Zusammenfassung des Buches

"Vegane Ernährung"

Dr. Gill Langley, Echo Verlag 1999)
 
I. Allgemeine Richtlinien

II. Vegane Ernährung

III. Spezielle Themen

1) Mütter und Kinder

2) Kuhmilch und Gesundheit

3) Allgemeine Gesundheit

4) Vegane Ernährung als Therapie

IV. Nachwort

 

I. Richtlinien für vegane Ernährung der Vegan Society UK

Die Vegan Society UK hat seit jeher Pionierarbeit für gesunde, ethisch fundierte Ernährung geleistet und tut dies auch heute noch. Sie plädiert dafür, einen sehr abwechslungsreichen Speiseplan aus den folgenden Nahrungsmittelgruppen zusammenzustellen:

  • Vollkorn und Getreideprodukte - z.B. Weizen, Hirse, Gerste, Reis, Roggen, Hafer, Mais, Vollkornbrot und -nudeln
  • Hülsenfrüchte und Produkte aus Hülsenfrüchten - z.B. Erbsen, Bohnen, Linsen, Tofu
  • Frisches Gemüse, inklusive grünes Blattgemüse und Salate
  • Frisches und getrocknetes Obst
  • Nüsse
  • Samen - z.B. Sesam, Sonnenblumen- und Kürbiskerne

Gemüse sollte so schonend wie möglich zubereitet und der Sud (der Mineralstoffe und Vitamine enthält) für Suppen und Soßen verwendet werden. Salate und Rohkost sind besonders reichhaltige Vitamin- und Mineralstoffquellen. Samen sind leichter verdaulich und daher von höherem Nährwert, wenn sie zerstoßen oder gemahlen und als Brotaufstrich, wie z.B. Tahini, gegessen werden. Dörrobst ist ein guter Lieferant einiger Mineralstoffe. Da rein pflanzliche Kost reich an natürlichem Zucker ist, sollte raffinierter Zucker nur äußerst sparsam verwendet werden. Schwarze Melasse stellt eine hervorragende Kalzium- und Eisenquelle dar.

Die Versorgung mit Vitamin B12 kann durch die Verwendung angereicherter Nahrungsmittel, wie Hefeextrakt und Nährhefe, sichergestellt werden, sowie durch einige Sojamilch Sorten, schmackhafte Lebensmittel aus Sojaprotein, manche Margarine, gewisse Müslis und Fruchtsäfte. Vitamin D wird ohne weiteres durch die Einwirkung des Tageslichts auf die Haut gewonnen, besonders im Sommer und im Herbst.

Nach dem Abstillen sollten Eltern veganer Säuglinge diese mit energiereichen Nahrungsmitteln füttern, also sowohl mit entsprechend zubereitetem Getreide, Hülsenfrüchten und Dörrobst, als auch mit frischem Obst und Gemüse. Allerdings können kalorienarme, ballaststoffreiche Nahrungsmittel, wie Blattgemüse und Frischobst, einen kleinen Magen zu schnell füllen und sollten zunächst eher sparsam gegeben werden. Salzarme Hefeextrakte und angereicherte Sojamilch enthalten Vitamin B12 ebenso wie andere wichtige Nährstoffe.

II. Vegane Ernährung

Protein und Energie

Wie Studien an vegan lebenden Menschen weltweit bewiesen haben, gewährleistet der ausreichende Protein- und Energiegehalt abwechslungsreicher veganer Vollwertkost allen Altersgruppen beste Gesundheit. Die nationalen und internationalen Richtwerte für die Eiweißaufnahme werden bei veganer Ernährung ohne weiteres eingehalten. Die wichtigsten eiweißreichen Nahrungsmittel - Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide, und Samen - sind sehr energiereich, und ihre Verwendung stellt sicher, daß die erforderlichen Mengen an Stickstoff und essentiellen Aminosäuren zur Verfügung stehen. Auch Kartoffeln und andere Gemüsesorten liefern angemessene Proteinmengen.

VeganerInnen nehmen die empfohlenen Mengen an Eiweiß und Energie leicht auf, wohingegen AllesesserInnen häufig zuviel Protein zu sich nehmen, was sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Bei ganzheitlicher Betrachtung der Gesundheit wird deutlich, daß tierliches Protein oft in Verbindung mit gesättigten Fettsäuren auftritt, während Pflanzenprotein normalerweise zusammen mit Ballaststoffen vorkommt.

