Kunstsymposium: "Tier als Subjekt"


Das TR-Kunstsymposium "Tier als Subjekt" in Grosswarasdorf im Burgenland war ein riesen grosser Erfolg. Rund 20 Personen nahmen durchgehend an der Veranstaltung teil, und am Spitzentag, dem Donnerstag, waren sogar gezählte 52 Personen dabei. Bei der Pressekonferenz waren Fernsehen, Radio und 2 Lokalzeitungen anwesend. Alle Vorträge und Veranstaltungen waren auf höchstem Niveau. Dieses Symposium war eine beeindruckende Vorstellung der Tierrechtsbewegung in Österreich, ihrer Einigkeit und ihres Potentials.

Zusammenfassung der Veranstaltungen:

MONTAG 20. AUGUST

Den ganzen Tag hinweg gab es Berichte und Videos von Kampagnen gegen verschiedene Formen der Tierausbeutung, sowie persönliche Erzählungen von in die jeweiligen Kampagnen involvierten TierrechtsaktivistInnen. Mittag- und Abendessen wurden im Seminarzentrum eingenommen.

Martin Balluch berichtete über generelle Strategien bei Kampagnen gegenTierversuche, und zeigte brandneue Videos aus Versuchslabors in Himberg, Orth, Berlin (Deutschland) und Oregon (USA).

Keith Mann erzählte von den Erfolgen bei Kampagnen gegen spezifischeTierversuchseinrichtungen wie Consort Beagles (Versuchshundezucht), Hillgrove Farm (Versuchskatzenzucht), Shamrock Farm (Versuchsprimaten) und Regal Rabbits (Versuchskaninchen) und untermalte diese Erzählung mit Videos von Demonstrationen und Anschlägen mit Sachschaden. Dann beschrieb er die bereits weltweit verbreitete Kampagne gegen HLS und forderteÖsterreich auf sich an diese Kampagne anzuschliessen.

Marion Löcker informierte über die Kampagne gegen die Schweinefleisch"produktion". Bei Recherchen zur Schweinehaltung inÖsterreich ist sie selber von einem Schweinehalter angeschossen worden. Dieser zahlte zwar Schmerzensgeld, wurde aber nie strafgesetzlich angeklagt. Dann war das neue Schweinevideo zu sehen.

Bernd Haberditzl beschrieb die Kampagne gegen den Singvogelfang imoberösterreichischen Salzkammergut. Ausschnitte aus einer HELP-TV Sendung zum Thema, sowie die Sabotage von Singvogelfängern beim Fang, wurden auf Video vorgeführt.

Franz Planck erzählte von den langjährigen Bemühungen die Lebendtiertransporte zu beenden, von den Blockadeaktionen und von derReaktion der Staatsgewalt gegen diese Art des zivilen Ungehorsams. Ein Film von Karremann wurde gezeigt.

Fritz Landa sprach von der brutalen Gewalt in Schlachthöfen, und wie seindiese Brutalitäten dokumentierendes Video zustandekam und wie darauf aufbauend jetzt eine Kampagne gegen Schlachthöfe geführt wird. Danach war das Video mit Musikuntermalung zu sehen.

Jürgen Faulmann berichtete von der Kampagne gegen Tierzirkusse, vor allem von der Kampagne gegen den Golden Circus und gegen den Zirkus Knie. Dabei schilderte er auch die Gewalttätigkeiten der Zirkusleute. Dann wurde das Zirkusvideo gezeigt.

Am Abend gingen rund 15 TeilnehmerInnen zu einer Putenfabrik und konnten sich mit eigenen Augen von der Brutalität der intensiven Massentierhaltung in Österreich überzeugen. Eine tote Pute, die den Haltungsbedingungen erlegen war, wurde gefunden.

DIENSTAG 21. AUGUST

Um 9.30 Uhr nahmen rund 20 TeilnehmerInnen des Symposiums die Gelegenheit wahr, von Claudia Kment vom Zoo Schönbrunn über die kognitiven Fähigkeiten von Orang Utans, das Beschäftigungsprogramm für Orang Utans im Zoo Schönbrunn und über die Malereien der Orang Utan Frau Nonja informiert zu werden. Leider hat der Zoo Schönbrunn in letzter Minute plötzlich 100 Schilling pro TeilnehmerIn verlangt, plus weitere 500 Schilling für die ganze Gruppe, was bei vielen die verständliche Beschwerde auslöste, dass sie für eine Tierausbeutungsinstitution wie einen Zoo kein Geld zu zahlen bereit wären. Die Kritik bestätigte sich auch insofern, als dass Frau Kment, trotz aller persönlicher Anteilnahme und unbestrittener Fürsorge für die Orang Utans, sie dennoch - im Vergleich zu ihrem Verhalten Menschen gegenüber - wie Objekte behandelte.

