 Schilling). Eine gültige Adresse und Euer Gruppennamen reichen. Das Impressum dient der Polizei in erster Linie dazu, eine Stelle zu haben, an die sie sich wenden kann, wenn einmal etwas schiefläuft, sich also irgendwer über die Demo beschwert, oder Klagen wegen Unterlassung oder Übler Nachrede drohen.

Wenn Ihr 3 bis 4 Leute seid, dann können 2 ein Transparent halten, während die anderen Flugis verteilen. Viele Leute, die keine Flugblätter nehmen, lesen das Transparent. Da ein Transparent auffälliger ist als einfach ein paar Leute, die Flugblätter verteilen, solltest Du auf dieses einfache Mittel möglichst viele Menschen mit Deinem Anliegen zu erreichen nicht verzichten.

Auch das Rufen von Parolen hat eine erstaunliche Wirkung auf die PassantInnen und die TierausbeuterInnen. Leute auf der anderen Straßenseite, die Euren Protest vermutlich gar nicht bemerkt hätten, werden aufmerksam und lesen Euer Transparent oder kommen extra, um sich ein Flugblatt zu holen.

Die TierausbeuterInnen zeigen sich oft unangenehm berührt, da solche "lautstarken" Proteste noch auffälliger sind, potentielle KundInnen vertreiben und die Kauf-Atmosphäre stören. Später könnt Ihr dann auch ein Megaphon einsetzen.

Wenn mehr als zwei Leute an der Demo teilnehmen sollen, dann mußt Du die Demo vorher bei der zuständigen Behörde anzeigen. Du mußt, wohlgemerkt, die Demo nicht anmelden, sondern nur die Behörden über die Demo informieren. Spätestens 24 Stunden vor der Demo (nach dem Versammlungsgesetz) oder 3 Tage vorher (nach der Straßenverkehrsordnung) schickst Du ein Fax an die zuständige Behörde (in Wien die Bundespolizeidirektion, Abt. Vereins- und Versammlungsbehörde; sonst meistens die Bezirkshauptmannschaft).

In diesem Fax mußt Du schreiben: "Nach Par. 2 Versammlungsgesetz Anzeige einer Kundgebung". Außerdem den Zweck dieser Demo (z.B. "Demo gegen Tierausbeutung"), Ort (also die Straße und Hausnummer; melde am besten immer auch ein paar mehr Hausnummern auf beiden Straßenseiten an, damit Du auch auf der anderen Seite Flugblätter verteilen kannst, wenn genügend Leute kommen), Zeit (von wann bis wann), verwendete Mittel (im Prinzip darfst Du alles verwenden, was Du willst, mußt es aber vorher angeben, z.B. Flugblätter, Transparente, Infotisch, Megaphon, ...) erwartete TeilnehmerInnenzahl (immer sicherheitshalber ein paar mehr angeben, da die Polizei die Demo auflösen darf, wenn mehr als angegeben demonstrieren) und KundgebungsleiterIn (mit Name und Anschrift; Ihr könnt aber auch schreiben "wird vor Ort genannt" - dann kommt normalerweise kurz nach Beginn der Demo einE PolizistIn in Zivil oder Uniform und bittet eine Person um Name und Anschrift. Das dient im Prinzip dem gleichen Zweck wie das Impressum). Das Fax muß außerdem gut leserlich unterschrieben werden. Am besten von jener Person, die im Fax als Kundgebungsleiterin genannt wird oder jene, die sich dann vor Ort meldet). Nimm das Fax und die Faxbestätigung, die vom Faxgerät ausgespuckt wird, zur Demo mit. Du wirst übrigens von der Behörde nur verständigt, wenn die Demo nicht stattfinden darf. Dann müssen sie Dir eine Untersagung schicken, die Du im Prinzip rechtlich anfechten kannst. Aber die Demo darf trotzdem nicht statt finden.

Wenn Dich irgendwelche Leute aus dem "belagerten" Geschäft nach der Anmeldung fragen, dann kannst Du sie getrost auslachen. Die haben nichts zu melden, und können der Polizei damit ruhig auf die Nerven gehen, die dann antanzen darf um nach dem Rechten zu sehen. Trete der Polizei gegenüber ruhig und bestimmt auf. Werde nicht ausfällig, aber verweise auf Deine verfassungsmäßig verbrieften Rechte und zeige Dich informiert über die Rechtslage.