Es ist nicht nötig, sich über die Kombination verschiedener Eiweißarten in jeder Mahlzeit den Kopf zu zerbrechen. Ein abwechslungsreicher veganer Speiseplan, der täglich aus zwei oder mehr Pflanzengruppen zusammengestellt wird, liefert ausreichend Protein.

Ein wohldurchdachter veganer Speiseplan hält vegane Säuglinge und Kinder bei guter Gesundheit und gewährleistet eine normale Entwicklung. Nach der Entwöhnung müssen Säuglinge eine ausreichende Energiezufuhr erhalten. Vegane Eltern können dies durch die Verwendung richtig zubereiteter Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse, und Samen sowie durch geringere Mengen magenfüllender, energieärmerer Obst- und Gemüsesorten sicherstellen. Protein- oder Energiemangelerscheinungen treten bei veganen Säuglingen ausgesprochen selten auf.

Kohlenhydrate

Weltweit empfehlen ErnährungsexpertInnen einen vermehrten Konsum komplexer Kohlenhydrate aus Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, Obst und Gemüse. Die VeganerInnen als Ernährungsgruppe erreichen mit größter Wahrscheinlichkeit die empfohlene Zufuhr an Kohlenhydraten. Es ist wissenschaftlich anerkannt, daß die Kohlenhydratzufuhr in der Gesamtbevölkerung zu niedrig ausfällt.

Tierliche Lebensmittel, wie Fleisch, Milch und Eier, liefern keine Ballaststoffe, und im Gegensatz zu durchschnittlichen AllesesserInnen erreichen oder übertreffen VeganerInnen und VegetarierInnen die empfohlene Ballaststoffzufuhr. Außerdem leiden sie weniger oft an bestimmten chronischen Beschwerden, die mit ballaststoffarmer Ernährung zusammenhängen.

Einige Untersuchungen ergaben, daß VeganerInnen mehr natürlichen Zucker aus Früchten und Gemüse, vermutlich aber weniger zusätzlichen raffinierten Zucker, konsumieren als AllesesserInnen. Raffinierter Zucker ist die Hauptursache für Zahnkaries.

Fette

Zahlreiche ExpertInnengremien haben eine allgemeine Reduktion des Fettverzehrs empfohlen. Nur vegane Ernährungsformen erfüllen die aktuellen Richtlinien, nach denen Fett nicht mehr als 35% zur gesamten Energieaufnahme bei Erwachsenen und Kindern beitragen sollte.

Gesättigte Fette mit an einer Erhöhung des Cholesterinspiegels im Blut verantwortlich, einem Risikofaktor für Arteriosklerose und Herzkrankheiten. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFAs) dagegen bewirken das Gegenteil. Da die vegane Kost weder Fleisch noch Milchfette enthält, ist sie arm an gesättigten Fettsäuren und reich an förderlichen PUFAs. Im Vergleich zu anderen Ernährungruppen konsumieren VeganerInnen erheblich größere Mengen der essentiellen PUFA Linolsäure und annähernd identische Mengen der anderen essentiellen PUFA, alpha-Linolensäure.

Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), zwei nicht-essentielle PUFAs, kommen in der veganen Ernährung nicht vor. Der menschliche Körper kann alpha-Linolensäure in EPA und DHA umwandeln; dennoch enthalten einige Körpergewebe vegan lebender Menschen weniger EPA und DHA als die der anderen Ernährungsgruppen. Sollte dieser Unterschied Auswirkungen haben, so sind diese nicht bekannt.

Auch die Muttermilch enthält bei Veganerinnen, Vegetarierinnen und Allesesserinnen unterschiedliche Anteile verschiedener mehrfach ungesättigter Fettsäuren, was sich bei Kleinkindern in einigen Körpergeweben widerspiegelt. Bisher ist nicht bekannt, ob, und wenn ja, inwieweit diese Abweichungen Wachstum und Entwicklung der Kleinkinder beeinflussen.

