Gewalt gegen TierrechtlerInnen



Wie allen anderen Befreiungsbewegungen schon früher wie heute, so wird auch der Tierrechtsbewegung und ihrer Forderung nach grundlegenden Änderungen in der Gesellschaft nur zu oft mit Gewalt begegnet. Der Konservativismus hat schon immer die Tradition und den Status Quo der Herrschenden mit Macht verteidigt. Da Gewalt die Grundlage der Tierausbeutung ist, das sogenannte "Recht des Stärkeren", verwundert es nicht, daß auch die TierrechtlerInnen Opfer der gleichen Gewalt wurden und werden. In Österreich werden TierrechtlerInnen von TierausbeuterInnen regelmäßig angegriffen, wurden bereits mehrmals angeschossen und auch von der Polizei mißhandelt.

Der traditionelle Tierschutz hat sich eher damit begnügt, mit Bittgesuchen bei PolitikerInnen und TierausbeuterInnen ein leichteres Los für die nicht-menschlichen Tiere zu erreichen. Ihre grundsätzliche Nutzung wurde weder in Frage gestellt, noch wagten sich die TierschützerInnen bis zu den Orten vor, an denen den nicht-menschlichen Tieren die Gewalt angetan wird. Es ist leicht vom sicheren Lehnstuhl aus Gewaltfreiheit zu predigen, aber ist man einmal zwischen dem Messer der SchlächterInnen und ihren Opfern, so schaut die Sache ganz anders aus.

Das alles änderte sich mit dem Aufkommen der Tierrechtsidee, die den Konflikt mit den TiernutzerInnen bis in die Schlachthöfe, Tierfabriken, Tierversuchslabors, Zirkusse und bis zu den Jagden getragen hat. Da können sie den Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren noch so lange heraufbeschwören, letztendlich hat sich immer wieder gezeigt, daß es für die SchlächterInnen oder JägerInnen z.B. keinen Unterschied macht, das Schlachtmesser oder die Patronen in den lebenden Körper eines Schweins bzw. Rehs oder in den eines Menschen zu jagen.

November 1990. 13 TierrechlterInnen gehen zu einer Jagd in Jetzles im niederösterreichischen Waldviertel, um das zu verhindern, was sie "ein Reservat straflosen Lustmordes" und ein Ritual, bei dem "echte Kameradschaft" auf Kosten völlig Wehrloser gepflegt wird, nennen. Die TreiberInnen der Jagd sehen das anders, und greifen die TierrechtlerInnen brutal mit Stöcken und Fäusten an. Einigen von denen gelingt es in den Wald zu flüchten, in dem gejagt werden soll. Trotzdem Menschen anwesend sind, beginnen die JägerInnen zu schießen.

"Zuerst hat der Jäger nur geschimpft, dann hat er angelegt und abgedrückt", erzählt eine Tierrechtlerin von den Geschehnissen im Wald (laut "Falter") später. Eine Kugel blieb ihr im Oberschenkel stecken.

Die Gewalt bei Jagd- und Angelsabotagen hat sich nicht gelegt, im Gegenteil. Es vergeht keine solche Aktion, ohne daß die JägerInnen - meistens mit schwerer Schnapsfahne - zuschlagen und die TierrechtlerInnen verletzen. Erschwerend wirkt dabei, daß die gerichtliche Verfolgung der GewalttäterInnen regelmäßig unterbleibt bzw. bei den RichterInnen auf taube Ohren stößt.

Oder Nutztierfabriken. Im Sommer 1997 spitzt sich die Lage zu, weil eine ganze Reihe von Anschlägen und Tierbefreiungen stattgefunden hat. Laut Zeitungsangaben bildet sich im Burgenland eine "Bürgerwehr", die bewaffnet des Nachts von Tierfabrik zu Tierfabrik patroulliert.

Im Juli 97 kommt es in Pürstendorf im niederösterreichischen Weinviertel zum Eklat. 5 TierrechtlerInnen waren in eine Schweinefabrik eingedrungen, um, wie sie später sagen, Beweise für die tierquälerischen Haltungsbedingungen zu bekommen. Wie eine der TierrechtlerInnen eine Tür in der Tierfabrik öffnet, steht dahinter ein Mann mit Gewehr und schießt mehrmals. Kugeln streifen sie an Brust und Bauch, eine trifft sie in den Oberschenkel. Die TierrechterInnen fliehen in ein nahegelegenes Maisfeld, der Angreifer verfolgt sie zunächst, sogar mit dem Auto, aber sie entkommen. Die schwer verletzte Tierrechtlerin landet letztendlich im Spital und überlebt mit Glück.

Oder Tiertransporte. Nicht nur, daß die FahrerInnen der Tiertransporte oft rücksichtslos in die Blockadereihen fahren, wie im September 99, wo bei einer Schlachthofblockade in Graz 2 TierrechtlerInnen 20 Meter weit zwischen den Vorderrädern des LKW mitgeschleift wurden, bevor ein beherzter Aktivist die Bremsschläuche des Transporters herausriß und so das Fahrzeug stehenbleiben mußte. Auch da kam es nie zu einer Anzeige bzw. einer Strafverfolgung.