Einige von Nonjas Malereien wurden vorgeführt und besprochen. Für jedes Bild hat sie zwischen 20 Minuten und 1 Stunde gebraucht. Die Bilder erscheinen insgesamt sehr gewollt und nicht zufällig. Sie füllen die Leinwand aus. Die Farben wurden auch von der Künstlerin selber gemischt. Ihr jeweiliger Gefühlszustand während der künstlerischen Aktivität ist in den Bildern wiederzufinden.

Das vegane Mittagessen wurde gemeinsam im vegetarischen Restaurant Vegetasia in der Kaiserstrasse eingenommen.

Am Nachmittag wurde das Wiener Tierschutzhaus besucht. Veronica Osben-Orellana, die an einem Beschäftigungsprojekt für die WTV-SchimpansInnen Hiasl und Rosi arbeitet, gab einen sehr überzeugenden Einblick in die kognitiven Fähigkeiten von SchimpansInnen. Anhand von Videos wurden ganz erstaunliche Einblicke in die Psyche von Menschenaffen möglich, die sich mit Zeichensprache verständigen können. Anschliessend wurde ein Video aus dem Jahr 1972 gezeigt, das die "Arbeit" von WissenschafterInnen am Primate Research Center in Atlanta, USA, dokumentiert. In diesem Versuchslabor wurden reihenweise brutalste Studien an Primaten und u.a. auch Menschenaffen durchgeführt um z.B. ihr Sexualverhalten zu ergründen. Der Geisteszustand dieser Menschen, die offenbar noch stolz auf diese Art der "Arbeit" sind und keinerlei moralische Zweifel bei ihnen selbst erkennen lassen, war dabei am erschütternsten.

Anschliessend besuchten die TeilnehmerInnen Hiasl und Rosi persönlich.

Später am Abend wurde eine Legebatterie angeschaut. Rund 10 TeilnehmerInnen konnten mit eigenen Augen 200.000 zerrupfte, federloseHühner in langen Reihen kleinster Käfige zusammengefpercht sehen und ihnen durch die stickige, staubige Luft hindurch in die verzweifelten Augen schauen.

MITTWOCH 22. AUGUST

Am Vormittag wurde die Kunstausstellung "Tier als Subjekt" in der Galerie im Keller des Seminarzentrums aufgebaut. Die TeilnehmerInnen konnten dann bis über Mittag diese Ausstellung besuchen und mit zumindest einigen der KünstlerInnen über ihre Arbeit sprechen. Die Ausstellung blieb bis zum Ende der Woche offen.

Nach dem veganen Mittagessen wurde ein 40 minütiger Ausschnitt des Tierrechts-Tanzmusicals "Animal Lovers Project" von Jesse Richards gezeigt. In diesem Musical werden die Schicksale verschiedener nicht-menschlicher Tiere den ZuschauerInnen mit Musik, Gesang und Tanz sowie überblendeten Videos nähergebracht. So konnte man z.B. das Empfinden eines Zirkuselefanten oder eines gefangenen und verletzten Greifvogels miterleben. Aber es wurden auch einige Persönlichkeiten aus der TR-Bewegung in das Musical eingeflochten, wie z.B. Paul Watson bei der aktiven Verteidigung von Walen, Julia Butterfly auf ihrem Baum oder Last Chance for Animals bei der Infiltration eines Tierversuchslabors. Daneben ist aber auch einfach das Gefühlsleben verschiedener individueller nicht-menschlicher Tiere Thema dieses Musicals.

Danach erzählte Regina Haslinger als Kuratorin der Ausstellung "Herausforderung Tier" von verschiedenen Arten, in denen sich KünstlerInnen dem Tier als Subjekt nähern. Dabei gab es eine hitzige Diskussion, inwieweit bei der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema individuelle Tiere - und sei es nur als Leichnam - benutzt werden dürften. Andere KünstlerInnen versuchten zu ergründen, auf welche Weise die alltägliche Brutalität gegenüber nicht-menschlichen Tieren in unserer Gesellschaft dargestellt werden kann, ohne dass sich die BetrachterInnen abwenden und das Gesehene nicht an sich heranlassen.