Vegane und omnivore Kost enthalten ähnliche Anteile einfach ungesättigter Fettsäuren. Vegane Kost ist ausgesprochen cholesterinarm. Dennoch schätzen einige Studien den Gehalt zu hoch ein, weil die zur Auswertung der Ernährungstagebücher verwendeten Computerprogramme davon ausgehen, daß Kuchen, Gebäck und vergleichbare Produkte unter der Verwendung von Eiern und Milchprodukten hergestellt werden.

Das Blut von VeganerInnen zeigt niedrigere Cholesterin- und LDL-Cholesterinwerte als das aller anderen Ernährungsgruppen; infolgedessen sind sie weniger anfällig für koronare Herzkrankheiten. Bestimmte Krebsarten treten im Verbund mit fettreicher Ernährung auf, in einigen Fällen speziell mit tierlichen Fetten.

Vitamine

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene vegane Ernährung enthält alle für die Gesundheit notwendigen Vitamine. Für Vitamin B12 sind die zuverlässigsten Quellen angereicherte Nahrungsmittel oder Ergänzungsmittel. Da ein B12-Mangel besonders bei Säuglingen schwerwiegende Folgen hat, sollten alle VeganerInnen für sich und ihre Kinder eine ausreichende Zufuhr sicherstellen. Es wurden zwar einige Fälle von B12-Mangel bei VeganerInnen beschrieben, aber diese sind Ausnahmen.

Durch Einwirkung des Sonnenlichts auf die Haut erhalten Erwachsene und Kinder generell ausreichend Vitamin D. Darüber hinaus verwenden viele VeganerInnen mit diesem Vitamin angereicherte Margarine und Sojamilch. In den zwei literaturbekannten Fällen von Rachitis bei veganen Säuglingen spielten auch andere Faktoren, wie ein schlechter Ernährungsstatus der Mutter, dunkle Haut oder unzureichende "Belichtung" der Haut eine Rolle. Es gibt keine gemeldeten Fälle von Vitamin-D-Mangel bei hellhäutigen VeganerInnen, bei VegetarierInnen asiatischer Herkunft kann dieses Problem allerdings auftreten.

Die vegane Kost enthält zwar mitunter weniger Riboflavin als die omnivore Kost, die Riboflavinzufuhr der meisten VeganerInnen ist aber höher als die offiziell empfohlene Mindestmenge. Bei wenigen veganen Frauen und Kindern wurde ein unter dieser empfohlenen Menge liegender Wert festgestellt, aber viele pflanzliche Nahrungsmittel sind reich an diesem Vitamin. Eine weitgehend vollwertige Ernährung, wie sie von der Veganen Gesellschaft befürwortet wird, liefert mit größter Wahrscheinlichkeit ausreichende Mengen aller Vitamine.

VeganerInnen erreichen oder überbieten ohne weiteres die empfohlene Zufuhrmenge der Vitamine A (als beta-Carotin), Thiamin, Vitamin B6, Folsäure, Biotin, und der Vitamine C, E und K.

Mineralstoffe

Die vegane Ernährung liefert all jene Mineralstoffe, von denen bekannt ist, daß der menschliche Körper sie benötigt. Vegane Kinder konsumieren mitunter weniger Kalzium als die empfohlenen Richtwerte (viele omnivore Kinder ebenso), und allen Eltern wird dringend geraten sicherzustellen, daß die Ernährung ihrer Kinder kalziumreiche Nahrungsmittel enthält. Es gibt keine Berichte über Kalziummangel bei vegan lebenden Menschen. Das Fehlen von Fleisch und die etwas geringeren Anteile von Protein in ihrer Ernährung tragen möglicherweise zur Verhütung eines Mangels bei.

VeganerInnen nehmen viel Eisen mit der Nahrung auf. Dies wirkt, zusammen mit dem hohen Vitamin-C-Gehalt, anscheinend dem die Eisenaufnahme hemmenden Effekt von Ballaststoffen und Phytat entgegen. Die Forschungsergebnisse zeigen, daß VeganerInnen ausreichend Eisen im Körper haben und selten an Eisenmangel leiden.