Die TransporteurInnen greifen ebenso TierrechtlerInnen an, wann immer sie können, wie z.B. im März 1999 im Nutzviehmarkt Bergheim. Bei der Verladung von Kälbern wurde ein Tierrechtler beim Filmen bemerkt, verfolgt, gestellt, niedergeschlagen, seiner Kamera beraubt und letztendlich gegen seinen Willen eine Stunde lang festgehalten, bevor man ihn wieder gehen ließ.

Am 24. 4. 1998 stoppten TierrechtlerInnen einen Tiertransporter am Grenzübergang Walserberg und hinderten ihn an der Weiterfahrt. Die TierrechtlerInnen forderten, daß er umkehren und die geladenen Tiere zurückbringen müsse. Nach einiger Zeit erschien ein Großaufgebot an Polizeikräften und begann zunächst einzelne TierrechtlerInnen aus der Menge herauszufischen. Letztendlich griffen sie aber mit Brachialgewalt an und nahmen 23 TierrechtlerInnen fest. Dabei wurde geschlagen und getreten, an den Haaren gerissen und Arme wurden verdreht. Alle Gefangenen bekamen Handschellen, zum Teil so fest, daß das zu tiefen Wunden und in einem Fall zu einer Blutvergiftung führte. Da ein anwesendes Fernsehteam mitgefilmt hatte, konnten einige der BeamtInnen angezeigt werden. Dennoch wurden sie letztendlich alle freigesprochen. Ein brutales Haarereissen, das am Videofilm zu sehen war, wurde von der Richterin als "Hilfeleistung um zu verhindern, daß der Kopf auf den Boden aufschlägt" interpretiert.

Drei Wochen später kommt es zu einer Tiertransportblockade an der Mautstelle der Tauernautobahn bei St. Michael im salzburger Lungau. Diesmal fackelt die Polizei nicht lange und schlägt sofort mit Fäusten auf die TierrechtlerInnen ein. Einige werden festgenommen, mißhandelt, beschimpft. Der Tiertransporter flüchtet durch die von der Polizei in die Blockadekette geschlagene Bresche und rammt dabei zwei weitere Menschen. Natürlich wird derlei von der Polizei ignoriert.

Oder Pelze. Bei den ersten Pelzfarmbesetzungen durch TierrechtlerInnen wird geschossen. Vor laufender Kamera und trotz anwesender Gendarmerie schießt der Pelzfarmer mehrmals über die Köpfe der BesetzerInnen hinweg. Ein weiterer Pelzfarmer schlägt und tritt ein deutsches Fernsehteam, weil sie ihn befragen wollen. Zuletzt zieht er eine Leuchtpistole und schießt direkt auf die Kamera und trifft, wie auf dem Videofilm deutlich zu sehen ist. Nicht einmal da wird die Staatsanwaltschaft aktiv.

Bei den Dauerdemos vor Pelzgeschäften in Wien kommt es auch immer wieder zur Gewalt gegen TierrechtlerInnen. Im Oktober 98 z.B. schlägt der Besitzer des Pelzgeschäfts Foggensteiner am Opernring 23, Arnold Oesterreich, einer Demonstrantin brutal ins Gesicht und jagt sie 300 m weit durch die Straßen. Die Anzeige gegen den Pelzhändler wird wegen Nichtigkeit niedergelegt - obwohl er es bis heute für richtig erklärt, mit DemonstrantInnen so umzugehen, wie er bei jeder Gelegenheit TierrechtlerInnen gegenüber betont - stattdessen wird die geschlagene Demonstrantin zu 1200 Schilling Strafe verurteilt, weil sie durch ihre empörte Beschwerde bei der inaktiv gebliebenen Polizei nach dem Angriff des Kürschners die öffentliche Ordnung gestört hätte. Und das ist kein Einzelfall: während die TierrechtlerInnen, z.T. sogar von bezahlten Schlägern, angegriffen und ihre Plakate zerrissen werden, ohne daß das gerichtliche Konsequenzen hätte, gibt es regelmäßig oftmals sogar erfolgreiche Anzeigen gegen TierrechtlerInnen wegen "Ärmelzupfens" oder anderen lächerlichen sogenannten "Ordnungsverletzungen".

Im Oktober 99 gesteht der Besitzer des Pelzgeschäfts Vogue in der Mariahilferstraße, Erich Tuscher wohnhaft in der Weidlingerstraße 42 in Klosterneuburg, vor Gericht, einen Tierrechtler bei einer Anti-Pelz Demo auf der Kärnternstraße im Dezember 98 ins Gesicht geschlagen und damit "am Körper mißhandelt" zu haben, sodaß der Tierrechtler im AKH wegen starker Schmerzen behandelt werden mußte.

