Das Ende des Zirkus Knie (02/01


Die Auseinandersetzung zwischen der Tierrechtsbewegung und dem Zirkus Knie zieht sich mindestens schon seit 1996 hin. Die Geschehnisse bis Mai 1999 sind im Artikel Kampagne gegen Tierzirkusse (5/99) nachzulesen. Im Sommer 1996 kam es zu den ersten Demonstrationen vor dem Zirkus. Die Zirkusleute reagierten mit Gewalt, TierrechtlerInnen wurden geschlagen und getreten. Der Zirkusdirektor Louis Knie sen. wurde vor Gericht verurteilt am 1. 8. 1996 einem Demonstranten ins Gesicht geschlagen zu haben. Ab 1997 werden die Demonstrationen vor dem Zirkus zur Norm. Die Gewalt gegen DemonstrantInnen eskaliert. Im Herbst 1997 lauerten Angestellte des Zirkus in einem Park in Purkersdorf bei Wien einem Tierrechtler auf und schlugen auf ihn ein. Im Juni 1998 verlor der Zirkus Knie einen Prozess gegen TierrechtlerInnen, die er wegen Kreditschädigung angeklagt hatte. Im Mai 1999 versuchte der Zirkus erfolglos mit 3 Rechtsanwälten bei der Versammlungsbehörde in Wien zu intervenieren, um die Demonstrationen gegen ihn untersagen zu lassen.

Am 24. Mai beendete der Zirkus Knie seinen Wienaufenthalt. Insgesamt hatten die TierrechtlerInnen 35 mal vor dem Zirkus demonstriert und etwa 14.000 Flugblätter an ZirkusbesucherInnen verteilt. Am 22. Mai war ein Tierrechtsdemonstrant von einem Zirkusfan auf den Kopf geschlagen worden.

Im November 1999 machte der Golden Circus bankrott. Am 3. November meldete der Zirkusdirektor Jaro Frank Konkurs an. Auch dieser Zirkus war jahrelang von TierrechtlerInnen wegen seiner zwei Tanzbären verfolgt worden. Dauerdemos vor dem Zirkus bei den meisten Vorführungen, sowie die Entfernung von Zirkusplakaten und gelegentlich bekanntgewordene Anschläge mit Sachschäden, wie aufgestochene Reifen, dürften den Ausschlag gegeben haben. Doch kamen die beiden gefangenen Bären noch lange nicht frei. Der Zirkus machte zunächst einfach weiter. Am 6. 6. 2000 wurde ein Zwangsausgleich verfügt, dem zufolge der Golden Circus nur einige Prozent seiner Schulden auch wirklich zurückzuzahlen hat. Aber Mitte September gibt der "Besitzer" Jaro Frank endgültig - gegen hohes Lösegeld - die beiden Bären an das Bärenasyl in Arbesbach ab, wo sie bis heute leben. Damit haben nur noch 2 von etwa 10 österreichischen Zirkussen Wildtiere: der Zirkus Wien-Belly mit drei Elefanten, einigen Kamelen, Lamas und Guanakos, und der österreichische Nationalzirkus Knie. Es war einer der Elefanten des Zirkus Wien-Belly, der am 17. 7. 1998 in Amstetten in Niederösterreich einen Zuschauer lebensgefährlich verletzt hatte.

Solche "Unfälle" passieren übrigens regelmässig in Zirkussen, nicht nur weltweit, sondern auch in Österreich. So wurde am 11. und am 12. Oktober 1999 jeweils eine junge Zirkusbesucherin von einem Pavian des Zirkus Cirque de Paris in Hofstetten-Grünau in Niederösterreich gebissen. Beide Mädchen mussten im Spital in St. Pölten behandelt werden. Am 1. 6. 2000 trampelte ein 500 kg schweres Kamel eines französischen Wanderzirkus in Oberösterreich einen 6-jährigen Buben nieder und brach ihm den Oberschenkelknochen. Weltweit kam es auch seit 1999 zu einer ganzen Anzahl tödlicher Angriffe von Zirkustieren auf Menschen. So tötete z.B. am 2. November 1999 ein Nilpferd in Bordeaux in Frankreich seinen "Trainer", am 7. Februar 2000 tötete eine aus Österreich importierte asiatische Elefantin ihren "Pfleger" in London, am 12. April 2000 zerrissen Zirkuslöwinnen einen 6-jährigen Buben in Recife in Brasilien, und am 25. Oktober 2000 tötete die Tigerin Hismet den Dompteur Gaston Bosman während der Dressur in der Manege des Zirkus Moira in Italien.

Nachdem der Zirkus Knie den Raum Wien verlassen hatte, wurde österreichweit gegen ihn weiterdemonstriert. In Innsbruck standen praktisch bei jeder Vorstellung DemonstrantInnen vor dem Zirkuszelt. Im August gastierte der Zirkus Knie in Vorarlberg und wurde zum Demomittelpunkt der dortigen Tierrechtsgruppen. Auch in Oberösterreich und Salzburg, und in Bayern, hat es im Sommer 1999 Aktionen gegen den Zirkus Knie gegeben, inklusive der Zerstörung einer grossen Zahl von Zirkusplakaten. Im September begannen die Demonstrationen wieder bei fast jeder Zirkusvorführung in Niederösterreich. Vor Beginn der Zirkusvorführung beim Aufenthalt in Schwechat wurde beobachtet, wie Zirkusdirektor Louis Knie jun. die ElefantInnen mit einer Eisenstange schlug.

