Nachhaltigkeit von veganen Schuhen

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Nachhaltigkeit von veganen Schuhen

von hubsi » So 23. Feb 2014, 21:27

Hallo!

Ich kaufe mir selten Schuhe und allgemein Kleidung. Erstens weil es recht viel Geld kostet, zweitens weil mich dieses herumentscheiden im Laden nervt, und drittens brauch ich nicht jeden Monat neues Zeugs, solange das alte noch was taugt. Ich brauchte letztens aber schwarze Abendschuhe für mein Sakko und wollte keine aus Leder. Die von Muso Koroni sind mir einfach zu teuer, darum habe ich mir schließlich welche bei Deichmann gekauft (um 19 Euro, viel mehr gibt mein Studentenbudget nunmal nicht her)

Meine Mutter machte mich auf einen Widerspruch aufmerksam, den vegane (Plastik)Schuhe in Bezug auf Nachhaltigkeit mit sich bringen. Tierisches Leder ist ein "nachwachsendes" (Abfall)Produkt, das verrotten kann - während Plastik doch ein Kunststoff ist, der eine Ewigkeit braucht, bis es einmal verschwindet. Sie meinte auch (und meine Mutter hat Erfahrungen mit dem Schuhhandel), dass Plastikschuhe meistens auch irgendwo in Asien, wahrscheinlich auch von Kindern, billig produziert werden und die Leute total ausgebeutet werden (wobei das bestimmt auf mehrere Arten von Schuh zutreffen wird, finde ich.) Und so weiter, und so fort...

Fazit war jedenfalls so etwas wie: Lederschuhe sind eigentlich gut, und Plastikschuhe sind Produkte aus der Hölle.

Ich konnte dem auch nicht widersprechen, weil mir dazu das Hintergrundwissen fehlt. Ich wusste z.B. gar nicht, dass man sowas gar nicht recyclen könnte. Aber wie seht ihr das? Wisst ihr über das Thema vielleicht mehr als ich? Und was ist dieses "Vegetan", von dem ich gerade auf Muso Koronis Seite gelesen habe? Kann es verrotten?

Liebe Grüße!
hubsi
 
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Re: Nachhaltigkeit von veganen Schuhen

von sabine » Di 25. Feb 2014, 10:18

Hallo,

hab zwar keine Info zu den veganen Schuhen, aber ich hab mir mal vor 2 Jahren einen sehr interessanten Artikel (glaub es war in der Online-Ausgabe vom Standard, den Link dazu hatte ein Mitglied hier irgendwo gepostet) bzgl. Lederschuhen abgespeichert. Mehr dazu ist vielleicht noch auf konsument.at zu finden. Ist möglicherweise auch von Interesse für dich bzw. deine Mutter.
Ich poste den hier mal gleich so rein.:
"In Lederschuhen steckt Sklavenarbeit
Wer Schuhe aus Leder kauft, fördert damit Sklaverei und Tierquälerei. So drastisch fällt das Resümee einer Untersuchung europäischer Verbraucherschutzorganisationen (darunter der VKI) aus, für die 16 prominente Hersteller von Markenschuhen unter die Lupe genommen wurden. Vor allem bei der Rohstoffgewinnung - auf Rinderfarmen, in Schlachthöfen und Gerbereien - herrschen Zustände, die an den Feudalismus erinnern.