Nach einer Pause wurden die folgenden jeweils rund 60 Sekunden langen Kunstvideos gezeigt: Blood and Shopping (Verein gegen Tierfabriken Film über Hühnerschlachtung) Vier Pfoten Film mit nackten Menschen in Legebatterie, Mast, Transport und Fleischwerbung NOAH Dolby Trailer (Delfine im Delfinarium) NOAH Horror Trailer (im Schlachthof) HSA Zeichentrickfilm über Jagdsabotage

Zuletzt wurde noch eine andere Möglichkeit des Zugangs zur Tierrechtsproblematik in Form eines Kunstfilms vorgestellt: "The Witness", ein 45 minütiger Film über einen Tierrechtler aus New York, der einfühlsam darlegt, wie sich dieser Mann langsam für das Schicksal nicht-menschlicher Tiere zu interessieren beginnt, Vegetarier wird und zuletzt die Tierrechtsarbeit zu seinem Lebensinhalt macht.

Nach dem veganen Abendessen gab es eine plenare Diskussion über die Gefühle der TeilnehmerInnen bzgl. des Erlebnisses im Zoo Schönbrunn, und über Möglichkeiten selbst tierrechtsaktiv zu werden.

DONNERSTAG 23. AUGUST

Der Tag begann mit einem Vortrag von Eberhart Theuer über das Grosse Menschenaffenprojekt. Nachdem die kognitiven Fähigkeiten der Menschenaffen illustriert und ihre derzeitige Rechtlosigkeit dargelegt worden war, wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie in Österreich in Form eines gerichtlichen Prozesses Menschenaffenrechte eingeklagt werden könnten.

Anschliessend wurde in einem interaktiven Rollenspiel ein solcher Sachwaltschaftsprozess durchgeführt. Dabei wurde angenommen, dass eine TR-Gruppe vertreten von einem Anwalt vor Gericht die Bestellung eines Sachwalters für den Schimpansen Hiasl des Wiener Tierschutzvereins einfordert. Verschiedene ZeugInnen und ExpertInnen wurden vernommen. Der Richter urteilte letztendlich, dass ein Sachwalter bestellt werden müsse. Damit erkannte er an, dass SchimpansInnen nach dem österreichischen Gesetz ein Personenstatus gebühren würde, sie also rechtsfähig wären und niemandes Besitz sein könnten.

Nach einem veganen Mittagessen gab Lisa Finlay von der Gruppe "Feminists for Animal Rights" einen über 2 stündigen Diavortrag zum Thema Tierrechte vom Standpunkt des Ökofeminismus. Dabei wurde aufgezeigt, wie das maskuline Selbstverständnis im Patriarchat sich durch Abgrenzung vom "Tierischen" und vom "Weiblichen" definiert. Das Weibliche und die Natur wären so zu etwas geworden, das vom Mann als etwas zu überwindendes und zu beherrschendes gesehen wird. Damit haben die Objektivierung und Ausbeutung der Frauen auf der einen Seite, und die Objektivierung und Ausbeutung der nicht-menschlichen Tiere auf der anderen Seite, dieselben Wurzeln. Diese Sicht wurde durch viele Beispiele, die die Parallele in der Art der Ausbeutung und ihrer Symbolik belegten, unterstützt.

Bei einer Pressekonferenz standen VertreterInnen der Grünen sowie einer der Organisatoren des Kunstsymposiums JournalistInnen von Fernsehen, Radio und Presse Rede und Antwort.

Anschliessend gab es eine Podiumsdiskussion unter der Moderation von Jürgen Faulmann zum Thema radikaler Tierrechtsaktivismus mit den TeilnehmerInnen Hildegard Wanka (Rechtsanwältin und Präsidentin des Zentralverbands der Tierschutzvereine Österreichs), Madeleine Petrovic (vegane Nationalratsabgeordnete der Grünen), Norbert Schauer (Rechtsexperte der Tierrechtsbewegung) und Martin Balluch (Tierrechtsaktivist). Die Diskussion ob illegale Aktionen vertretbar wären wurde zum Teil sehr hitzig, unter reger Anteilnahme des Publikums, geführt.

FREITAG 24. AUGUST

Martin Balluch beschrieb die Geschichte der Mensch-Tierbeziehung seit dem Beginn schriftlicher Aufzeichnungen im europäischen Kulturkreis. Die heute als so tief und weit gesehene Kluft zwischen Mensch und "Tier" stellte sich dabei als ein geschichtlich neues Phänomen heraus. Die aristotelische Hierarchie aller Lebewesen, die den "besseren" Lebewesen die "minderwertigen" auch gegen deren Willen auszubeuten gestattet, konnte als Wurzel der heutigen Tierausbeutung herausgearbeitet werden. Dabei zeigte sich - im Gegensatz zur heute oft angenommenen Kluft zwischen Mensch und "Tier" - eine Kontinuität der Unterdrückung von Frauen (Sexismus), über die Unterdrückung sogenannter anderer Menschenrassen (Rassismus) bis zur Unterdrückung anderer Tierarten (Speziesismus). Dann wurde der Beginn der Tierschutz- und der Tierrechtsbewegung illustriert und bis zur heutigen Situation verfolgt.