Die Polizei braucht nicht mehr Informationen über den Hintergrund Deiner Gruppe als unbedingt notwendig. Hausdurchsuchungen gibt es nur bei den Leuten, deren Adressen sie kennt. Und falls einmal illegale Aktionen verübt werden, die mit Tierschutz oder Tierrechten in Verbindung gebracht werden, dann werden die Leute belästigt, die schon irgendwie aufgefallen sind. Das sind im Normalfall Leute, die in der Öffentlichkeit stehen und irgendwie "verdächtig" aussehen, auch wenn die noch nie was von der ALF gehört haben. Schließlich muß die Polizei ja behaupten können, daß "die Ermittlungen laufen", auch wenn sie nichts vorzuweisen hat.

Die Demonstrationskultur scheint in Österreich ziemlich unterentwickelt zu sein. Die PolizistInnen, die von aufgebrachten TierausbeuterInnen zu Hilfe gerufen werden, scheinen sich überhaupt nicht auszukennen. Sie sind oft völlig ratlos, versuchen wichtig dreinzuschauen und rufen im Normalfall die/den Vorgesetzten an, um herauszufinden, was zu tun ist. Tatsache ist, daß Du Dich mit Deinem Transparent direkt vor die Auslage stellen darfst, solange Du nicht den Eingang behinderst. Laß Dich nicht von der Polizei beeindrucken, die wissen oft weniger über die rechtliche Lage in diesem Fall als Du.

Ein Postfach zu eröffnen hat sich als nützlich erwiesen. Das könnt Ihr in jedem Postamt einrichten und kostet Euch kaum was. Damit kann Euch jedeR bequem kontaktieren und von keinem Gruppenmitglied wird die Privatadresse allgemein bekannt. Das Postfach könnt Ihr übrigens auch als Impressum angeben.

Je nachdem, wie groß Eure Gruppe ist oder werden soll, könnt Ihr früher oder später einen Voicebox-Service einrichten: Firmen stellen Euch für z.B. 3 Schillin pro Tag eine Telefonnummer zur Verfügung. Auf dieser Nummer wird ein Tonband abgespult, das Du von überall mit einem bestimmten Code besprechen kannst. AnruferInnen können aber auch Nachrichten hinterlassen, die alle BesitzerInnen des Codes abhören können. Auf dieses Band könnt Ihr Eure aktuellen Termine für Demos, Treffen oder Veranstaltungen draufsprechen und nieman von Euch wird zu Hause belästigt. Es gibt ja genug Witzfiguren, die sich einen Spaß erlauben könnten und ständig anrufen, um Euch zu ärgern.

Ihr solltet im Lauf der Zeit Leute "sammeln", die sich vorstellen können, an Demos teilzunehmen. Falls irgendwelche TierausbeuterInnen ausfällig werden oder negativ auffallen, dann laßt Euch das nicht gefallen, sondern demonstriert eine Zeitlang besonders oft vor diesem Geschäft. Wenn Ihr die Privatadressen der TierausbeuterInnen herausfindet, dann können auch "home demos" ins Auge gefaßt werden, die sich als besonders erfolgreiche Zermürbungstaktik gegen TiermörderInnen erwiesen haben. Damit triffst Du sie genau dort, wo sie sich von ihrem mörderischen Handwerk ausruhen möchten und den anstrengenden Alltag des Tiermordens oder -ausbeutens vergessen können.

Nehmt im Lauf der Zeit auch Kontakt zu anderen Tierrechtsgruppen auf. Im Notfall könnt Ihr Euch dann gegenseitig gegen besondere Ziele organisieren. Wenn bei einer Anti-Zirkus Demo z.B. Leute vom Zirkus ausfällig oder gewalttätig werden, was überraschend oft vorkommt, dann sind sie leicht in die Schranken zu weisen, wenn bei den nächsten Demos zwei- oder dreimal soviele aufgebrachte TierrechtlerInnen antanzen, um die TierausbeuterInnen ein bißchen unter Druck zu setzen.

Und da wären wir schon beim heiklen Punkt, Strafen. Zuerst bekommt Ihr einen Bescheid, gegen den Ihr in jedem Fall Einspruch einlegen solltet. Wenn Ihr z.B. eine Strafe wegen fehlendem Impressum auf einem Flugblatt bekommt, könnt Ihr einen Einspruch gegen die Höhe des Bußgeldes einlegen und argumentieren, daß Ihr es sofort nach Benachrichtigung geändert habt, es nicht mehr vorkommen wird, es Euch Leid tut, etc. Legt immer Einspruch ein. Das kann nicht schaden. Ihr könnt nur gewinnen. Im schlimmsten Fall bleibt alles beim Alten. Übrigens fallen alle Gesetzesübertretungen, die Ihr bei normalen öffentlichen Aktionen begeht, unter Verwaltungsstrafen und nicht unter das Strafgesetz. Das heißt im Klartext, daß diese Vergehen z.B. Falschparken vergleichbar sind und es unter normalen Umständen nie zu Vorstrafen kommt.

