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Pelzkampagne (2/99)


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Die Luft wird immer dünner für die Pelzindustrie. Weltweit dreht ihr die Tierrechtsbewegung die Geldquellen ab, und in Österreich ist das nicht anders. Nach dem Verbot der Fallenjagd für die Pelzproduktion vor über 60 Jahren, und dem Aus für Pelzfarmen ab dem 30. November 1998, gelten Pelze auch amtlich als Tierquälerei. Und gegen diese Tierquälerei haben sich jetzt die Energien der Tierrechtsbewegung konzentriert. 
Schon letztes Jahr gab es in Wien Dauerdemos gegen Pelze, zunächst nur vor dem Pelzgeschäft Liska auf der Kärntnerstraße, und dann auch im gesamten 1. Bezirk bzw. auch auf der Mariahilferstraße und der Meidlinger Hauptstraße. In der ersten Dezemberwoche wurde das Pelzgeschäft Liska täglich während der gesamten Öffnungszeit belagert. 1997 wurde an 5 Samstagen im November/Dezember, und dann 1998 jeden Samstag bis in den März hinein protestiert. Eine Reihe von Anzeigen wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und wegen „Ärmelzupfens“ von pelztragenden Passanten kamen vor Gericht. Endgültige Urteile stehen bis heute aus.

Natürlich gab es auch in anderen Städten einen Widerstand gegen die Pelztierqual, wie z.B. einen Nacktumzug in Innsbruck und Infotische an vielen Orten, Anti-Pelzplakate auf Werbeflächen, tausende verteilte und ausgelegte Anti-Pelzfolder und –pickerl, „Pelz ist Tierqual“ Transparente, die tagelang an der Autobahn aushingen.

Alle diese Aktionen zusammen bewirkten einen Rückgang des Pelzhandels gegenüber 1996 um 12.8%.

1998 wurden die Anti-Pelzdemos noch größer und noch früher begonnen. Seit Samstag dem 3. Oktober stehen Tierrechtler jeden Samstag zwischen 8 und 12 Stunden irgendwo in der Inneren Stadt in Wien und protestieren gegen Pelze. Dabei werden Pelzvideos genauso gezeigt (mittels TV bzw. manchmal sogar an der Großleinwand) wie Pelztierfallen, und pelztragende Passanten werden mit der Wahrheit konfrontiert. Bisher gab es 15 solche Pelzdemos in Wien Oktober-Dezember 98 allein. Dazu wurden außerhalb einzelner Pelzgeschäfte sowie vor Pelzmodeschauen Proteste abgehalten, Anti-Pelzpickerl tausendfach verteilt, Anti-Pelzinfostände abgehalten (auch außerhalb Wiens) und wieder eine Nacktdemo in Innsbruck durchgeführt, einen Anti-Pelz Tag in Bozen am 14.12., usw.

Der Pelzhandel reagierte erwartungsgemäß gewalttätig. Der Besitzer des Pelzhauses Foggensteiner am Opernring 23, Arnold Österreich, wohnhaft Stubenring 21, Wien 1, versetzte einer Demonstrantin eine Ohrfeige und jagte sie hunderte Meter durch die Straßen. Ähnlich reagierte der Besitzer des Pelzgeschäfts Vogue in der Mariahilferstraße, indem er einem friedlichen Demonstranten ins Gesicht schlug. Bei den Demos auf der Kärtnerstraße kam es auch zu einigen Gewalttätigkeiten von Kürschnern, die vorbeikamen. Bei den zwei Demonstrationen in den letzten 2 Novemberwochen umstellten jeweils 8 Stunden lang 3 von der Pelzindustrie bezahlte Schläger die Demo, versuchten Informationen über die Demonstranten herauszubekommen und griffen einige Tierrechtler sogar tätlich an.

Für die 4 Adventeinkaufssamstage im Dezember hat sich dann die Pelzindustrie ein anderes Mittel einfallen lassen: sie meldete 5 Demonstrationen über die gesamte Innenstadt verteilt an, um die Tierrechtsdemo behördlich untersagen zu lassen. Die Tierrechtler hielten aber unbeirrt weiterhin ihre Demos ab. Die Pelzindustriedemos wurden tatsächlich mit etwa 5 bezahlten Leuten pro Demo durchgeführt. Auf großen Plakaten wurde für Pelz geworben, bzw. ein Stop des „Demo-Terrors“ gefordert. Endlich ergibt der Begriff „Berufsdemonstrierer“ für mich einen Sinn: eigenen Angaben zufolge bekommen diese Demonstranten 100 Schilling pro Stunde bezahlt.