Das Video "Tiere klagen an" von der grazer Filmfirma MagicMovie wurde anschliessend vorgeführt. In 30 Minuten wird darin ein Querschnitt durch die TR-Bewegung in Österreich gezeigt.

Keith Mann berichtete dann von der Geschichte der TR-Bewegung in England, von ihren Anfängen über die Gründung der Jagdsaboteursbewegung bis zu den grossen Kampagnen gegen Tiertransporte und gegen Tierversuche in den 90er Jahren. Dabei konnte man aus erster Hand über die Geschehnisse um die Ermordung dreier TierrechtlerInnen Mike Hill 1991, Tom Worby 1993 und Jill Phipps 1995 erfahren.

Nach dem veganen Mittagessen wurde der englische Dokumentarfilm "Beastly Business" gezeigt, in dem über 1 Stunde hinweg die Aktionen des radikal-militanten Flügels der TR-Bewegung ziemlich objektiv dargestellt werden.

Anschliessend fasste Martin Balluch die Tierrechtsphilosophie zusammen, angefangen von Lewis Gompertz von 1824, über Henry Salt 1892 bis Tom Regan 1983 und Evelyn Pluhar 1995. Den ganzen Tag über gab es dazu einen Büchertisch mit 80 Büchern zu Tierrechtsthemen, sowie einer Anzahl von TR-Magazinen aus dem In- und Ausland.

Später, nach dem veganen Abendessen, gab es eine Diskussion über Ideen und Möglichkeiten innerhalb der TR-Bewegung aktiv zu werden, oder eine österreichische Tierversuchskampagne zu starten.

In der Nacht wurde eine Schweinefabrik besucht. In dieser Schweinemasthalle mit rund 3000 Schweinen war nicht ein einziger Strohhalm zu finden. In der zum Schneiden stickigen Luft, durch die jede Atmung schmerzt, müssen diese Tiere in ihrem eigenen Kot stehend, engst zusammengedrängt rund 5 Monate ihres Lebens verbringen, ohne wenigstens durch Fenster jemals einen Blick ins Freie machen zu können, nur um dann brutalst abtransportiert und getötet zu werden, damit sie von ignoranten Menschen gefressen werden können.

SAMSTAG 25. AUGUST

Keith Mann begann den Tag mit einer rund 3 stündigen durch Anekdoten angereicherten Erzählung von seinem Leben als Tierrechtler, von der Beschattung durch die Polizei, von seinen Brandanschlägen, von seiner Verhaftung, seinen Ausbruchsversuchen, letztendlich von seinem geglückten Ausbruch, dem Leben im Untergrund, der Wiederverhaftung, seinem Prozess und dem Leben im Gefängnis. Bis zu seinem Prozess hatte noch niemand eine 14 jährige Gefängnisstrafe für Tierrechtsaktivismus bekommen.

Anschliessend zeigte er den Dokumentarfilm "Angels of Mercy" vom englischen Fernsehen, für den sein Tierrechtsaktivismus, sein Gerichtsprozess und seine Gefängnisstrafe den Aufhänger boten. Der Film endet mit einer Sequenz, in der Keith Mann mit einem gerade aus einem Versuchslabor befreiten Hasen im Arm flieht während hinter ihm das Labor in Flammen aufgeht.

Keith Mann fasste dann die Geschichte der ALF zusammen, von ihren Anfängen als Band of Mercy 1972 bis zum heutigen Tag. Das Video "ALF - the movie" aus den frühen 90er Jahren, das dabei zu sehen war, ist von der ALF selbst gedreht worden und zeigt Szenen von Tierbefreiungsaktionen, aber auch von Brandanschlägen.

Harald Balluch gab zuletzt eine computerunterstützte Präsentation der Perspektive einer gewalt- und tierausbeutungsfreien Gesellschaft. Dabei wurde auch anschaulich dargestellt, dass der Veganismus nicht nur ethisch und ökologisch eine Lösung bietet, sondern auch die Gesundheit nachhaltig fördert.

In der Nacht wurde eine weitere Legebatterie besucht, und Gerüchte wollen nicht verstummen, dass sich 24 Hühner den AktivistInnen angeschlossen haben, und jetzt ein Leben in der Freiheit geniessen.

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