Am Anfang könnt Ihr ja immer zusammenlegen, wenn es um die Kosten geht. Im Lauf der Zeit findet Ihr vielleicht UnterstützerInnen, die Euch regelmäßig eine kleine Summe zukommen lassen wollen. Zu diesem Zweck könnt Ihr in jeder Bank ein anonymes Sparbuch eröffnen, das auch als Spendenkonto genutzt werden kann. Achtung wegen der Auflagen, die von Bank zu Bank verschieden sind. Laß Dich am besten von der Bank beraten.

Ihr könnt aber auch regelmäßig Vegane Volxküchen veranstalten, die "subversiv" die Botschaft des Veganismus verbreiten und vor allem Geld bringen. Informiere Dich über die amtlichen Auflagen (Gesundheitspaß, Gewerbeschein, etc.) bei Leuten, die sowas schon gemacht haben.

Wenn Ihr noch in die Schule geht, dann könntet Ihr einen Veg*ismus-Tag organisieren (verschiedene Organisationen würden Euch da sicher gerne behilflich sein). Ihr könntet Infotische machen, wo es Flugblätter und Bücher zum Durchblättern gibt und Musik von Leuten spielen, von denen Ihr wißt, daß sie vegetarisch oder vegan sind. Ihr könntet auch vegan backen und/oder kochen. So könntet Ihr Veg*ismus "greif- und schmeckbar" machen und sogar ganz nebenbei ein bißchen Geld für Eure Gruppe einnehmen.

Ihr könnt aber auch in Eurem Ort kleine Feste organisieren, die im Prinzip den Tierrechtstagen in der Schule ähneln, aber großangelegter geplant und angekündigt werden. Hier kannst Du sicher auch auf die Hilfe von anderen Gruppen zählen, die Euch z.B. bei der Anmeldung unterstützen können.

Ihr könnt Flohmärkte veranstalten, wo Ihr Eure alten Sachen los werdet und Geld aufstellt. Eine dauerhafte Lösung ist das aber natürlich nicht. Am sinnvollsten ist es wahrscheinlich im Lauf der Zeit einen Stock von SpenderInnen aufzubauen, die Euch regelmäßig unterstützen, auch wenn sie sonst nicht aktiv mitarbeiten möchten.

Es ist sinnvoll kurz- oder längerfristig erreichbare Ziele anzupeilen. Die Pelzindustrie steht schon auf sehr wackligen Beinen. Weltweit werden Farmen wegen sinkender Nachfrage und Druck von TierrechtlerInnen geschlossen. Auch in Österreich hat die letzte Pelztierfarm bekanntlich ihre im November 1998 für immer geschlossen. Die Zahl der Pelzgeschäfte ist überschaubar, illegale, gewaltfreie Aktionen ökonomischer Sabotage nehmen zu und immer mehr Pelzgeschäfte schließen.

Weltweit werden Anstrengungen unternommen, dieser Industrie den Todesstoß zu versetzen. Ähnliches gilt für Zirkusse. Die Zahl der Zirkusse ist so gering, deren Lobby fast nicht vorhanden, daß auch die Vernichtung dieses Tierausbeutungszweiges mittelfristig möglich erscheint. Deshalb sind viele Gruppen dazu über gegangen, sich während der Wintermonate in erster Linie auf Pelzgeschäfte zu konzentrieren und so oft wie möglich vor jedem Zirkus zu demonstrieren, der in die Stadt kommt.

Solche Etappensiege geben Kraft und Auftrieb weiterzumachen, außerdem ist es oft leichter Menschen für ein konkretes, erreichbares Ziel zu gewinnen. Kampagnen wie diese sollten aber auch unter den Gruppen koordiniert werden.

Ein Tip: Vor einigen Monaten ist ein Buch von zwei langjährigen Tierrechtsaktivisten herausgekommen, das auf alle Aspekte der aktiven Arbeit eingeht. Von der Gründung einer Tierrechtsgruppe, über die Herstellung von Flugblättern und Postern, Kampagnenführung, Medienarbeit, Verhalten gegenüber Behörden bis hin zu Geldbeschaffung, wird alles was von Interesse sein könnte behandelt. Du kannst das Buch (auf englisch) direkt im Internet lesen, und zwar unter www.veganvillage.co.uk/miso.

Seitenanfang | Übersicht | Homepage