Doch ungeachtet dessen wird der öffentliche Druck auf die Pelzindustrie immer größer. Im November 98 verkündete das österreichische Modehaus Kleider Bauer in allen 43 Filialen aus dem Geschäft mit echten Tierpelzen aus ethischen Gründen auszusteigen.

APA Berichten zufolge ging der Pelzhandel in Österreich im Jahr 1998 im Vergleich zum Jahr 1997 um weitere 6.5% zurück. Die Pelzbranche hatte damit, gleich hinter der Lederindustrie, den drittgrößten Rückgang aller Handelssparten zu verzeichnen. Die englische Modeschöpferin Karen Miller gab im Dezember bekannt, dass sie sich ab sofort ebenso von Tierpelz distanzieren würde. In Österreich und der Schweiz ist die Pelzherstellung verboten. In Holland wurden ebenso alle Pelzfarmen außer Nerzfarmen verboten, und in England kam im Jänner 99 ein neues Gesetz gegen Pelzfarmen vors Parlament. Es wird erwartet, dass dieses Gesetz ohne größere Verzögerungen beschlossen werden wird. Und in Norwegen wurden alle Pelzfarmen vor Gericht gebracht, weil sie gegen geltende Gesetze bzgl. der Haltung von Wildtieren und bzgl. dem Verbot von Tierquälerei verstoßen. Die Urteile stehen noch aus.

Eine Meinungsumfrage unter 562 Erwachsenen in den USA ergab, dass 86% das Leid der Pelztiere nicht egal ist. 59% sagten sie würden nicht in Kaufhäusern einkaufen, die Pelze von gequälten Tieren anbieten.

Die internationale Pelzindustrie reagierte entsprechend bestürzt auf das Pelzfarmverbot in Österreich. Sie beauftragte einen österreichischen Rechtsanwalt zu prüfen, ob dieses Gesetz verfassungskonform ist. Zusätzlich versucht sie mit EU-weiten Pelzfarmgesetzen das österreichische Verbot auszuhebeln. Unter dem Druck kam es zu einem heftigen Streit innerhalb der Pelzindustrie, und das größte Auktionshaus in Kopenhagen, Dänemark, trat aus der europäischen Pelzvereinigung aus. In internen Briefen, die von Tierrechtlern abgefangen wurden, sagen die Pelzleute selber, dass sie vor „enormen Problemen“ stehen, und dass „große politische Probleme“ die Pelzindustrie erschüttern.

In vielen anderen Ländern sind die Tierrechtler zum aktiven Widerstand gegen die Pelzindustrie angetreten. So gab es z.B. in Polen im August, Oktober und November 98 jeweils einen nächtlichen Besuch einer Pelzfarm, bei der jeweils bis zu 800 Füchse mit ungefährlicher Farbe gefärbt wurden, um die Pelze wertlos zu machen. In Irland wurden im Oktober erstmals Nerze aus einer Farm befreit, und auch in Deutschland gab es im Oktober zwei Befreiungen mit 2500 Nerzen und 1000 Iltissen. In Canada wurde am 16. November in Edmonton ein Pelzgeschäft mit einem Molotovcocktail attackiert und angezündet. Alle diese Informationen stammen aus dem Internet und sind nicht als vollständige Liste anzusehen.

In Finnland spitzt sich die Lage immer dramatischer zu. Im September 98 gab es insgesamt 8 Attacken auf Pelzfarmen, bei denen zusammen 500 Füchse und 15,000 Nerze befreit, eine Farm niedergebrannt und ein Transportfahrzeug zerstört wurde. Diese Angriffe zusammen mit einigen Demos führten dazu, dass 2 Pelzfarmen schließen mussten.