Prozess wegen Besitzstörung

Inzwischen brachte der Zirkus Knie zwei Tierrechtler in einem Zivilprozess vor Gericht, weil sie nach Angaben des Zirkus auf dem vom Zirkus gemieteten Rasen demonstriert und danach die Tierschau durch Überklettern eines Zaunes unerlaubt betreten und darin gefilmt hätten. Der Zirkus machte geltend, dass er dadurch einen Schaden erlitten hätte, und deswegen beantragte er die Unterlassung einer zukünftigen Besitzstörung. Am Montag den 13. 9. 1999 kam es in Amstetten zur Verhandlung, und am Dienstag den 9. 11. 1999 wurde das Urteil verkündet: ein Tierrechtler wurde frei gesprochen, dem anderen wurde eine Teilschuld zuerkannt. Entsprechend musste der Zirkus Knie drei Viertel der Anwalts- und Gerichtskosten tragen. Der Zirkus hatte einen Zeugen aufgefahren, einen Hilfsarbeiter am Zirkusgelände, der scheinbar im Auftrag der Direktoren das Blaue vom Himmel log und behauptete, er hätte den einen Angeklagten auf dem Gelände gesehen, und dann, nach der Entdeckung, seine Flucht über den Zaun verfolgt. Nichts dergleichen entsprach jedoch der Wahrheit.

In der Urteilsbegründung stand zusammengefasst etwa folgendes. Die Behauptungs- und Beweislast für alle Tatbestandsmerkmale einer Besitzstörung liegen bei der Klägerin. Ausnahme: die Beklagte behauptet, die Klägerin beharrt rein schikanös (also aus Schädigungsabsicht) auf der Klage. Dann muss die Beklagte das beweisen. Für Besitzstörung muss die Besitzgestörte einen nachteiligen Eingriff in ihren Besitzstand (z.B. in ihre Ausübung des Mietrechts im Fall des Zirkus) erlebt haben. Eine Demonstration gegen die Klägerin ist vielleicht zu ihrem Nachteil, aber hindert nicht die Ausübung des Mietrechts. Also ist der blosse Umstand einer Demonstration auf Privatgelände keine Besitzstörung. Bei Aufforderung haben die DemonstrantInnen sofort das Zirkusgelände verlassen. Durch dieses sofortige Fügen in die Anordnung des Besitzers (bzw. der Sicherheitsorgane) gibt es keine ausreichende Störungshandlung des Besitzes (auch wenn der Besitzer sich gestört gefühlt hatte). Wo nämlich nicht der Besitz sondern nur der Besitzer gestört wird, gibt es keinen Besitzesschutz. Zitat: "So ist etwa das Eintreten in die Wohnung, wenn der Aufforderung sie wieder zu verlassen sofort Folge geleistet wird, ebensowenig Besitzstörung, wie der Umstand, dass für jemanden (ohne sein Wissen) in einer Hauseinfahrt etwa über eine Stunde Bretter abgelagert wurden, die er sofort über Rüge des Hauseigentümers wieder entfernt hat."

Unter dem Strich verursachte dieser Prozess trotz fingiertem Zeugen dem Zirkus nur Kosten. Bei dem gerichtlichen Antrag auf Exekution der Kosten gegen den Zirkus stellte sich heraus, dass rund 45 Verfahren wegen Schulden des Zirkus anhängig sind, so u.a. von denselben Rechtsanwälten, die bisher für den Zirkus Knie aufgetreten sind. Die neue Rechtsvertretung für den Zirkus Knie wird die Kanzlei Böhmdorfer, als Anwalt vom Haider und später als Justizminister bekannt. Ein Tierrechts-Rechtsanwalt stellte daraufhin Konkursantrag für den Zirkus.

Im Herbst 1999 erscheint in den "Niederösterreich Perspektiven" auf Seite 9 ein Artikel mit dem Titel "Der klassische Zirkus hat Zukunft". Darin heisst es wörtlich: "[Der klassische Zirkus hat Zukunft,] Allerdings mit einigen kleinen Änderungen. So scheint etwa die Zeit der Grosswildtiere, wie Löwen, Tiger und Elefanten, im Zirkus zu Ende zu gehen. Der Circus Althoff-Jacobi hat diesem Trend Rechnung getragen und wurde dafür heuer von der Salzburger Umweltanwaltschaft mit dem "Umweltlorbeer" ausgezeichnet. Wörtlich heisst es in der Begründung: "Herr Direktor Andy Lehner hat als Direktor des Circus Althoff-Jacoby mit dem Verzicht auf die Haltung und Präsentation von Wildtieren einen mutigen Schritt gesetzt. Er beweist damit, dass auch unter Berücksichtigung von Tier- und Artenschutz eine attraktive Programmgestaltung möglich ist."

Im Dezember hält der Zirkus Knie wieder seinen Weihnachtszirkus ab, wie schon im letzten Jahr ohne Wildtiere. Deshalb demonstrieren die TierrechtlerInnen nicht. Am Donnerstag den 16. 12. 1999 kommt es während der Abendvorstellung des Zirkus Knie am Messegelände zum Brand. 700 BesucherInnen müssen aus dem grossen Zelt evakuiert werden. Ein Feuerwehrmann erleidet bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen.

