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Die internationale Tierrechtsbewegung


Tierausbeutung ist ein internationales Phänomen, das vor keinen Grenzen halt macht. Multinationale Firmen tragen ganz wesentlich dazu bei. Der internationale Handel, die „heilige Kuh“ westlich kapitalistischer Ideologie, ist die Arena des zahlenmäßig mit Abstand größten Tiermißbrauchs. Als Antwort darauf hat die Tierrechtsbewegung auf allen Ebenen eine sehr intensive internationale Zusammenarbeit entwickelt. Zweifellos ist dabei der englisch-sprachige Raum weiterhin tonangebend.

Ein gutes Beispiel des internationalen Charakters der Unterdrückung nicht-menschlicher Tiere ist die Pelzindustrie. Nachdem in Österreich – und mittlerweile sogar EU-weit – der Fallenfang mit Tellereisen für die Pelzproduktion verboten worden war, und mit 30. November 1998 nach einem bundesweiten Verbot auch die letzte österreichische Pelzfarm schließen mußte, geht der Pelzhandel in Österreich munter weiter. Nicht nur, daß österreichische PelzfarmerInnen weiterhin Tiere ausbeuten, indem sie ihre Pelzfarmen ins angrenzende Ausland verschoben haben. Die hiesigen KürschnerInnen (immerhin etwa 200 in ganz Österreich) haben schon immer die meisten ihrer Tierhäute aus dem Ausland bezogen. Ein Pelzfarmverbot in Österreich hat also de facto kaum eine Wirkung, wenn ihm nicht entsprechende Verbote in anderen Ländern folgen, bzw. wenn der internationale Pelzhandel sich nicht ebenso einschränken läßt. 

Durch die Pelzfarmverbote in der Schweiz und in Österreich motiviert haben Tierrechtsgruppen in England, Holland und Norwegen ihre Kampagne gegen Pelzfarmen intensiviert und stehen unmittelbar vor dem Erfolg – in allen drei Ländern gibt es entweder mittlerweile schon Verbote, oder diese sind gerade dabei den parlamentarischen Prozeß zu durchlaufen. Seit 1995 hat die nordamerikanische ALF die Attacken auf Pelzfarmen gesteigert, von großangelegten Pelztierbefreiungen bis zu Bomben- und Brandanschlägen gegen Firmen, die die Pelzindustrie beliefern. Das wiederum motivierte die skandinavische ALF nachzuziehen. Vor allem in Finnland (mit 80% der weltweiten Fuchspelz“produktion“) und Schweden, aber auch in Dänemark und Holland, hat sich die Anzahl der Angriffe auf Pelzfarmen verhundertfacht.

In England zogen sich am Ende der 80er Jahre alle Kaufhausketten aus dem Pelzgeschäft zurück, nachdem es gegen sie eine entsprechend große ALF-Kampagne mit Brandanschlägen gegeben hatte. Seit den 90er Jahren werden jetzt – in typisch englischer Manier – Dauerdemos vor den Pelzgeschäften, und vor allem vor den Wohnungen der PelzgeschäftsbesitzerInnen, abgehalten. Mit dieser Strategie, zusammen mit Anschlägen auf die Pelzgeschäfte, ist es gelungen praktisch alle Pelzgeschäfte Englands zu schließen. In England traut sich kein Mensch mehr mit Pelzmantel auf die Straße zu gehen.

Im Bereich Tierzirkus gibt es auch eine gute internationale Zusammenarbeit. Zirkusse ziehen meistens länderübergreifend auf Tournee und mieten ihre Tiernummern von internationalen Firmen. Entsprechend wertvoll ist es auch für die Kampagne in anderen Ländern, daß es englischen TierrechtlerInnen gelungen ist einige Zirkusse in England, namentlich den Chipperfield Zirkus, zu infiltrieren. Dabei ließen sich TierrechtlerInnen als TierpflegerInnen anstellen und filmten dann heimlich die Tierhaltung und Dressuren. In einer 15-monatigen Kampagne wurde so 400 Stunden Videomaterial produziert, das jetzt in allen Ländern bei den obligatorischen Zirkusdemos gute Dienste erweist. In den meisten europäischen Ländern gibt es nämlich Dauerdemos vor den Vorstellungen von Tierzirkussen, in Österreich mit großer Regelmäßgikeit seit 1996.

Berichte von Gewalt gegen TierrechtlerInnen bei solchen Demos sind bereits Legion. Die bekanntesten Fälle sind wahrscheinlich der Zirkus King in Nordlondon, bei dem ein Zirkusangestellter einer demonstrierenden TierrechtlerIn mit dem Gewehr in den Rücken geschossen hatte, und der Zirkus Harlequins, der bei einer Vorstellung in Leeds 11 TierrechtlerInnen so brutal attackiert hatte, daß alle ins Spital und 4 sogar in die Intensivstation mußten. Einer der Verletzten mußte mit 25 Stichen im Gesicht genäht werden, nachdem ihm ein Zirkusangestellter mit der Schaufelspitze mehrmals ins Gesicht geschlagen hatte.