Der geringere Natriumchloridgehalt veganer Kost trägt unter Umständen zum Schutz vor Bluthochdruck und damit verknüpften Krankheiten bei. Eine Studie läßt den Schluß zu, daß der Selenspiegel im Blutkreislauf vegan lebender Menschen selbst bei unterdurchschnittlichem Konsum normal ist. Der Zinkgehalt in veganer Kost ist ausreichend, und bisher wurde kein Mangel bei VeganerInnen bekannt. Der Jodgehalt kann bei veganer Ernährung zwar unter dem Durchschnitt liegen, aber auch hier gibt es bisher keine Berichte über Mangelerscheinungen. Weitere Forschungen zu Spurenelementen, besonders zu ihrem Vorkommen in der veganen Kost, wären wünschenswert.

III. Spezielle Themen

1) Vegane Mütter und Kinder

Protein und Energie - Mit abwechslungsreicher veganer Kost ernährte Säuglinge und Kinder erhalten ausreichend Eiweiß und Energie, sind gesund und wachsen normal. Sie sind zwar in der Regel leichter gebaut als omnivore Kinder, ihre Größe und ihr Gewicht liegen aber im normalen Bereich. Bei der Entwöhnung sollte veganen Eltern daran gelegen sein ihren Kindern eine ausreichende Zufuhr von Nahrungsenergie zu gewährleisten. Sie erreichen das, indem sie gekochte und zerdrückte Hülsenfrüchte und Getreide sowie gemahlene Samen und Nüsse oder Aufstriche aus Nüssen und Samen anbieten. Zerdrückte Bananen und Avocados besitzen ebenfalls einen ausreichend hohen Energiegehalt. Diesen Hauptnahrungsmitteln können geringe Mengen magenfüllender, energieärmerer Obst- und Gemüsesorten beigemengt werden, sodaß der Magen der Kinder nicht gefüllt ist, bevor sie genügend Kalorien aufgenommen haben. Die Tatsache, daß tausende von Kindern bei bester Gesundheit mit veganer Kost großgezogen wurden, zeigt, daß diese Richtlinien leicht zu befolgen sind.

Kohlenhydrate - Im Gegensatz zu AllesesserInnen verzehren VeganerInnen die empfohlene Menge an Kohlenhydraten. Nur wenige Studien haben sich speziell mit der Kohlenhydratzufuhr bei veganen Kindern beschäftigt, aber es gibt eindeutige Hinweise darauf, daß ihre Ernährung, ebenso wie die ihrer Eltern, reichlich komplexe Kohlenhydrate enthält. Der Konsum von raffiniertem Zucker ist höchstwahrscheinlich geringer, die Ballaststoffzufuhr dagegen hoch.

Fette - Die Muttermilch veganer, vegetarischer und omnivorer Frauen unterscheidet sich hinsichtlich ihres Gehaltes an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Diese Unterschiede manifestieren sich in den Geweben der Kinder. Man weiß noch nicht genau, ob und welche Auswirkungen diese Abweichungen für Wachstum und Entwicklung der Säuglinge haben. Einige PUFAs, wie beispielsweise DHA, werden jedenfalls für die Entwicklung des Gehirns und des Sehsinnes benötigt. Die bisherige Forschung zeigt, daß sich vegane Säuglinge und Kinder normal entwickeln. Ihre Ernährung enthält tendenziell weniger Fett als die omnivorer Kinder. Der Verzehr gesättigter Fettsäuren fällt besonders gering aus, die Kinder nehmen jedoch mehr gesunde mehrfach ungesättigte Fettsäuren auf.

Vitamine - Während der Schwangerschaft oder der Stillzeit sollten Frauen für eine erhöhte Zufuhr an beta-Carotin, Thiamin, Riboflavin, Niacin, Folsäure und den Vitaminen B12, C und D sorgen. Beta-Carotin, Thiamin, Niacin, Folsäure und Vitamin C sind in der veganen Kost reichlich enthalten und erfüllen in der Regel die britischen Empfehlungen für Frauen.

Die Riboflavinaufnahme einiger veganer Frauen liegt unter dem empfohlenen Mindestwert, obwohl die Muttermilch britischer Veganerinnen einen ähnlichen Gehalt hat wie die omnivorer Frauen. Vegane Kost ist tendenziell reich an Folsäure. Da dieses Vitamin aber eine wichtige Rolle für die Vorbeugung von Geburtsschäden spielt, empfiehlt das britische Gesundheitsministerium allen schwangeren Frauen und jenen, die schwanger werden wollen, die Einnahme zusätzlicher Präparate.