Während der Winterpause recherchieren TierrechtlerInnen im Schloss Marchegg, dem Winterlager des Zirkus. Dort befinden sich aber nur Pferde und sonst keine anderen nicht-menschlichen Tiere.

Angriff des Zirkus Knie in Krems

Am 10. März 2000 beginnt der Zirkus die neue Saison in Hainburg. TierrechtsdemonstrantInnen sind von Anfang an präsent. Wie Zirkusangestellte mitteilen, konnte der Zirkus aus Geldmangel diesmal nur eine einzelne Elefantin für die Saison mieten, nämlich Baby, eine 27 jährige asiatische Elefantin mit grossen Narben auf dem oberen Teil des Rüssels. Selbst Franco Knie vom Schweizer Nationalzirkus Knie bezeichnet die Einzelhaltung von ElefantInnen als "Verbrechen". Zusätzlich führt der Österreichische Nationalzirkus Knie in der Saison 2000 wieder 8 TigerInnen und eine grosse Anzahl von Lamas, Zebras, Kamelen, Büffeln und anderen nicht-menschlichen Tieren mit.

Bei jeder einzelnen Vorführung in den nächsten Tagen sind TierrechtsdemonstrantInnen vor dem Zirkus. Sie zeigen auf einem mitgebrachten Fernsehgerät mit versteckter Kamera gefilmte Szenen, in denen Zirkusleute Wildtiere furchtbar misshandeln.

Am 18. März finden sich 7 DemonstrantInnen vor dem Zirkus Knie in Krems ein. Wie üblich ist keine Polizei anwesend. Eine TRlerin geht zu den Tieren des Zirkus nach hinten und merkt nichts von allem, was dann passiert. Ein zweiter TRler geht irgendwo aufs Klo. Da kommt der Louis Knie sen. heraus, zusammen mit dem jungen Knie und mit immer mehr seinrn Angestellten. Sie werden sofort zur Demo herüber, etwa 20 Leute, und versuchen den TRlerInnen die Sachen wegzunehmen, werfen den Stromgenerator um, ziehen die Stecker raus und nehmen den Fernseher, reissen am Transparent, nehmen die Flugblätter, die Plakate. Die TRlerInnen schreiten sofort ein, stellen sich dazwischen, halten die Zirkusleute von den Sachen fern. Ein TRler ruft die Polizei an. Die Zirkusleute stossen die TRlerInnen herum und schreien sie an, wobei die beiden Herren Knie an vorderster Front mitmischen. Der eine TRler kommt vom Klo zurück und hält einige Zirkusleute auf, wie sie gerade mit dem Transparent wegrennen. Sie greifen ihn an, er nimmt einen in den Schwitzkasten. Andere Zirkusleute schnappen sich den Plakatständer, eine TRlerin hält ihn, die Zirkusleute schlagen ihr auf den Daumen, biegen ihn schmerzhaft um. Etwa 5 Zirkusleute versuchen den Fernseher zu entfernen, ein TRler haltet sie in Schach. Ein anderer TRler fängt an zu filmen, die Angreifer blockieren ihn, lassen ihn kaum gute Bilder machen. Es wird immer hitziger, ein TRler schreit laut um Hilfe, 5 Zirkusleute schleppen den Plakatständer weg, ein TRler hängt dran, wird über die Strasse gezerrt. Einen Tisch und das Megaphon samt Ständer haben die Zirkusangestellten dann weggetragen, zwei Plakate und der ganze Sack mit Flugblättern wurden gestohlen.

Die Gendarmerie kommt mit Blaulicht. Sie sagen den TRlerInnen, dass sie hier nichts verloren hätten. Weil der Zirkus angeblich eine Gegendemo angemeldet hätte, die gar nicht stattfand, sollen die TRlerInnen etwa 100 m weit weg an den Anfang der Strasse gehen. Es ist aber keine Untersagung erteilt worden, und es gibt keine schriftliche Abmachung dazu. Der Behördenleiter erscheint und droht den TRlerInnen sie festzunehmen und die restlichen Demosachen zu konfiszieren, wenn sie nicht weggehen. Also gehen sie und setzen ihre Demo am Anfang der Strasse fort. Die Gendarmerie bringt nach einiger Zeit den Sack mit den Flugblättern aus dem Zirkus. Die zwei Plakate, jeweils 1000 Schilling oder so wert, bleiben gestohlen. Der Knie behauptet laut Gendarmerie, dass sie sie nicht im Zirkus hätten. Am Beginn der Zirkusvorführung droht die Gendarmerie noch einmal, dass die TRlerInnen das Megaphon nicht mehr benutzen dürften, andernfalls es ihnen weggenommen wird, weil das die Zirkusveranstaltung stören könnte.

Angriff des Zirkus Knie in Tulln

Drei Tage später, am 21. März 2000 in Tulln, erreichen die Gewalttaten des Zirkus neue Dimensionen. Vier DemonstrantInnen finden sich vor dem Zirkus ein. Die Polizei erscheint kurz während der Demo, entfernt sich aber gleich wieder und sagt sie stünden eh auf Abruf bereit. Bis von 18.30 bis 19.20 Uhr ist alles ruhig.