Am 8. November werden zwei Tierrechtler in Salzburg auf der Straße festgenommen, nachdem sie einen Buttersäureanschlag auf ein Pelzgeschäft verübt hatten. Beim anschließenden Verhör schlägt die Polizei einen der beiden ins Gesicht, um ihn zum Geständnis dieser und weiterer "Straftaten" zu zwingen. Trotz 11 tägiger Untersuchungshaft und oftmaligen Verhören konnte ihnen die Serie von Buttersäureanschlägen in der Woche davor in Wien nicht angehängt werden. Letztendlich wird am 30. Juli 98 eine bedingte Strafe von 3 Jahren Gefängnis bzw. eine Geldstrafe von 16,000 Schilling und eine Kompensationszahlung von 120,000 Schilling an den Pelzhändler verhängt.

Oder Tierzirkusse. Seit 1997 werden alle Tierzirkusse regelmäßig von TierrechtlerInnen belagert. Die erste Reaktion der Zirkusse war nackte Gewalt. Am 1. 8. 1996 schlägt Zirkusdirektor Louis Knie sen. einem tiroler Tierrechtler ins Gesicht und wird dafür sogar vor Gericht verurteilt. Angestellte des österreichischen Nationalzirkus Knie zerstörten im Sommer 97 in Kitzbühel den Infotisch einer TierrechtlerInnengruppe und zerrissen die Plakate. Wie sie erkannten, daß sie dabei von einem Tierrechtler gefilmt worden waren, verfolgten sie ihn, schlugen ihn zu Boden, traten ihn und entwendeten die Filmkamera.

In St. Johann in Tirol und in Innsbruck griff der Zirkusdirektor Louis Knie wieder persönlich ins Geschehen ein. Einmal schlug er einem Demonstranten ins Gesicht, ein anderes mal trat er einem filmenden Tierrechtler mit dem Knie in die Hoden.

Im Herbst 1997 lauerten Angestellte des österreichischen Nationalzirkus Louis Knie einem Demonstranten in Purkersdorf bei Wien im dunklen Park auf. Der Demonstrant war zurück zum Auto gegangen, um weitere Flugblätter für die Demo zu holen. Dabei hatten ihn die Zirkusleute heimlich verfolgt. Als er durch den Park zurück zur Demo gehen wollte, sprangen sie hinter einem Baum hervor und attackierten ihn. Nach einer ernsten Schlägerei konnte er die Angreifer in die Flucht schlagen.

Noch schlimmer aber kam es am 21. März 2000 in Tulln. Vier friedliche TierrechtlerInnen, die vor dem Österreichischen National-Zirkus Knie in einer angemeldeten Demonstration die Öffentlichkeit über das Leid von Zirkustieren aufklärten, wurden von den Zirkusdirektoren Louis Knie sen. und jun. zusammen mit etwa 30 Zirkusangestellten unprovoziert physisch angegriffen. Die Leute vom Zirkus schlugen zwei der Tierrechtler krankenhausreif, ohrfeigten und beschimpften eine weitere Tierrechtlerin und hetzten den vierten über die Strasse, stellten ihn zuletzt, schlugen ihn zu Boden, hielten ihn fest und nahmen ihm mit Gewalt seine digitale Videokamera im Wert von 25.000 Schilling ab, offensichtlich um zu verhindern, dass die TierrechtlerInnen Videobeweise dieser Überfalle haben.

Bei diesem Angriff wurden alle vier TierrechtlerInnen verletzt, wobei zwei davon so schwer verletzt wurden, dass sie mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Einer der beiden hatte ein blutig geschlagenes Gesicht, ein blaues Auge, schwer geschwollene Nasen- und Jochbeinpartien und 3 offene Wunden im Gesicht, der andere ist von Louis Knie jun persönlich zusammen mit 8 Zirkusangestellten mehrmals so schwer in Bauch und Nieren getreten worden, dass er mehrere Tage im Krankenstand war und noch Tage später Blut im Urin hatte und nicht gehen konnte.

Weiters wurden eine digitale Videokamera und ein Plakatständer geraubt, und die Mattscheibe eines TV Geräts zerschlagen, sowie ein Megaphon, ein Videorecorder und ein Stromgenerator total zerstört. Insgesamt gab es einen Schaden von 55.000 Schilling. Entsprechende gerichtliche Verfahren sind anhängig.

Wenn man selber einmal die Gewalt gegen nicht-menschliche Tiere z.B. im Schlachthaus oder bei der Jagd miterlebt hat, und dann gesehen hat, auf was für eine Weise dieselben GewalttäterInnen gegen TierrechtlerInnen vorgehen, wird einem klar, daß diese Menschen da keinen Unterschied machen. Wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, dann bringen sie dich um, ohne lang zu überlegen. Jahrelanger Tierrechtsaktivismus, mit Konfrontationen und Gewalt seitens der TierausbeuterInnen, mit unzähligen Verletzungen von mir selbst oder anderen TierrechtlerInnen, und sogar der Ermordung eines Freundes durch JägerInnen bei einer Jagdsabotage vor meinen eigenen Augen, hat mich zu dieser Überzeugung gebracht.

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