Die Nahrungsquellen für Vitamin B12 sind zwar noch nicht vollständig erforscht, gegenwärtig sieht es aber so aus, als ob pflanzliche Nahrungsmittel von Natur aus nur wenig für den Körper nutzbares aktives B12 liefern. Daher wird schwangeren und stillenden Frauen die Verwendung angereicherter Nahrungsmittel oder die Einnahme von Vitaminpräparaten empfohlen. Auch entwöhnte Säuglinge sollten auf diese Weise mit Vitamin B12 versorgt werden.

Die meisten Menschen beziehen Vitamin D in ausreichender Menge aus dem Sonnenlicht, das die Haut zur Produktion dieses Vitamins anregt, aber auch hier wird schwangeren und stillenden Frauen, vor allem im Winter, grundsätzlich geraten, einen Vitamin-D-Zusatz einzunehmen. Da Vitamin D in pflanzlicher Kost von Natur aus nicht enthalten ist (einige Nahrungsmittel werden allerdings damit angereichert), ist diese Empfehlung für vegan lebende Menschen von Bedeutung.

Studien mit veganen Kindern lassen den Schluss zu, daß die Ernährung der Kinder eine hohe Vitaminzufuhr gewährleistet. Die Vitamine sind dabei entweder von Natur aus in der Nahrung enthalten, oder werden von Zusatzpräparaten geliefert, wie bei Vitamin B12. Vitaminunterversorgung kommt bei veganen Kindern ausgesprochen selten vor und beschränkt sich auf die Vitamine B12 und D.

Mineralstoffe - Das britische Gesundheitsministerium empfiehlt allen stillenden Müttern eine Erhöhung der Zufuhrwerte von Kalzium, Phosphor, Magnesium, Zink, Kupfer und Selen.

Der Kalziumkonsum vegan lebender Menschen liegt zwar tendeziell etwas unter dem empfohlenen Optimum, aber fleischlose Ernährung verbessert die Kalziumspeicherung im Körper. Bisher gibt es keine Berichte über Kalziummangel bei erwachsenen VeganerInnen und nur drei Fälle von brüchigen Knochen aufgrund von Kalziumunterversorgung bei veganen Säuglingen. Viele pflanzliche Nahrungsmittel enthalten Kalzium und sollten bei Frauen und ihren Kindern fester Bestandteil der täglichen Ernährung sein.

Phosphor, Zink, Magnesium und Kupfer sind in der veganen Kost in den empfohlenen oder sogar höheren Mengen enthalten. Ein Fall von Zinkmangel bei einem Säugling wurde aus einer religiösen veganen Kommune gemeldet, die aber eine für VeganerInnen atypische Nahrungszusammenstellung hatte. Der Selengehalt der veganen Kost kann etwas geringer sein, aber die Blutwerte untersuchter VeganerInnen waren normal. Die Jodzufuhr kann bei VeganerInnen zwar unter dem empfohlenen Optimum liegen, bisher wurde aber nur von einem Fall eines Jodmangels bei einem veganen Säugling berichtet.

Von einigen ausgesprochen seltenen Ausnahmen abgesehen hat sich herausgestellt, daß die vegane Ernährung Mineralstoffe in ausreichender Menge liefert, um in Schwangerschaft und Stillzeit sowie im Säuglingsalter und die ganze Kindheit hindurch die volle Gesundheit zu gewährleisten.

Allgemeine Gesundheit veganer Mütter und Kinder - Wohldurchdachte vegane Ernährungsformen, die eine breite Vielfalt pflanzlicher Nahrungsmittel bieten, decken jeglichen Nährstoffbedarf schwangerer und stillender Frauen und ihrer Kinder, vom Säuglingsalter bis in die Jugend. Bei einigen veganen Kindern ist die Kalzium- und Vitaim-B12-Zufuhr etwas niedriger, aber die Verwendung sehr abwechslungsreicher Kost in Verbindung mit angereicherten Nahrungsmitteln wird eine gute Ernährung gewährleisten. Von allen anderen Nährstoffen nehmen vegane Kinder ebensoviel wie, oder sogar mehr als omnivore Kinder auf. Mehrere Studien haben belegt, daß vegane Kinder gut gedeihen. Tausende gesunder Kinder wurden bereits mit veganer Kost großgezogen und dürfen erwarten ein überdurchschnittlich gesundes Erwachsenenleben vor sich zu haben.