Plötzlich kommen etwa 30 Zirkusangestellte aus dem Zirkus heraus und stellen einen langen Zirkuswagen zwischen die 4 DemonstrantInnen und die Menschen an der Kassa, um ihnen den Blick auf die DemonstrantInnen zu verstellen. Der folgende Überfall ist also offensichtlich geplant. Zusätzlich stellen sie Musikboxen auf und spielen dermassen laut Musik, dass auch etwaige Schreie in der Umgebung nicht mehr zu hören sind. Dann erfolgt der Angriff. Zunächst rennen etwa 5 Zirkusangestellte einem TRler hinterher, um ihm die Videokamera zu rauben. Beide Herren Knie sind anwesend und dirigieren die Geschehnisse. Die Angreifer stellen den TRler auf der Strasse, werfen ihn zu Boden, halten ihn fest und nehmen seine digitale Videokamera aus der Manteltasche und verschwinden damit zurück in den Zirkus. Die Videokamera war 25.000 Schilling wert. Der TRler flüchtet weiter in Todesangst und versteckt sich im Strassengraben bis die Sache vorbei ist.

Zwei weitere TRler versuchen dem mit der Kamera zu helfen, laufen den Zirkusleuten hinterher, die ihn verfolgen, werden aber dabei selber von Zirkusleuten angegriffen. Einer der beiden zieht einen Pfefferspray und verteidigt sich. Etwa 8 Angestellte des Zirkus fallen ihn aber an, attackieren von hinten und werfen ihn zu Boden. Er rollt sich daraufhin ein und schützt seinen Kopf und seine Weichteile. Die Zirkusangestellten schlagen und treten ihn. Louis Knie jun. ist dabei selbst aktiv beteiligt. Eine TRlerin stellt sich schützend über den am Boden liegenden Mann und wird dafür von Louis Knie sen. geohrfeigt. Der TRler wird schwer verletzt, weil er harte Tritte in den Rücken und in die Nieren bekommt. Er muss später tagelang in Spitalsbehandlung bleiben, und hat Blut im Urin.

Der andere TRler wird von etwa 10 Zirkusleuten angegriffen. Sie schlagen ihn ins Gesicht bis es ein blutiger Brei ist und er sich nicht mehr wehrt. Danach gehen die Zirkusleute zu den Demonstrationsgeräten, zertrümmern den Fernseher indem sie ihn aus grosser Höhe auf den Boden werfen, beschädigen das Megaphon und den Stromgenerator, zerstören den Videorecorder und entwenden einen Plakatständer. Dann ziehen sie sich in den Zirkus züruck.

Die Polizei ist unmittelbar vor dem Angriff mit dem Notruf verständigt worden. Sie kam aber erst nach etwa 10 Minuten, nachdem alles vorbei war. Die Rettung brachte zwei der TRler ins Krankenhaus Tulln. Später wurde bei dem einen ein blaues Auge und eine total aufgeschwollene Nase mit insgesamt drei offenen Wunden konstatiert. Der andere hatte schwere Rücken- und Nierenschmerzen und innere Prellungen. Er konnte tagelang nicht gehen. Der reine Sachschaden für die TRlerInnen belief sich auf etwa 55.000 Schilling.

Radio RPN hatte den Louis Knie sen. am Tag nach dem Überfall live auf Sendung! Eigentlich sollte es eine Zirkuswerbung werden, aber dann riefen Leute an und sprachen von dem Angriff der Zirkusleute. Knie behauptete in der Sendung, er wäre nicht dabei gewesen und er könne dazu nichts sagen. Aber das sollte eine der einzigen Erwähnungen des Überfalls in den Medien bleiben. Ausser in der Ausgabe des NÖ-Kurier West wird von dem Vorfall sonst nirgends berichtet. Wie bisher halten die Medien weiterhin dem Zirkus die Stange.

Die TRlerInnen bringen daraufhin eine Zivilklage gegen die Zirkusdirektoren Knie persönlich im Gesamtwert von 100.000 Schilling ein, inklusive Schmerzensgeld. Anfang Juli bestreiten die Herren Knie vor dem Bezirksgericht Tulln noch alle Vorwürfe. Danach tauchen sie ins Ausland ab und sind für Gerichte nicht mehr erreichbar. Anfang November zahlen sie plötzlich aus Holland die gesamte geforderte Summe samt Zinsen.

Unterdessen wird an allen Orten gegen den Zirkus Knie demonstriert. Von 23. bis 26. März ist er in St. Pölten. Vor jeder Vorstellung erscheinen DemonstrantInnen, schwer "bewacht" von der Polizei. Einer der Teilnehmer an dem Überfall vom 21. März, der Zirkusangestellte Andreoli Silvio, wohnhaft in Steinbach 3, A-2115 Ernstbrunn, kommt aus dem Zirkus, bedroht die TRlerInnen, und erzählt lächelnd wie sehr er es genossen hätte ihnen wenige Tage vorher ins Gesicht zu schlagen. Drei besonders mutige AktivistInnen gehen in den Zirkus hinein und entrollen mitten während der Vorstellung ein Transparent mit der Aufschrift "Zirkustiere leiden". Die Polizei nimmt die Leute fest und zeigt sie an.

Die Demos gehen andernorts ungebrochen weiter. Überall in Österreich erscheinen Plakate mit der Aufschrift "Zirkus Knie schuldig", auf denen im Detail die Ereignisse vom 21. März rekapituliert werden. Briefe an PolitikerInnen und an Personen des öffentlichen Lebens, die den Zirkus bisher unterstützt haben, werden verschickt, in denen vom Überfall berichtet wird.