Die Lebendtiertransporte sind ein anderes wichtiges Thema für die internationale Tierrechtsbewegung. In den 90er Jahren gelang es TierrechtlerInnen aus verschiedenen Ländern Fotomaterial und Informationen zu bekommen, die die furchtbare Situation der oft tagelang im engsten Raum ohne Verpflegung transportierten Tiere dokumentieren. Die darauf folgende öffentliche Empörung fiel wieder einmal in England bei weitem am stärksten aus. Bis 1994 wurden die meisten nicht-menschlichen Tiere in Fähren über den Ärmelkanal aus England exportiert. Dann gaben die Fährschifffirmen plötzlich dem öffentlichen Druck nach und beendeten diesen Handel.

Darauf fanden sich einige Firmen in England, die den Tiertransport mit Schiffen oder dem Flugzeug übernahmen. Aber da erschienen plötzlich TierrechtlerInnen vor allen Häfen, ob Plymouth, Brightlingsea, Shoreham, Blackpool oder Dover, sowie vor dem Flughafen in Coventry, und blockierten alle Tiertransporte 9 Monate lang. Täglich waren hunderte Menschen in die Blockaden involviert, mit bis zu 5000 Menschen bei den größten Demonstrationen. Im Februar 1995 starb die Tierrechtlerin Jill Phipps unter den Rädern eines Tiertransporters bei einer solchen Blockade vor dem Flughafen Coventry. Sie hatte mit vielen anderen TierrechtlerInnen vor dem Flughafen gezeltet und jeden einzelnen Transporter blockiert.

In den meisten Häfen wurden eigene Polizeilager errichtet, in denen die BeamtInnen wohnten, um täglich zu Hunderten für die Blockadedemos zur Stelle zu sein. Nach vielen Monaten wurde das Polizeibudget knapp und die Anzahl der BeamtInnen drastisch reduziert. Dadurch erweiterte sich die Aktionsmöglichkeit der DemonstrantInnen so sehr, daß die Transporter einfach nicht mehr riskieren konnten, die Häfen anzufahren. In Brightlingsea allein wurden die Hafenbüros zweimal niedergebrannt, die Transport-LKWs wurden demoliert, die Tiere aus den Transportern befreit, die TransportfirmenbesitzerInnen zu Hause besucht, usw. Bis auf Dover, das so weit vom Schuß an der südöstlichsten Ecke Englands liegt und wo deshalb nie genug TierrechtlerInnen mobilisiert werden konnten, mußten alle Häfen, inklusive dem Flughafen in Coventry, diesen Handel einstellen.

Auch die Jagd ist ein internationales Geschäft und erfordert daher eine internationale Kooperation von JagdgegnerInnen und JagdsaboteurInnen. Größere Jagdsabotagen sind sowohl aus England, als auch aus Italien, Deutschland und Skandinavien bekannt. Dabei kam es schon zu eigenartigen Zwischenfällen, z.B. wie einmal österreichische Jagdsaboteure österreichische JägerInnen bei der Rebhuhnjagd in Nordengland sabotiert haben. Unregelmäßig stattfindende kleinere Jagdsabotagen gab es auch in vielen anderen Ländern wie in Österreich.

In England ist die Jagdsabotageszene aber bei weitem am meisten etabliert. Etwa 150 Sabotagegruppen gehen wöchentlich aus um Jagden zu stören. Bei den größten Sabotagen sind bis zu 500 Leute beteiligt. Historisch wurde die „Schlacht von Stagden Cross“ in Essex im Jahr 1992, bei der etwa 250 SaboteurInnen gegen 100 JägerInnen und bezahlte SchlägerInnen, sowie zuletzt hunderte PolizistInnen, eine stundenlange physische Auseinandersetzung hatten. 3 JagdgegnerInnen sind bei diesem Krieg in England schon ermordet worden, einer trug einen lebenslangen Gehirnschaden davon, einmal gab es eine Autobombe gegen Saboteure in Milton Keynes, und ein anderer Saboteur bekam einen Molotovcocktail von JägerInnen des nachts durch die Scheibe ins Haus geworfen. Statistiken der englischen Hunt Saboteurs‘ Association zufolge kommt im Mittel wöchentlich einE SaboteurIn durch Attacken von JägerInnen ins Krankenhaus.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der internationalen Tierrechtsbewegung ist der Kampf gegen Tierversuche. Sowohl die Firmen, die Tierversuche betreiben bzw. in Auftrag geben, als auch die WissenschaftlerInnen in den Tierversuchslabors der Universitäten und Forschungsstellen, stammen aus verschiedensten Ländern. Es gibt internationale Konferenzen über Versuchstierhaltung und –folter. Die größten kommerziellen Forschungslabors haben Ableger in allen möglichen Ländern und beziehen ihre Opfer auch aus internationalem Handel. Die englische Research Defence Society, eine reine Propagandafirma für Tierversuche, beliefert auch österreichische Versuchslabors mit ihrem Propagandamaterial um die hiesigen TierversuchsgegnerInnen zu bekämpfen.