Im Oktober wurden dann in insgesamt 11 Aktionen zusammen 1150 Füchse gefärbt und 460 Füchse, 200 Waschbären und 1300 Nerze befreit, von 11 Pelzgeschäften die Scheiben zerschlagen, ein Lastwagen zerstört und ein Pelzgeschäft niedergebrannt. Der Besitzer des niedergebrannten Pelzgeschäftes, dessen Farm drei Tage später ebenfalls besucht worden war, gab bekannt, dass er aus dem Geschäft aussteigen werde.

Ein Pelzfarmer, der 3 Tierrechtler auf seiner Farm überrascht, beschossen und sehr schwer verletzt hatte, stand im Jänner 99 vor Gericht und wurde wegen Totschlags verurteilt. Das Strafausmaß wird noch bekannt gegeben. Insgesamt mussten 100 finnische Pelzfarmen schließen. In internen Pelzmagazinen wird eine Reduktion der Pelzproduktion um 30% für notwendig erachtet.

In Schweden überstürzen sich auch die Ereignisse. Seit August 98 wurden im Internet 19 Attacken auf den Pelzhandel bekannt. Dabei kam es insgesamt zu der Befreiung von 34,500 Nerzen und 50 Füchsen, einige Füchse wurden gefärbt, bei allen besuchten Pelzfarmen inklusive einer Frettchenfarm die Zuchtnachweise entfernt, bei 20 Pelzgeschäften die Scheiben eingeschlagen und bei 2 Geschäften ein Loch ins Dach gebohrt und Wasser sowie Buttersäure hineingelassen. Eine scheinbar inaktive Pelzfarm wurde niedergebrannt und ein gut gesichertes Pelzgeschäft mit dem Auto angefahren und zerstört. Durch Dauerdemos und autonome Aktionen gelang es in Umea alle 22 Pelzgeschäfte zu schließen. Seit November 98 hat auch die schwedische Pelztierzüchterzeitschrift ihr Erscheinen eingestellt.

In den USA ging die Serie der Tierbefreiungen und Anschläge ebenfalls ungebrochen weiter. Von August bis Oktober wurden 7 Tierbefreiungen von zusammen 20,000 Nerzen bekannt. Dazu kommen mindestens 26 Attacken auf Pelzgeschäfte in bewährter Manier, das Niederbrennen einer offenbar verlassenen Farm und natürlich unzählige Anti-Pelz Demos, von denen die wichtigsten vielleicht eine Blockade eines Pelzgeschäftes durch 10 Tierrechtler am 24. 10., der Fur Free Friday am 27. 11. mit Aktionen in 100 Städten mit zusammen 63 Verhaftungen von Tierrechtlern, und die Erstürmung einer Pelzhändlerkonvention durch 50 Tierrechtler am 9. Jänner 99, sind. Auch in den USA zeigt die Pelzindustrie ihre Verwundbarkeit: die Anzahl der Pelzfarmen geht auch immer weiter zurück und das Fur Information Council der USA ist in Auflösung begriffen. 

In England, dem Mutterland der Tierrechte, ist die Pelzindustrie ebenfalls schon auf den Knien. Seit August 98 gab es 4 Nerzbefreiungen, am 7. 8. 6000 Nerze, am 14. 8. 1000 Nerze, am 16. 9. 8000 Nerze und im Jänner 99 weitere 500. Dazu kam es zu 2 Brandanschlägen gegen Pelzfarmen, neben unzähligen Attacken auf Pelzgeschäfte. Im Dezember 98 schlossen zwei weitere Pelzfarmen, sodaß nur noch 13 Pelzfarmen in England existieren. Ein Gesetz diese letzten 13 Farmen zu schließen wird demnächst im Parlament beschlossen werden. Bis dahin hat allerdings das Parlament eine Verordnung erlassen, nach der die Pelzfarmen gewisse Sicherheitsvorkehrungen gegen Befreiungen durch Tierrechtler zu treffen haben. Insider Informationen zufolge könnten die teuren Sicherheitsanlagen einigen Pelzfarmen das finanzielle Genick brechen.