Moderne Sklavenhaltung geht so: Mit dem Versprechen hoher Löhne werden Arbeiter auf entlegene Rinderfarmen gelockt, zum Beispiel mitten im brasilianischen Regenwald. Dort sie sind von der Außenwelt völlig abgeschnitten, schuften ab dem ersten Tag, doch der Lohn bleibt aus. Wer nachfragt, wird misshandelt, bekommt weder zu essen noch zu trinken oder wird tagelang an einen Baum gefesselt.
Eine Flucht ist meist unmöglich, sagt Peter Platzek, Redakteur der VKI-Zeitschrift "Konsument": "Wenn jemand eine Zahnbürste braucht, oder eine Seife, oder ein Stück Brot, dann muss er das vom Sklavenhalter kaufen, es gibt keine andere Möglichkeit. Die können sich also gar nichts ersparen für die schwere Arbeit, sondern müssen immer weiter arbeiten, weiter arbeiten, weil die Schulden immer größer werden."
"Es gibt keine Nachverfolgbarkeit"
Aus dem Leder, das mit Sklavenarbeit produziert wurde, fertigen westliche Bekleidungskonzerne Schuhe. Und zwar nicht bloß billige Diskontware, wie man annehmen könnte, sondern ebenso gut Markenprodukte, zum Beispiel von Birkenstock, Tod’s, Geox oder Kickers. Die genannten Unternehmen gehören zu den 16 Herstellern, die von europäischen Verbraucherschutzorganisationen, darunter der VKI, einem Ethiktest unterzogen wurden. Kein einziges Unternehmen kann mit Sicherheit sagen, woher das Leder stammt aus dem seine Schuhe sind, oder unter welchen Bedingungen es produziert wurde.
"Es gibt keine Nachverfolgbarkeit, auch nicht für die großen Hersteller. Wobei man sie auch nicht aus der Schuld entlassen sollte: Es wäre an ihnen, dass sie Auflagen erteilen, und dass sie sich zusammentun und sagen, wir kaufen ab jetzt nur mehr Leder von zertifizierter Stelle", so Peter Platzek.

Der Ledermarkt ist undurchsichtig: Ein dänische Organisation besichtigte im Auftrag der europäischen Verbraucherschützer Farmen, Schlachthöfe und Gerbereien in Brasilien und in Indien, doch bis auf eine Ausnahme konnten die Ergebnisse nicht eindeutig einer Schuhmarke zugeordnet werden. Die Prüfer fanden nicht nur katastrophale Arbeitsbedingungen, sondern auch Tierhaltungsmethoden, die nur noch als Quälerei beschrieben werden können, sagt Konsument-Redakteur Platzek: "Eine artgerechte Tierhaltung kann kein Hersteller, auch der beste nicht, gewährleisten."
Als noch bester Hersteller schnitt im Ethiktest Timberland ab. Und das kurioserweise obwohl er den Fragebogen der Verbraucherschützer nicht retournierte. Üblicherweise ist das ein Anlass für die schlechteste Bewertung, aber Timberland stellt auf seiner Homepage detaillierte und vor allem glaubwürdige Informationen über verwendete Materialien und Produktionsbedingungen in seinen Schuhfabriken zu Verfügung, verteilt selbst Öko-Noten an seine Schuhe und schreckt auch nicht davor zurück, ein eigenes Produkt diesbezüglich schlecht zu bewerten. Diese vorbildliche Transparenz hört jedoch mit dem Endprodukt auf, Informationen zur Herkunft und Produktion des Leders sind dürftig. Bei anderen Herstellern fehlen sie völlig."
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Re: Nachhaltigkeit von veganen Schuhen