Von April bis Mai 2000 bleibt der Zirkus 5 Wochen in Wien. Um die TRlerInnen vom Demonstrieren abzuhalten, hatte der Zirkus eigene Demos vor dem Zirkuseingang angemeldet. Die Versammlungsbehörde hatte ihm dazu geraten, weil sie sonst keine Möglichkeit sah, die Demonstrationen zu unterbinden. So finden die Demos eben an 3 verschiedenen Orten um den Zirkuseingang herum statt. In 5 Wochen veranstaltet der Zirkus insgesamt 68 Vorführungen. Bei 62 dieser 68 Vorführungen wird demonstriert, zum Teil mit über 30 DemonstrationsteilnehmerInnen.

Auch in Graz finden Demonstrationen statt. Am Hauptplatz beim Empfang des Zirkus beim Bürgermeister demonstrieren etwa 15 Leute gegen den Zirkus, und werden beim Herauskommen von den Zirkusleuten bedroht. Der Bürgermeister spricht mit den DemonstrantInnen und gibt seiner bedingungslosen Unterstützung des Zirkus Ausdruck.

Die Demos gehen ungebremst weiter. Selbst am 23. und 24. Mai in Kapfenberg stehen DemonstrantInnen vor dem Zirkuszelt. Danach ist der Zirkus in Klagenfurt. Und auch dort werden zum ersten Mal überhaupt vor dem Zirkus Flugblätter verteilt und in der Stadt die "Zirkus Knie schuldig"-Plakate aufgehängt. Dieselben Plakate erscheinen ebenso in Salzburg und Linz. Auch in den folgenden 8 Tagen in Innsbruck stehen täglich DemonstrantInnen bei den Vorführungen vor dem Zirkus. Und in der Folgewoche in Salzburg gibt es weitere Demonstrationen. Dann kommt der Zirkus vom 27. 6. bis zum 2. 7. nach Linz.

Brandanschlag gegen den Zirkus

m Dienstag, den 27. 6. 2000 findet vor der Premiere des Zirkus Knie eine Demo mit 37 TierbefreierInnen statt, die lautstark mit Megaphon und Transparent demonstrieren und insgesamt etwa 800 Flugblätter verteilen. Das Polizeiaufgebot ist äußerst heftig. Sogar Polizeihunde sind vor Ort. Am 29. 6 gibt es sogar ein Strassentheater gegen den Zirkus, und wieder größere Demonstrationen am folgenden Wochenende. Dazwischen werden Flugblätter vor dem Zirkus verteilt.

Am Montag dem 3. Juli meldet die APA: "Ein Brandanschlag auf den Österreichischen Nationalzirkus Luis Knie verursachte Montag Früh in Linz einen Schaden in Millionenhöhe. Unbekannte Täter hatten an sieben Stellen auf dem Gelände Brandsätze ausgelegt, fünf von ihnen zündeten. Mehrere Fahrzeuge, ein Anhänger mit einem Stromaggregat und auch das Zirkuszelt fingen Feuer. Die Brandsätze waren nach Angaben der Feuerwehr durch eine elektrische Zündvorrichtung miteinander verbunden. Die Flammen wurden gegen 04.00 Uhr auf dem Zirkusgelände neben der Donau in Linz-Urfahr entdeckt, Zirkuspersonal bekämpfte das Feuer vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte mit Handfeuerlöschern. Durch dieses rasche Eingreifen konnte ein Übergreifen der Flammen auf weitere Fahrzeuge und Anhänger verhindert werden. Die Schadenshöhe wurde am Montag Vormittag auf eine Million Schilling geschätzt. Die Brandsätze bestanden nach Informationen der Feuerwehr jeweils aus einem Liter brennender Flüssigkeit und waren mit einer primitiven elektrischen Zündvorrichtung verbunden. Zwei von ihnen, die unter Aggregat-Anhängern gefunden wurden, lösten nur unvollständig aus."

Die Schadenshöhe wurde einen Tag später auf 3 Millionen Schilling erhöht. Am 5. Juli traf dann das folgende BekennerInnenschreiben bei verschiedenen Medien ein: "Tiernummern in Zirkussen sind unweigerlich mit Mißhandlungen verbunden. Um Tiere zu den geforderten ,Kunststücken' zu zwingen wird ihnen durch körperliche und psychische Gewalt (bspw. durch Schlagen mit Holzlatten oder Metallstangen, durch Futterentzug oder Anketten) jeglicher Wille gebrochen. Daher wurde am Morgen dem 3. 7. 2000 der Versuch unternommen, den Zirkus Louis Knie wirksam zu schädigen. Ein Grundsatz der weltweit agierenden Animal Liberation Front (A.L.F.) ist es bei Aktionen weder Menschen noch Tiere in Gefahr zu bringen. A.L.F."

Im Gegensatz zum grossen medialen Schweigen beim Überfall des Zirkus Knie auf DemonstrantInnen, bricht jetzt eine grosse Medienwelle der Entrüstung los. Auf einer Radiostation wird sogar aufgerufen jetzt erst recht in den Zirkus zu gehen, um den armen Zirkus in seiner Geldnot zu unterstützen. Einige der DemonstrantInnen aus Linz werden von KriminalpolizistInnen befragt. Sie verweigeren jede Auskunft. Bei einem Linzer TRler gibt es eine Hausdurchsuchung. Aber bis heute wurde niemand im Zusammenhang mit diesem Anschlag festgenommen oder angeklagt.

