Vortrag: "Vegetarianism and Animal Rights"


It is not bigger cages we want, but empty cages!

von Tom Regan

Während seiner diesjährigen Vortragstour durch Europa besuchte Professor Tom Regan, einer der größten Vordenker der Tierrechtsbewegung, von 6. - 8. Nov. 2001 auch Österreich. Er hielt sowohl an der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine Vorlesung als auch für die Öffentlichkeit im Albert Schweitzer Haus einen Vortrag.

Professor Regan erzählte davon, wie er selbst auf Tierrechte aufmerksam wurde. So wuchs er in einer Arbeiterfamilie auf in der Fleisch einen hohen Stellenwert genoss. Fleisch war etwas besonderes und sein Vater war stolz darauf dass er mit zunehmendem Wohlstand seiner Familie immer mehr und öfter Fleisch auf den Tellern bieten konnte. Auch als Regan selbst vorübergehend in einer Schlachterei arbeitete kam ihm nie der Gedanke, dass etwas an der Behandlung und Nutzung der Tiere in unserer Gesellschaft falsch sein könnte.

Im Zuge seines Engagements gegen den Vietnam Krieg aber wurde er auf die Schriften von Mahatma Ghandi aufmerksam, die ihn sehr beeindruckten. Ghandi stellte ihm nun aus den Büchern heraus die Frage warum, wenn er doch gegen Gewalt eintrete, in seinem Kühlschrank eine Reihe von Körperteilen getöteter Tiere lagerten. Wie wolle er die Gewalt die zur Tötung dieser Tiere nötig war denn rechtfertigen? Da ihm darauf keine Antwort einfiel begann er sich intensiver mit diesem Problem auseinander zu setzen, und erkannt in Folge, dass aus dem Prinzip der Menschenrechte unmittelbar und konsequenter Weise auch der Respekt vor Tierrechten folgen musste. Er wurde also Veganer und aktiver Tierrechtler.

Im Zuge seiner Tierrechtsaktivitäten nahm er auch immer wieder bei Protesten und Aktionen zivilen Ungehorsams teil, wobei er auch festgenommen wurde, meinte aber dass diese Art des Aktionismus nicht gerade eine Stärke von ihm wäre. Vielmehr sieht er den Hauptbeitrag den er als Teil der Tierrechtsbewegung leisten kann darin Leute über Tierrechte zu unterrichten, Tierrechte auf eine solide philosophische Basis zu stellen und andere Intellektuelle wie etwa TierexperimentatorInnen auf gleichem Niveau zur Rede zu stellen.

In Beeindruckenden und einfachen Worten stellte er in Folge die Philosophie der Tierrechte dar und ging auf immer wieder zu hörende Einwände ein.

So verglich er Rechte mit Trümpfen in einem Kartenspiel. Rechte würden die grundlegenden Bedürfnisse eines Individuums (wie Leben, Unversehrtheit und Freiheit) gegenüber den Interessen einer Gemeinschaft schützen. So wäre zum Beispiel ein einzelner Mensch aufgrund seiner Rechte davor geschützt dass gegen seinen Willen Experimente mit ihm angestellt würden, auch wenn eine große Gruppe von anderen Menschen oder auch die gesamte restliche Menschheit von den Ergebnissen dieser Experimente profitieren würde. Die Grundrechte des einzelnen gehen vor! Das ist das Prinzip der Menschenrechte.

Was für Gründe könnte es nun geben diese grundlegenden Rechte Tieren vorzuenthalten? Meist werden folgende Einwände vorgebracht: Tiere würden selbst auch nicht moralisch Handeln, warum sollten wir sie also moralisch berücksichtigen? Tiere hätten keine abstrakte, verbale Sprache und kein Selbstbewusstsein. Und Tiere könnten ihre Rechte nicht selbst geltend machen.