Die Tierrechtsbewegung setzt dem ein weitverzweigtes Netzwerk von Informationsverteilern entgegen. So bekamen österreichische TierrechtlerInnen z.B. binnen 24 Stunden nach einer Tierbefreiung durch die ALF in Schweden und England Fotomaterial und das Video über die Zustände im Labor zugeschickt, das die AktivistInnen aufgenommen hatten. Das größte europäische kommerzielle Tierversuchslabor in Huntingdon in England verlegte seine Generalversammlung nach New York in den USA, um von den Tierrechtsdemos verschont zu werden, mit dem Resultat, daß die englischen TierrechtlerInnen ihre Aktien bei der Firma (also ihre Eintrittskarten in die Generaversammlung) an amerikanische TierrechtlerInnen überschrieben und die entsprechenden Demos nicht minder störend wurden.

Jährlich gibt es in England eine internationale Versuchstier-Konferenz, bei der VivisektorInnen ihre Foltertechniken vergleichen und verfeinern. Dieses Ereignis, das eine ganze Woche dauert, ist immer Ziel von Dauerdemos und Anschlägen englischer TierrechtlerInnen. Seit Jahren schon muß ein ganzes Heer von „Bodyguards“ angestellt werden, um die TierrechtlerInnen im Zaum zu halten. Dabei werden sowohl die wissenschaftlichen wie die sozialen Veranstaltungen der Konferenz durch Lärm gestört, anreisende TeilnehmerInnenbusse blockiert und die TeilnehmerInnen bis in ihre Hotelzimmer verfolgt, aber auch die Einrichtungen der Universität, die die Konferenz organisiert, beschädigt.

Jeden 24. April wird weltweit der Weltversuchstiertag begangen. In Österreich finden an diesem Tag, bzw. dem ihm am nächsten liegenden Wochenende, Demonstrationen statt. In England wird der Tag auf eine ganze Woche voller Demos, Blockaden, Anschlägen und Tierbefreiungen ausgeweitet.

Versuchstierzuchtanstalten sind ebenfalls international tätig. Die nahe Cambridge in England befindliche Firma Interfauna wurde im Jahr 1991 von der ALF besucht. Über 80 Beagles entkamen damals ihrem Schicksal. Aber dabei wurde auch gefunden, daß Interfauna Ableger in Holland, Deutschland und Frankreich hat. Durch diese Information und die Tierbefreiung motiviert, gab es seitdem in Holland und Deutschland Anschläge auf die gleiche Firma.

Aber beispielgebend für viele ist die Kampagne, die in England gegen die Beaglezuchtfarm Consort in Ross-on-Wye um 1994 entfacht wurde. Eine kleine Gruppe von TierrechtlerInnen, die in der Nähe wohnten, begannen Informationen über die BesitzerInnen und Angestellten der Zuchtfarm zu sammeln, und demonstrierten täglich vor ihren Toren, vor allem zu dem Zeitpunkt, wenn die Angestellten zur Arbeit kamen oder wieder nach Hause gingen. Dazu gab es immer wieder mittelgroße Demos, und alle 2 bis 3 Monate englandweit organisierte Großdemonstrationen, bei denen manchmal 3000 TierrechtlerInnen die Zuchtfarm stürmten, sogar am hellichten Tag Beagles befreiten, und der Polizei regelrechte Straßenschlachten lieferten. Die ALF nahm an der Kampagne teil, befreite in mindestens 2 Aktionen, trotz verstärkter Bewachung des Areals, Hunde aus der Farm, und beschädigte die Autos und Häuser der Angestellten. Nach 3 Jahren wurde die Consort Beaglezuchtfarm geschlossen.