Dem Demodruck entfloh der Zirkus Knie ins Ausland. Von 4. 7. - 26. 7. 2000 und zwischen 14. 11. und 3. 12. 2000 war er in Deutschland, dazwischen von 28. 7. - 12. 11. 2000 in Holland. Durch die internationale Vernetzung der TR-Szene gab es auch Demos vor allem in Deutschland, und einige in Holland. Später sollte sich herausstellen, dass diese Tournee ein hoher finanzieller Verlust für den Zirkus wurde.

TRlerInnen in Österreich produzierten über den Sommer ein 28 minütiges Video über Tierzirkusse, mit Schwerpunkt Zirkus Knie. Vom Einfangen der Wildtiere, dem Brechen ihres Willens durch permanente Schläge in sogenannten Dressurfarmen weltweit, über die Brutalität der Dressur selbst und die schreckliche Monotonie der engen Haltung im Zirkus, bis zu den Qualen des dauernden Transports von Aufführungsort zu Aufführungsort, erstreckt sich die Palette eindrucksvoller Bilder. Seit Beginn des Schuljahres 2000/2001 wird dieser Film an Schulen österreichweit vorgeführt. In Wien gab es Anfang Dezember zusätzlich an drei Tagen jeweils 8 öffentliche Vorführungen des Films am Reumannplatz, in Kagran und am Praterstern, bevor der Zirkus Knie wieder nach Wien kam. Das Video wurde auch an hunderte Nationalratsabgeordnete, MedienvertreterInnen und Personen des öffentlichen Lebens, sowie den Bundespräsidenten, die Bürgermeister von Wien und Graz und verschiedene andere PolitikerInnen und Landeshauptleute geschickt.

Die Präsidentschaftskanzlei schrieb nach Erhalt des Zirkusvideos zurück, dass "die Problematik des Einsatzes von Wildtieren bei Zirkusvorführungen Frau Dr.Klestil-Löffler bekannt ist. Ebenso wie der Herr Bundespräsident schätzt sie es daher sehr, wenn Zirkusunternehmen in ihren Programmen auf den Einsatz von Wildtieren verzichten. [...] An das in Ihrem Brief erwähnte Unternehmen [Zirkus Knie] sind in der Vergangenheit gelegentlich Grußbotschaften des Herrn Bundespräsidenten ergangen, die auf karitative Aktivitäten Bezug nahmen. Auch diese Praxis wurde allerdings bereits eingestellt, um allfällige missbräuchliche Verwendungen derartiger Briefe - insbesondere für Werbezwecke - hintanzuhalten.". Und tatsächlich findet sich im aktuellen Programmheft des Zirkus Knie kein Bild des Präsidenten mit Lobestext mehr, wie es bis dahin jedes Jahr der Fall gewesen war.

Neues Gesetz gegen Wildtierzirkusse ab 2005

Am 10. Dezember 2000 wird bekannt, dass alle 9 Landeshauptleute eine Artikel 15a Vereinbarung bzgl. der Wildtierhaltung in Zirkussen unterschrieben haben. Darin verpflichten sich die Länder neue Gesetze einzuführen, die bis zum 1. Jänner 2005 in Kraft sein und den folgenden Mindestanforderungen entsprechen müssen.

Die nicht-menschlichen Tiere, die in Zirkussen grundsätzlich verboten sein sollen, sind: PrimatInnen, BärInnen, ElefantInnen, Nashörner, Vögel (ausser Papageien), Hundeartige, Hyänen, Katzen (ausser LöwInnen und TigerInnen), Giraffen, Insectivore, Beuteltiere, Fledermäuse, Hasenartige, Wale, Delfine, Seehunde und -löwInnen, Tapire, Nilpferde, Amphibien, Reptilien und Fische, sowie einige andere mehr. Mit anderen Worten, nur in etwa die folgenden nicht-menschlichen Tiere werden in Zirkussen erlaubt bleiben: Papageien, LöwInnen, TigerInnen, Kamele, Lamas, Zebras, Pferde und Nutztiere.

Für diese nicht-menschlichen Tiere im Zirkus gilt aber zusätzlich, dass sie eine Aussen- und eine Innenanlage haben müssen, mit mindestens 8 Stunden pro Tag Zugang zur Aussenanlage. Sie dürfen auch nicht angekettet gehalten werden und einige weitere Kriterien müssen erfüllt sein.

So gilt z.B. für TigerInnen:
Innenanlage: zumindest 15 Quadratmeter pro Tier, und weitere 8 für jedes zusätzliche Individuum. Es muss Bäume zum Klettern und Kratzen geben, sowie einen Rückzugsbereich und Spielzeug. Aussengehege: 80 Quadratmeter für bis zu 4 Tiere, und weitere 10 pro zusätzliches Individuum. Der Boden muss naturbelassen sein, und es muss Bäume, Rinde, höhergelegene Liegemöglichkeiten auf einem Baum, für zumindest die Hälfte der Tiere gleichzeitig Spielzeug wie Bälle und freihängende Holzobjekte, sowie die Möglichkeit zu klettern, zu schwimmen und sich zurück zu ziehen geben.
Zwischen 15. Oktober und 31. März müssen die TigerInnen frei zwischen Innen- und Aussenanlage wechseln können. Für LöwInnen gilt in etwa dasselbe.

Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass, wenn diese Vorgaben wirklich eingehalten und von den Behörden entsprechend streng überwacht werden, tatsächlich keine Wildtierzirkusse mehr möglich sein könnten. Möglicherweise könnte dann bei der zukünftigen Erstellung eines bundeseinheitlichen Tierschutzgesetzes, vielleicht unter einer rot-grünen Regierung, überhaupt erreicht werden, dass Wildtierzirkusse grundsätzlich nicht mehr zulässig sind.

Informationen aus dem Zirkusmilieu

Ein Zirkusexperte aus Deutschland, selber kein TRler, traf österreichische TRlerInnen Mitte Dezember 2000 und gab ihnen die neuesten Informationen bzgl. Zirkustiere. So sagte er, dass bei Dressurmethoden Haken und Schläge nicht mehr an der Tagesordnung sind, da die Zirkusleute Angst haben, Spuren am Tier zu hinterlassen. Meist werden die Tiere mit Seilen festgemacht, und mit Elektroschocks, sowie mit Traktoren und Baggern zu dem gezwungen, was sie machen sollen, so wie etwa ein Kopfstand bei ElefantInnen etc.

Die Zirkustiere werden immer wieder sediert, da besonders die Elefantenbullen, und zwar auch kastrierte, im Alter von 17-18 Jahren aggressiv werden, was ein "natürliches" Verhalten sei, weil in diesem Alter beginnen die Rangkämpfe und der Kopf sei nunmal nicht kastrierbar. So ist ein Bulle bereits durch die dauernde Sedierung für weitere Mittel "immun", läßt sich also nicht mehr ruhig stellen, daher muß er immer an einem Vorderbein und einem Hinterbein angebunden sein. Im allgemeinen ist ein erwachsener männlicher Elefant im Zirkus nie frei und tritt auch nicht mehr auf.

Über Weihnachten 2000 kommt der Zirkus Knie mit einem Elefantenbullen namens Colonel Joe - in anachronistischer Weise als grösster Elefant der Welt angepriesen - nach Wien. Dieser Elefant stammt aus Amerika, ist schon seit langem immer mit seinem Trainer zusammen, und nur der könne ihn "bändigen". Bis vor kurzem war noch ein Schäferhund der beste Freund des Elefanten. In Schweden wurde der Hund aber erschossen. Von da an sei der Elefant besonders aggressiv und unberechenbar.

Der deutsche Zirkusexperte wußte auch Bescheid, wie Jaro Frank vom Golden Circus mit den Bären Tom und Jerry verfahren ist. Die beiden waren keineswegs zahm, sondern mußten mit einem Haken am Halsband zur Käfigwand gezerrt werden, dann bekamen sie den Beißkorb und links und rechts eine Kette. Erst dann konnten sie aus dem Käfig gebracht werden. Oft hat man sie an einen Baum gebunden und mit Eisenstangen geschlagen.

Bei Vorstellungen verwendet man sehr schnelle Elefantennummern, die Tiere stehen dabei nie still und die Nummer dauert nur 1 Minute. Das deshalb, weil die Tiere sonst zu raufen beginnen würden, aber bei den schnellen Nummern und der lauten Musik ist dafür der Stress zu groß.

Krankheiten sind keine Seltenheit bei Zirkustieren. Es gibt immer wieder Fälle von Pocken und TBC, die Tiere müssen mit Fieber arbeiten, bis sie umfallen. Bei ElefantInnen mit Pocken löst sich unter anderem auch der Hornschuh und entzündet sich. Weil das furchtbar aussieht und extrem schmerzhaft ist, werden den Tieren dann zum Beispiel silberne Gamaschen angezogen, damit das Publikum nichts merkt.

EinE ElefantIn kostet übrigens etwa 1 Million Schilling, normal gehandelt, für einen Zirkus. Der Zirkus Belly-Wien wollte 4 junge ElefantInnen bestellen, frisch aus Afrika, doch da dürfte es momentan einen Exportstop geben. Und was die CITES-Papiere für den Import anbelangt: die haben entweder ein Z für Zoo oder ein C für Circus. Hat ein Papier ein Z, darf das dazugehörige Tier niemals an einen Zirkus verkauft werden, umgekehrt schon. Mit den Papieren wird geschwindelt wo es geht, oft hat ein Zirkus mehr Papiere als Tiere, und Papiere von toten Tieren bleiben weiter im Umlauf.

Konkurs des Zirkus Knie

Am 11. Dezember, bei der Premiere in Wien, begannen die Demonstrationen gegen den Zirkus Knie wie eh und je. Wieder hatte der Zirkus gegen den Geist der Verfassung um Gegendemos zu verhindern eigene Demonstrationen vor dem Zirkus angemeldet, die er überhaupt nicht in Anspruch nahm. Aber so hatte die Polizei einen Vorwand die DemonstrantInnen wieder vom Platz vor dem Zirkus zu drängen. Dennoch wurde weiter demonstriert, diesmal auch mit dem neuen Video, das auf einer Grossleinwand den BesucherInnen vorgeführt wurde.