Übersicht: Ernährung veganer Kinder

  • Führen Sie die zur Umstellung verwendeten Nahrungsmittel schrittweise ein, während Sie gleichzeitig noch Muttermilch geben.
  • Kinder brauchen viel Energie (Kalorien). Selbstgemachtes Müsli sollte als dicker Brei gereicht werden, nicht jedoch in Form von dünnem Haferschleim. Ein wenig pflanzliches Öl erhöht den Kaloriengehalt des gekochten Getreidebreis und macht ihn schmackhafter, da er beim Abkühlen nicht so klebrig wird.
  • Verwenden Sie mehr Soja- oder Rapsöl und dafür weniger Sonnenblumen-, Saflor- oder Maisöl. Soja- und Rapsöl können die Produktion von Fettsäuren fördern, die für die Entwicklung des Hirns und der Sehkraft sehr wichtig sind.
  • Geben Sie Kleinkindern vor den Mahlzeiten nicht zu viel Flüssigkeit.
  • Das Bestreichen von Brot mit Margarine (wenn möglich angereichert mit den Vitaminen B12 und D2) oder mit Tahini oder feiner Erdnußbutter erhöht den Energiegehalt des Brotes.
  • Salzarmer Hefeextrakt ist ein ergiebiger Mineralstoff- und Vitaminlieferant.
  • Gar gekochte und zerdrückte Hülsenfrüchte liefern Energie und Eiweiß.
  • Geben Sie dem Kind in jedem Fall mit Vitaim B12 angereicherte Nahrungsmittel.
  • Um die Eisen- und Kalziumzufuhr zu erhöhen verwenden Sie schwarze Melasse.
  • Mit kalziumhaltigem Salz (in der Regel Calciumsulphat - siehe Etikett) zubereiteter Tofu enthält mehr Kalzium als Kuhmilch und ist außerdem sehr eiweißreich. Grünes Blattgemüse (außer Spinat) ist ebenfalls ein guter Kalziumlieferant.
  • Sojamehl, Weizenkeime, Hirse, gemahlene Mandeln, Vollkornbrot, getrocknete Feigen und getrocknete Marillen sind besonders gute Eisenquellen. Getrocknete Früchte können in etwas Wasser eingeweicht und gründlich zerdrückt oder verflüssigt werden, um einen dicken Brei zu erhalten.
  • Zur Verbesserung der Eisenaufnahme mischen Sie in jede Mahlzeit Zitrusfrüchte, Kartoffeln, grünes Blattgemüse oder Tomaten.
  • Stellen Sie sicher, daß Ihr Kind regelmäßig an der frischen Luft ist (nicht voll bekleidet und nicht zur heißesten Tageszeit in der direkten Sonne). Auf diese Weise gewährleisten Sie eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr. Geben Sie im Winter angereicherte Nahrungsmittel oder einen Vitamin-D2-Zusatz.
  • Verwenden Sie Sojamilch, die mit Kalzium und den Vitaminen B12 und D2 angereichert wurde.

Übersicht: Die Gesundheit veganer Kinder

  • Die Körpergewebe veganer Säuglinge enthalten andere Fettanteile als die omnivorer Säuglinge. Ihre Gesundheit und Entwicklung sind normal. Im Hinblick auf die Frage, ob es bei den neuralen und visuellen Funktionen geringfügige Unterschiede gibt, besteht allerdings noch Forschungsbedarf.
  • Einige vegane Kinder wachsen unter Umständen während der ersten fünf Jahre langsamer. Der Grund hierfür könnte die geringere Energiemenge sein, die die magenfüllende vegane Kost liefert, wenn der Magen des Kindes noch klein ist. Aufholwachstum tritt gewöhnlich im Alter von ca. 10 Jahren ein.
  • Vegane Kinder sind normal groß und in der Regel überdurchschnittlich schlank. Dies bleibt jedoch im normalen Rahmen.
  • Die Energiezufuhr älterer veganer Kinder ist der omnivorer Kinder vergleichbar.
  • Die einzigen Nährstoffe, die die vegane Ernährung Kindern wahrscheinlich in etwas geringerer Menge liefert, sind Kalzium und Vitamin B12.
  • Nährstoffe wie Eisen, Carotin, Thiamin, Folsäure und die Vitamine C und E sind in der veganen Kost in höheren Mengen enthalten als in der omnivoren Kost.