Regan hält diesen Einwänden das Beispiel eines menschlichen Säuglings entgegen. Auch dieser besitzt keine abstrakte Sprache und kein Selbstbewusstsein, auch dieser kann seine Rechte nicht selbst geltend machen und auch von diesem können wir nicht erwarten, dass er moralisch einsichtig handelt und Rücksicht auf andere nimmt. Trotzdem sind wir der Überzeugung, dass dieser Säugling auch wenn es keinen Menschen gäbe der ihn liebte oder dem er etwas Wert wäre, Rechte hat, die ihn schützen. Regan meint nun, dass einem Säugling deshalb diese Rechte zustehen, weil er offensichtlich Wahrnehmungen, Wünsche, Vorstellungen, Gefühle und Empfindungen hat und sein Leben ihm etwas bedeutet und zwar ganz unabhängig davon ob es für andere von Wert ist oder nicht. Selbiges gilt aber auch für viele nicht-menschliche Tiere.

Wo wäre nun nach Regan die Grenze durch das Tierreich zu ziehen oberhalb derer Tiere Rechte hätten? Regan meinte, dass er sich nicht trauen würde den genauen Verlauf dieser Grenze anzugeben. Überhaupt sollten solche Grenzen nur mit Bleistift gezogen werden damit man sie jederzeit wieder ausradieren und nachträglich revidieren könnte. Eines ließe sich aber mit Sicherheit bereits sagen, nämlich dass jene Tiere die wir als "Nutztiere" heranziehen auf alle Fälle oberhalb dieser Grenze anzusiedeln wären.

Einige seiner wichtigsten Statements:

  • Alle Menschen, die Tierrechte nicht anerkennen, haben das Prinzip von Menschenrechten nicht verstanden. Das wesentliche Grundrecht aller Subjekte eines Lebens ist das Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden. Regan formuliert dieses Recht in seinem "Respektprinzip". Dieses Prinzip besagt, dass jedes Subjekt eines Lebens nicht nur als Mittel zum Zweck für andere dienen darf. Stattdessen muss ein Subjekt eines Lebens in einer Weise behandelt werden, in der sein inhärenter Wert, der für alle Subjekte eines Lebens gleich ist, respektiert wird. Mit anderen Worten, ein Subjekt eines Lebens muss immer als Zweck an und für sich selbst betrachtet werden, und niemals als Mittel für die Zwecke anderer.

  • Er nahm menschliche Babys als Beispiel dafür, dass Rechte nicht antastbar sind. Alle Menschen sind sich einig, dass Babys Rechte haben, obwohl diese ihre Rechte weder einfordern noch diese artikulieren können. Auch wenn wir von ihnen nicht moralisches Handeln verlangen können, sind sie "Subjekts of a Life" (Subjekte eines Lebens). Auch wenn sie im Augenblick leben, keine "Zukunftspläne" schmieden (also nicht ein mit Erwachsenen vergleichbares Selbstbewusstsein haben), würde niemand auf die Idee kommen, dass man sie einfach ausbeuten oder töten kann.Wenn wir also einverstanden sind, dass jedes Subjekte eines Lebens Grundrechte haben muss, dann dürfen wir Tiere keinesfalls ausschließen.

  • Bei welcher Tierart soll man die Grenze für die Tierrechtsforderung ziehen? Regan meint, dass man diese Grenzlinie mit einem Bleistift ziehen soll; aber mit Sicherheit kann man sagen, dass die sogenannten "Nutz"Tiere ohne Zweifel Subjekte eines Lebens sind. Daher ist die vegane Lebensweise wichtig für die Umsetzung von Tierechten in der Gesellschaft.

Der Vortrag wurde mitgeschnitten und ist auf Video gegen Kostenersatz von 100,- bei uns erhältlich.

Eine Buchrezension seines Buches "The Case for Animal Rights" finden Sie hier. Dieses Standardwerk der Tierrechte wird im Frühjahr 2002 in deutscher Sprache erscheinen.

Es ist geplant, Tom Regan auch zum Tierrechtskongress 2002 einzuladen.

 

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