Warum vegan? > Tierrechte > Vegane Schuhe

Schlimmes Leder, schlimme Schuhe, sagt ein altes deutsches Sprichwort. Nicht zu Unrecht: Wer sich den Umwelt-Schuh anziehen möchte, sollte besser auf vegane Materialien zurückgreifen.

Und was trägst du dann für Schuhe, wenn du Leder ablehnst?, werde ich – wieder einmal – von einer unveganen, aber ökologisch versierten Bekannten gefragt. Billigschuhe aus Plastik? Ich schmunzle in Vorfreude auf das verblüffte Gesicht: Ökologische Fair-Trade-Schuhe, die unter anderem aus recycelten Autoreifen hergestellt werden. Ein erstaunter Blick streift meine Füße, die im Haus nur spanische Stoff-Espandrillos tragen und daher die Neugierde meines Gegenübers nicht befriedigen können. Die Modenshow beginnt. Ich packe bequeme schwarze Leder-Turnschuhe, schicke rote Ballerinas und dicke Winterstiefel aus. Ungläubig werden sie begutachtet: Aber die sind doch alle aus Leder? Ich schüttle den Kopf: Nein, die sind komplett vegan, vom Kautschuk bis zum Kleber.Die sehen wirklich ganz normal aus, gibt meine Bekannte beeindruckt zu. Fast scheint sie ein wenig enttäuscht: Und ich dachte schon, das wären vielleicht solche Riemensandalen aus den Anden oder so. Ich lache, zeige ihr außerdem meine Laufschuhe und Trekking-Sandalen, die beide in ganz normalen Sport- und Outdoorläden erhältlich sind. Schließlich verweise ich noch auf meine Leinenschuhe: Die sind bio und fair trade, deshalb habe ich sie im Versandhandel bestellt. Dort kann ich mich auch darauf verlassen, dass der Kleber vegan ist. Leinenschuhe im Stil der beliebten Chucks gibt es aber in jedem Schuhgeschäft zu kaufen.Ach, freut sich meine Gesprächspartnerin, dann habe ich ja sogar auch vegane Schuhe!

Woher nehmen, worauf achten?

Solche oder ähnliche Diskussionen haben die meisten Veganer_innen schon unzählige Male geführt. Dabei ist ein tierfreundlicher Schuhkauf heute gar nicht mehr schwer: Neben veganen Spezialgeschäften mit politisch korrektem Angebot, die ihre Ware größtenteils übers Internet anbieten, finden sich auch in praktisch jedem Schuhladen potentiell vegane Schuhe. Ein Blick in das Schuhinnere lohnt sich: Mittels spezieller Piktogramme ist gekennzeichnet, aus welchen Materialien sich die einzelnen Schuhteile zusammensetzen (Material-Übersicht). Leider nicht angeführt ist der Kleber, der tierliche Substanzen wie beispielsweise Kasein enthalten kann. Hier hilft nur eine Anfrage direkt bei dem_der Schuhhersteller_in. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft ausschließlich Schuhe von veganen Schuhfabrikant_innen (s. Vegane Spezialgeschäfte).

Umweltverträglichkeit veganer Schuhe

Bedeutend umweltfreundlicher als gegerbtes Leder sind atmungsaktive, pflanzliche Naturmaterialien wie Leinen und Baumwolle. Sie eignen sich ideal für die wärmere Jahreszeit, sind aber weder wasserabweisend noch schützen sie vor großer Kälte. Insbesondere für den Winter gibt es daher Schuhe aus einem Polyurethan-Baumwollgemisch, das optisch nicht von echtem Leder zu unterscheiden ist. Es ist robust, atmungsaktiv, feuchtigkeitsausgleichend und zeichnet sich durch eine lange Haltbarkeit aus. Aufgrund des hohen Baumwollanteils kann es sogar größtenteils biologisch abgebaut werden. Die Sohlen bestehen meist aus Natur- oder synthetischem Kautschuk, teilweise auch aus recycelten Gummireifen.

Material-Übersicht Schuhe

Piktogramm Beschreibung
Symbol eines Tierfelles Leder: Häute und Felle, deren Faserstruktur nicht verändert wurde. Vorsicht: Leder, das aufgelöst oder gemahlen und verklebt und zu Bahnen verarbeitet wurde, gilt nicht als Leder. Eine aufgetragene Farb- oder Folienschicht darf nicht dicker als 0,15 mm sein.
Symbol eines Tierfelles mit einer quer liegenden Raute darauf Beschichtetes Leder: Leder mit einem Farbauftrag oder einer Folie, die dicker als 0,15 mm ist. Ist der Auftrag stärker als 1⁄3 der Gesamtstärke, gilt das Material nicht mehr als Leder, sondern als Kunstleder!
Symbolisches Gewebe Natürliche und synthetische Textilien
Quer liegende Raute Sonstiges Material:
Alle Materialien, die sich nicht in eine der anderen drei Kategorien einordnen lassen, z.B. Gummi oder Kunststoff.

Achtung: Wurde eine mechanische oder chemische Auflösung des Leders in Fasern, kleine Stücke oder Pulver vorgenommen, so gilt das Material nicht als Leder. Unter sonstiges Material können daher theoretisch auch Substanzen fallen, die Lederbestandteile enthalten. In der Praxis dürfte dies aber wenig relevant sein, da Leder gemeinhin als Qualitätsmerkmal gesehen wird und Schuhfirmen ungern auf die Angabe von Leder verzichten. Allerdings gilt hier genau wie auch in Bezug auf den Kleber: Um sicher zu gehen, empfehlen wir eine Produktanfrage zu stellen oder am besten gleich Schuhe von ausschließlich vegan produzierenden Firmen zu kaufen.

Vegane Spezialgeschäfte

In Österreich gibt es garantiert vegane Schuhe bei zwei Veganversänden:

Mehr Auswahl gibt es im europäischen Ausland:

Wanderschuhe

Konventionelle vegane Wanderschuhe gibt es z.B. von Garmont (als vegan gekennzeichnet), Patagonia, Montrail, Aku und La Sportiva. Steigeisenfeste Modelle bieten unter anderem Garmont, La Sportiva und Aku an. Vegane Fair-Trade-Wanderschuhe können in Österreich entweder bei Muso Koroni (Naeverest Schuhe) oder beim Veganversand Lebensweise (Vegetarian Shoes) bestellt werden.

Wo der Schuh drückt

Kleidung und Schuhe, die die meisten Menschen heute üblicherweise in normalen Läden kaufen, werden hauptsächlich in Billiglohnländern produziert. Die für uns so preisgünstige Kleidung bezahlen Arbeiter_innen mit unzumutbaren Arbeitsbedingungen, Gefährdung ihrer Gesundheit und Löhnen, die selbst für lokale Verhältnisse so niedrig ausfallen, dass trotz zahlreicher Überstunden keine Existenzsicherung gewährleistet ist. Viele müssen mit schädlichen Färbemitteln hantieren, die die Haut und darunter liegende Gewebe schädigen. Sozialleistungen wie Krankenurlaub oder Mutterschutz existieren kaum, die Gründung von Gewerkschaften wird oft durch Entlassungsdrohungen im Keim erstickt. Neben der ständigen Beschäftigungs- und Lohnunsicherheit sind die Arbeiter_innen häufig körperlichem Missbrauch, Diskriminierung und psychischem Druck durch Vorgesetzte ausgeliefert. Die von uns gelisteten Schuhmarken (s. Vegane Spezialgeschäfte) produzieren allesamt sweatshop-frei und unterstützen die unfairen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung der Menschen daher nicht.