2) Kuhmilch und Gesundheit

Kuhmilch ist ein häufiger, aber oftmals nicht erkannter Verursacher von Allergien bei Säuglingen und Kindern. Die Symptome reichen von Durchfall und Erbrechen bis hin zu Ekzemen, Asthma und chronischen Schlafstörungen. Werden Säuglinge unter einem Jahr hauptsächlich oder ausschließlich mit Kuhmilch ernährt, stellt sich unter Umständen ein Eisenmangel ein. Der Grund dafür ist nicht nur der geringe Eisengehalt von Kuhmilch, sondern auch, daß sie Eisenverluste durch gastrointestinale Blutungen verursachen kann. Lactoseintoleranz ist bei Kindern eine wichtige Ursache für häufig wiederkehrende Unterleibsschmerzen.

Kuhmilch und Kuhmilchprodukte liefern bei britischen AllesesserInnen annähernd ein Drittel der Gesamtzufuhr gesättigter Fette, und eine hohe Zufuhr dieser Nährstoffe ist ein Risikofaktor für Herzkrankheiten. Einige Studien haben einen direkten Zusammenhang zwischen Kuhmilchkonsum und Herzkrankheiten oder insulinabhängiger Diabetes belegt. Auch andere gesundheitliche Probleme werden durch den Konsum von Kuhmilch begünstigt.

3) Die allgemeine Gesundheit von VeganerInnen

Das Risiko für Herzkrankheiten liegt bei VeganerInnen wahrscheinlich niedriger als bei FleischesserInnen oder sogar VegetarierInnen. Der geringe Fettgehalt und das üppige Angebot an Ballaststoffen in der veganen Kost bietet wahrscheinlich einigen Schutz gegen Gallensteine. Übergewicht ist ein Risikofaktor für einige chronische Leiden. Studien deuten daraufhin, daß der durchschnittliche Body Mass Index BMI bei VeganerInnen unter den 25,6 Punkten der britischen Allgemeinbevölkerung liegt. 41% der Frauen und 53% der Männer sind in der Allgemeinbevölkerung fettleibig oder übergewichtig.

Bei VeganerInnen wurden die geringsten Konzentrationen des Bakteriums Helicobacter im Magen gefunden. Helicobacter ist als Erreger von Gastritis, Magengeschwüren und möglicherweise auch Megankrebs bekannt. Bei VeganerInnen ist das Risiko für insulinunabhängige Diabetes (Ausbruch im Erwachsenenalter) geringer, und sie leiden außerdem seltener an Fettleibigkeit, koronaren Herzerkrankungen, Bluthochdruck und einigen Arten von Krebs. Populationsstudien haben Belege dafür geliefert, daß Brust-, Gebärmutter-, Bauchspeicheldrüsen-, Prostata- und Dickdarmkrebs auf hohe Fettzufuhr zurückzuführen sind, und daß Brust-, Gebärmutter- und Dickdarmkrebs speziell mit dem Verzehr von Fleisch und tierlichen Fetten und Proteinen zusammenhängen.

Eine Studie zeigte, daß Veganismus in der Schwangerschaft das Risiko für Präeklampsie (Verengung der Blutgefäße, geringerer Blutfluß zur Plazenta und vorzeitige Entbindung) verringert. Eine Untersuchung des Intelligenzquotienten von Kindern im Vorschulalter ergab den höchsten Wert von 119 für die VeganerInnen. Die AutorInnen schlossen daraus, daß die vegane Ernährung einen Entwicklungsvorsprung begünstige.