Die Kampagne wurde daraufhin im März 1997 auf die nahegelegene Versuchstierkatzenzucht Hillgrove Farm in Witney nahe Oxford verlegt, mit denselben Strategien. Insgesamt wurden 3 mal Katzen von der ALF befreit, einmal sogar 250 auf einmal. Das Auto der BesitzerInnen wurde angezündet, und die BesitzerInnen selber bis zum Einkauf in der Stadt verfolgt. Die Polizei mußte in 2 Jahren etwa 60 Millionen Schilling für den Schutz der Zuchtfarm ausgeben. Insgesamt wurden 350 TierrechtlerInnen im Rahmen der Kampagne festgenommen und 21 davon ins Gefängnis gesteckt, die meisten über 1 Jahr. Am 13. August 1999 schloß die Farm, und die restlichen 1024 Katzen wurden ins Tierschutzhaus überstellt. Binnen weniger Tage fanden sich 5000 Personen, die bereit waren die Katzen bei sich zu Hause als Haustiere aufzunehmen. Es gibt heute keine Hunde- und Katzenzuchtfarmen für Tierversuche mehr in England. Die Kampagne wurde jetzt auf die Primatenzuchtfarm der Firma Charles Rivers, Shamrock Farm nahe Brighton in Südengland, verlagert.

Der Hungerstreik gegen Tierversuche des englischen Tierrechtsgefangenen Barry Horne, der eine 18 jährige Gefängnisstrafe absitzen muß, wurde auch zu einem internationalen Thema. Es gab weltweit – auch in Österreich – Demos und Aktionen in Solidarität. Zuletzt hungerte Barry Horne 68 Tage und entging nur knapp dem Tod. Seit dem Ende des Hungerstreiks am 13. Dezember ist er bis heute schwer krank und wird sich möglicherweise nie mehr vollständig gesundheitlich erholen.

Die Tierrechtsbewegung hat auch einige weltweite Aktionstage ausgerufen, wie den schon erwähnten Weltversuchstiertag, oder den Anti-McDonalds-Tag am 16. Oktober und den Vegan-Tag am 1. November zum Beispiel. Abgesehen von themenbezogener Zusammenarbeit gibt es aber auch internationale Tierrechtstreffen und –konferenzen. Jedes Jahr findet in einem anderen Land ein europäisches Tierrechtstreffen statt, bei dem in Arbeitskreisen, Diskussionen und Aktionen gemeinsam Strategien und Ideen erarbeitet werden. Es gibt auch internationale Tierrechtsdemos, wie am 2. Oktober 1999 in Rom, oder jährlich vor der weltgrößten Pelzmesse in Kopenhagen. Auf der Ebene der ALF-Aktivität wird offensichtlich auch zusammengearbeitet. Erst kürzlich wurde ein in den USA wegen Pelztierbefreiungen gesuchter Tierrechtler in Belgien im Zusammenhang mit Tierrechtsaktionen verhaftet.

Der internationalen Reaktion staatlicherseits mit Polizeirepressionen gegen die Tierrechtsbewegung muß natürlich auch international begegnet werden. Es gibt eine Vielzahl an Erfahrungsberichten und Infomaterial zum Thema Forensik, Verhörstrategien, Abhör- und Beschattungsmethoden usw., das am Internet, in internen Aussendungen oder sogar in Buchform verteilt wird. Wie in England 1995 ein neues Gesetz gegen Jagdsabotage und Tierrechtsdemos erlassen wurde, kam es zu vielen Demonstrationen gegen die Regierung, mit dem Höhepunkt einer 110,000 Leute starken Demo und folgender 5 stündiger Schlacht mit der Polizei in den Straßen Londons und im Hyde Park.

Die Tierrechtsbewegung ist weltweit in einem beträchtlichen Aufwind. Die Publikationen zu Tierrechten, die Anzahl an VegetarierInnen und VeganerInnen, die im Handel erhältlichen Alternativen zu tierlichen Produkten, sowie die Anzahl vegetarischer oder veganer Restaurants steigen lawinenartig an. Eine kürzliche MORI Umfrage in England ergab, daß 45% der Bevölkerung meinen, daß nicht-menschliche Tiere Rechte haben, die ebenso wichtig und schützenswert sind, wie die der Menschen. 50% der Bevölkerung meinten nicht-menschliche Tiere hätten Rechte, aber die wären den menschlichen Rechten unterzuordnen. Nur 3% wollten nicht-menschlichen Tieren keine Rechte zugestehen. Die restlichen 2% waren ohne Meinung dazu (siehe Ryder, „The Political Animal“, McFarland 1998). Eine Realeat Umfrage im Jahr 1994 hat ergeben, daß im Mittel in England 5000 Menschen pro Woche zu VegetarierInnen werden. Statistiken zufolge sollen 1997 schon 8% der englischen Bevölkerung VegetarierInnen gewesen sein (in Österreich wird das auf 2% geschätzt), und davon waren etwa 400,000 (d.h. 0.7% der Gesamtbevölkerung) VeganerInnen. Von den 14-25 jährigen Frauen in England essen bereits 25% kein Fleisch mehr, mit Ausnahme von Fisch (Kean, „Animal Rights“, Reaktion Books 1998).