Vom 16. – 21. 11. organisierten die englischen Tierrechtler eine Aktionswoche gegen Pelze in London. Die ganze Woche hindurch wurde die Direktion der Britischen Pelzhandels-Assoziation belagert, 24 Stunden pro Tag! Praktisch alle Pelzgeschäfte hatten Demonstranten davor, die gesamte Zeit in der Woche, die sie offen hatten (insgesamt 6 von 8 Geschäften). Besitzer von Pelzgeschäften wurden zu Hause "besucht". Kleingruppen von Aktivisten zogen durch die Straßen um Pelzträger zu finden und sie anzupöbeln. Ein Pelzmantel wurde in einem Restaurant gesichtet. Die Tierrechtler gingen hinein und schrieen wem dieser Mantel gehöre usw.! Großdemos vor Pelzgeschäften führten dazu, dass diese geschlossen wurden und den ganzen Tag unter Polizeischutz standen. Ein Aktionstag in Zentral-London sowie die Aktion "Lieber betrunken als im Pelz" mit 100 Teilnehmern, rundeten die Woche ab. Ein voller Erfolg.

Im November gelang es englischen Tierrechtlern eine Liste von Kunden des reichsten Pelzhauses von England, Calman Links, in London, zu bekommen. Die Adressen von etwa 50 hochkarätigen Pelzkunden wurden in der Tierrechtsbewegung verbreitet. Weitere folgten tröpferlweise nach. Der ALF Presse Kontakt kündigte Anschläge auf Häuser und Autos dieser Leute an. Dazu wurde an alle Kunden des Pelzhauses ein Brief mit authentischem Briefkopf des Pelzhauses geschickt, in dem stand, dass ihre Adressen unbeabsichtigt weitergegeben worden waren, und dass das Pelzhaus jetzt schließen müsse. Eine Anzahl von Attacken folgte dieser Aktion.

Andere Pelzgeschäfte haben Dauerdemos von 2 bis 5 Leuten vor ihrem Geschäft. Tierrechtlern gelang es einen Brief abzufangen, in dem der Besitzer eines solchen Geschäftes seinen Kunden schreibt, wann sie am ehesten kommen könnten ohne von Demonstranten belästigt zu werden, und dass sie auch per Post bestellen könnten.

Mit solchen und ähnlichen Taktiken ist es der englischen Tierrechtsbewegung über die Jahre gelungen, fast alle Pelzgeschäfte zu schließen. Die meisten englischen Großstädte sind pelzfrei.

Weltweit wird’s also für die Pelzindustrie immer enger. Die große Anzahl von Menschen mit Pelz in Wien täuscht über die wahren Verhältnisse hinweg. Erstens sind die meisten dieser Pelze alt, und die Träger beteuern auf Anfrage, dass sie nie wieder einen weiteren kaufen würden. Und zweitens ist Wien die große Ausnahme: überall sonst, von Holland bis Deutschland, von Australien bis England, von Canada bis in die USA, ist Pelz so geächtet, dass viel weniger Menschen Pelz auf der Straße tragen als in Wien. Nur Mailand in Italien hat ähnliche Verhältnisse. Es liegt an uns diesen Zustand zu ändern.

Der Pelzhandel kollabiert weltweit. Jedes Land mit Pelzproduktion muss diese stark reduzieren. Selbst in Russland wird die Pelzproduktion um 25% gegenüber 1998 gedrosselt. Die englische Mail on Sunday verkündete am 11. 10. 98, dass der internationale Pelzmarkt im totalen Chaos wäre. Seit Juni sei der Pelzpreis um mehr als 50% gefallen. Das Kopenhagener Auktionshaus hat das Angebot um die Hälfte reduziert und trotzdem nur ein Viertel verkauft. Seit dem wirtschaftlichen Kollaps Russlands ist das wichtigste Land für den Pelzankauf ausgefallen.

1998 war die Anzahl der Pelze aus Farmen am internationalen Markt um 5.5% größer als 1997. Der Grund dieser Zunahme liegt darin, dass die meisten Pelzproduzenten ihre Produktion einschränken, und deshalb viele der Zuchttiere getötet und gepelzt worden sind. Nächstes Jahr werden wir also einen drastischen Rückgang der Pelzproduktion erleben. 1998 starben insgesamt 28.3 Millionen Nerze und 4.7 Millionen Füchse in Pelzfarmen. Jedes einzelne Tier davon war eines zuviel. Die Pelzindustrie steht am Rand des Abgrunds. Geben wir ihr noch einen letzten kräftigen Stoß.