von sareeba » Di 25. Feb 2014, 12:15

für mich stellt sich diese schwierige Frage nicht nur bei Schuhen, sondern bei vielen Dingen. Schließlich wurden früher ganz einfach deshalb oft tierische Produkte eingesetzt, weil es keine synthetischen Ersatzprodukte gab - das hat sich mit der Plastikerfindung geändert. Plastik wird mittlerweile oft dort eingsetzt, wo früher Tierprodukte verwendet wurden - für die Tennisschlägerbespannung, Matratzenfüllung, Besteckgriffe, Knöpfe, reißfeste Materialen für Koffer oder Rucksäcke, Lampenschirme etc..... In einer Welt ohne Erdölprodukte, das muss man sich als Veganer schon eingestehen, wäre es oft noch schwieriger, als es ohnehin schon ist. Der Vorteil von diesen tierischen Produkten ist aber, dass sie allesamt komplett abbaubar sind, wohingegen Kunststoffe unsere Umwelt und Meere massivst belasten und über Jahrhunderte belasten werden. Allerdings ist, was jetzt Schuhe betrifft, die Lederproduktion wirklich nicht vertretbar - angefangen bei den giftigen Chemikalien, über die Tierhaltung und die Sklavenarbeit. Ich würde also trotz allem das nicht biologisch abbaubare Kunststoffprodukt kaufen, denn leider gibt es keine veganen Alternativen. Allerdings sind auch Lederschuhe in den seltensten Fällen komplett biologisch abbaubar, synthetische Materialen sind ja fast immer dabei (Sohle, Schuhbänder...). Insofern hat deine Mutter auch nicht 100% recht.
Bei anderen Dingen bin ich eher unentschlossen, zB bei Polstermöbeln: diese sind heutzutage auch fast ganz synthetisch, wenn ich mir jetzt ein neues kaufen wollte (was ich noch nie getan habe) könnte es schon gut sein, dass ich eines zB von Grüne Erde kaufe, da diese nur Naturmaterialien verwenden (u.a. Wolle). Allerdings erst, wenn ich gebraucht kein passendes finden konnte - ich suche prinzipiell immer zuerst nach etwas Gebrauchtem, bevor ich es neu kaufe (Kleidung etc.).

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen.
sareeba
 
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Re: Nachhaltigkeit von veganen Schuhen

von frantz » Di 25. Feb 2014, 12:19

Hallo hubsi,

ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen.
Genau dieselbe Gedanken - gut und schlecht - hatte ich als Allesesserin bei Analgokäse. (vorher pfui, jetzt hui?!?) Oder zuerst haben wir alle geschimpft, weil in der Leberwurst keine Leber ist, und jetzt essen wir die Leberwurst, wo alles möglich drin ist, nur eben keine Leber und es ist toll? Ok, ich scheife ab.

Ich ernähre mich vegan - also stille meinen täglichen Bedarf nach Nahrung rein pflanzlich.
Kleiden tu ich mit mit Wolle und Leder, weil ich diese Produkte einmal alle 5 (Wolle) 10 (Schuhe) oder 20 (Stiefel) Jahre kaufe. Ich habe für mich so meinen gangbaren Weg gefunden, weil das Leid, das ich Tieren zufüge, viel seltener
stattfindet, als wenn ich jeden Tag meinen Hunger stillen müsste.
Ich wäge also ab: wieviel Tier brauche ich über welchen Zeitraum.
Das Steak, das ich nach 2 Tagen wieder rausge... habe, hat für mich überhaupt keine Nachhaltigkeit. Die Schuhe, die ich seit über 20 Jahren trage (ernsthaft!), haben Tierleid verursacht, sind aber unschlagbar nachhaltig.

Ich sollte dazu anmerken, dass ich nicht "shoppen gehe", sondern Kleidung als notwendigen Bedarf bewerte.
Bei der Wolle kaufe ich nur solche aus ethisch korrekter Produktion, so die Schafe ihre Hörndln behalten dürfen. Stichwort: icebreaker merino.
Diese Pullis muss ich viel seltener Waschen als andere gleich warme Pullis, damit schone ich auch die Umwelt.

Ich kenne den Erfahrungsbericht einer Veganerin in den USA, die sich seit 5 Jahren vegan ernährt, bei der Kleidung jedoch nicht vegan ist, weil die veganen Schuhe bei ihr nur eine Saison gehalten haben. Sie hatte komplett auf vegane Schuhe umgestellt und war mit dem Resultat nach 1 Jahr mehr als unzufrieden.
Dazu sein angemerkt, dass sie nicht nur Wanderschuhe und Turnschuhe trägt. Weil bei dieser Art von Schuhen finde ich findet man tolle vegane Schuhe!

lg, frantz
frantz
 
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