Wieder hängte der Zirkus Knie tausende Zirkuswerbeplakate überall in der Stadt an Zäune und Geländer auf, ohne dafür in irgendeiner Form eine Genehmigung zu haben. In diesem Jahr gab es aber auch eine Plakatkampagne gegen den Pelzhandel in Wien, im Rahmen derer Plakate derselben Größe wie die Zirkusplakate an dieselben Stellen gehängt wurden, an die der Zirkus seine Zirkusplakate gehängt hatte. Dennoch wurden Angestellte der Stadtverwaltung dabei beobachtet, wie sie selektiv die Anti-Pelz Plakate entfernten und die Zirkusplakate hängen liessen, oft am selben Zaun. Eine eindringliche Beschwerde an höchster Stelle in der Stadtverwaltung führte letztendlich zu einer Gleichbehandlung: erstmalig in den 4 Jahren der Kampagne gegen den Zirkus Knie wurden etwa 1000 Zirkusplakate behördlich entfernt und entsorgt.

TRlerInnen erstatteten auch Anzeige wegen Tierquälerei, nachdem sie nachweisen konnten, dass der Elefant Colonel Joe bei der Vorführung auf den Hinterbeinen stehen und dabei noch zwei Menschen tragen muss. In den "Richtlinien für die Haltung von Wildtieren in Zirkusunternehmen", verfaßt von Pechlaner, Gsandtner und Schwammer, herausgegeben von der Wiener Umweltanwaltschaft, steht auf Seite 50 über ElefantInnen im Zirkus: "Verboten sind alle Dressurleistungen, die nicht tiergerecht sind. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sie eine statische Belastung oder Überbelastung einzelner Körperteile verursachen und dadurch zu Schädigungen und Verletzungen führen können. Dazu gehören Kopf- und Handstand sowie das Aufrechtgehen bzw. Stehen nur auf den Hinterbeinen, da dies bei erwachsenen Elefanten zu Gelenks- und Bandscheibenschäden führen kann." Dennoch unternahm die Behörde nichts.

Am 21. Dezember 2000 meldet aber plötzlich die Tageszeitung Die Presse: "Zirkus Knie mit 40 Millionen Schilling in Konkurs; Louis Knie, Direktor des gleichnamigen Zirkus, hat einen Konkursantrag für das Unternehmen gestellt. Wer den Zirkus Knie besuchen möchte, sollte sich beeilen. [...] Das Landesgericht Korneuburg hat den Konkurs nun eröffnet, berichtete der Kreditschutzverband KSV am Mittwoch in einer Aussendung. Ein detaillierter Vermögensstatus liegt noch nicht vor. Die Passiva belaufen sich nach Einschätzung des KSV auf etwa 40 Millionen Schilling. Wieviele Gläubiger betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Masseverwalter Ferdinand Bruckner, Rechtsanwalt in Korneuburg, hat nunmehr zu beurteilen, ob der Zirkus fortgeführt wird. Der Masseverwalter fungiert jetzt also kraft Gesetzes als Geschäftsführer und damit als Zirkusdirektor. Die Zukunft des Zirkus wird davon abhängen, ob die Fortführung finanziert werden kann und es möglich sein wird, einen Zwangsausgleich (Mindestquote wären 20 Prozent) zu finanzieren. Als Grund für den Konkurs nennt Louis Knie Anschläge und Störaktionen, sowie mediale Angriffe von Tierschützern."

Der Masseverwalter Rechtsanwalt Bruckner spricht von etwa 60 Tieren, die dem Zirkus gehören, und für die bei Auflösung des Zirkus ein Platz gefunden werden müsste. Dafür böte sich natürlich der Safaripark in Gänserndorf an, der ja jetzt als Gnadenhof für ausrangierte Wildtiere fungiert und nicht mehr profitorientiert geführt wird. Laut Bruckner besitzt der Zirkus keine grossen Wildtiere wie BärInnen, ElefantInnen oder Grosskatzen, sondern mietet diese nur jeweils für die Saison. Im Besitz des Zirkus sind allerdings 1 schottisches Hochlandrind, 1 ungarisches Steppenrind, 1 Watussi, 2 Yaks, 4 Trampeltiere, 21 Pferde (diverse), 13 Ponies, 4 Zebras, 3 Emus, 7 Zwergziegen, 8 Lamas, usw.

Dieser Konkurs muss noch lange nicht das Ende des Zirkus Knie bedeuten. Anfang Jänner formierte sich eine Gruppe mit Namen "Freunde des Zirkus Knie", bestehend u.a. aus Baumeister Richard Lugner, Libro-Chef Andreas Rettberg, "Nachtclubkönig" Heinz Schimanko und Seitenblicke-Chef Rudolf Klingohr. Und wenn es dem Zirkus erlaubt ist, einen Zwangsausgleich zu führen und nur 20% der Schulden zurückzuzahlen, dann ist er fein raus und kann fröhlich weiter Tiere ausbeuten. In einer Aussendung wird schon davon gesprochen, dass der Zirkus wie geplant Anfang März die neue Saison eröffnen wird. Eine schnelle Intervention verschiedener Tierrechtsgruppen aber, die argumentierten, dass mit einem Ende der Kampagne gegen den Tierzirkus Knie nicht gerechnet werden kann solange der Zirkus nicht mit der Verwendung von Wildtieren aufhört, scheint das Konkursgericht und mögliche GeldgeberInnen überzeugt zu haben. Der Standard vom 11. Jänner 2001 berichtet, dass über die Weihnachtsferien das Konkursgericht nun doch die Schliessung und Auflösung des Zirkus Knie beschlossen hätte.

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