4) Vegane Ernährung als Therapie

Eine ganze Reihe von Studien haben gezeigt, daß vegane Ernährungsformen auf verschiedene Erkrankungen einen positiven Einfluß ausüben können. Hierzu gehören unter anderem rheumatoide Arthritis und Arteriosklerose. Noch ist nicht ganz klar, welche Bestandteile einer veganen Ernährung im einzelnen wirksam sind, aber die grundsätzlich erfreulichen Ergebnisse der beschriebenen Pilotuntersuchungen werden hoffentlich zu weiterer Forschung anregen.

IV. Nachwort

Der Veganismus ist zwar inzwischen durchaus anerkannt, wird mit wachsender Verbreitung praktiziert und bietet zahlreiche ethische, ökonomische, ökologische und gesundheitliche Vorteile. Seine wissenschaftliche Erforschung steht jedoch noch ziemlich am Anfang. Mit gelegentlichen Ausnahmen hinsichtlich Vitamin B12 gibt es keine Belege dafür, daß sich bei VeganerInnen leichter irgend ein Nährstoffdefizit einstellt als bei AllesesserInnen. Den ÄrztInnen bleibt es seit über 30 Jahren ein Rätsel, daß sich so viele LangzeitveganerInnen ohne offensichtliche B12-Quellen bester Gesundheit erfreuen. Produzieren Bakterien im Dünndarm möglicherweise resorbierbares, aktives Vitamin B12? Die Frage nach der in verschiedenen Nahrungsmitteln enthaltenen Menge echten Vitamins B12 ist nicht weniger schwierig zu beantworten, sondern immer komplizierter geworden und verlangt dringend nach einer Antwort. Ist das Risiko an Osteoporose zu erkranken, bei älteren VeganerInnen geringer als bei AllesesserInnen? Es wird inzwischen als wahrscheinlich angenommen, daß vegane Ernährungsformen einen Beitrag zum Schutz vor einer Reihe von Krankheiten leisten. Hierzu gehören einige Krebsarten und höchstwahrscheinlich Herzkrankheiten. Können auch andere Krankheiten durch die vegane Lebensweise vermieden werden? Erkranken lebenslange VeganerInnen seltener an insulinabhängiger Diabetes, Gastritis und Zwölffingerdarmgeschwüren?

Durch die Entdeckung, daß das Geburtsgewicht eines Säuglings ein Indikator für das Risiko Jahrzehnte später ausbrechender Krankheiten ist, wird deutlich, daß Studien mit veganen Kindern dringend vonnöten sind. Wo liegt das durchschnittliche Geburtsgewicht veganer Säuglinge? Vegane Muttermilch weist einen geringeren Gehalt der Fettsäure Docosahexaensäure auf als gewöhnlich. Hat das irgendwelche Auswirkungen auf die Entwicklung von Gehirn und Sehkraft veganer Säuglinge?

Hier erschließt sich uns ein weites Feld für weitere Forschungsarbeit. Letzere wäre nicht nur der Veganen Gesellschaft willkommen, sondern könnte auch für die Gesellschaft als Ganzes von Nutzen sein. In jedem Fall wäre es sehr hilfreich, VeganerInnen und VegetarierInnen als gesonderte Gruppen zu betrachten und zu untersuchen, anstatt sie einfach in einen Topf zu werfen. Vegane Ernährungsformen unterscheiden sich wesentlich von anderen vegetarischen Ernährungsformen und haben daher wahrscheinlich auch spezifische Auswirkungen.

Viele der in diesem Buch behandelten Forschungsberichte haben sich vor allem auf die Risiken einer Unterversorgung oder gelegentlich auftretende Probleme konzentriert. Es ist klar, daß WissenschaftlerInnen in erster Linie die Abweichungen von der Norm beleuchten, und daß ErnährungsexpertInnen in solchen Fällen die Warnglocken läuten. Wir sollten jedoch nicht vergessen, daß die Norm selbst nicht unbedingt gesund ist, und ein in der Fachpresse beschriebener Fall von Unterversorgung eine seltene Ausnahme darstellt.

Trotz der unvollständigen wissenschaftlichen Kenntnisse wird in Anbetracht der weltweit vielen tausenden vegan lebenden Menschen deutlich, daß abwechslungsreiche rein pflanzliche Kost nicht nur Gesundheit und Wohlbefinden aufrechterhält, sondern auch zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen bringen kann.

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