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Mark Rowlands, „Animal Rights. A philosophical defence.“, MacMillan Press Ltd., 1998


Marc Rowlands, Dozent am Institut für Philosophie der Universität Cork in Irland, skizziert in seinem Buch einen neuen Zugang zu Tierrechten, nämlich einen kontraktionalistischen. Willst Du einen Kuchen gerecht aufteilen, so lass diejenige, die die Teilung vornimmt, nicht wissen, welches Stück Kuchen sie selbst bekommen wird. Dadurch wird sie das so gerecht wie möglich machen, um nicht selbst benachteiligt zu sein. 
Genauso sollte jetzt in moralischen Fragen generell vorgegangen werden: eine Moral sollte unter der gedanklichen Voraussetzung aufgestellt werden, daß nicht vorher bekannt ist, welche Rolle die die Moral formulierende Person selber letztendlich auf der Welt spielen wird.

Rowlands nennt das den Schleier der Unwissenheit, hinter dem bei der Formulierung einer Moral gestanden werden soll. Rowlands führt nun weiter aus, daß Speziesismus wie Rassismus sofort absurd werden, wenn die Person eben vorher nicht weiß, ob sie jetzt Hund oder Mensch z.B. sein wird. Ebenso ist es absurd zu fordern, daß nur diejenigen, die fähig sind moralisch zu handeln, auch moralische Rechte haben sollen. Gesetzt Du kommst als eine auf die Welt, die eben nicht fähig ist moralisch zu handeln, dann fändest Du diesen Standpunkt unfair. Und so folgen von diesem Ansatz her logisch die Tierrechte. Genauso folgt nach Rowlands logisch, daß Tierrechte natürlich nicht den Löwen das Jagen verbieten können, weil gesetzt Du kommst als Löwe auf die Welt, dann würdst Du Dich schön bedanken, müßtest Du aus moralischen Gründen verhungern. Während ja die "natürliche" Jagd als Notwendigkeit zum eigenen Überleben von beiden Seiten her (vom Jäger und Gejagten) verständlich ist, kann eine Jagd von jemandem, der fröhlich auch ohne Jagd leben könnte, vom Standpunkt der Gejagten natürlich nicht akzeptiert werden. Auf diese Weise diskutiert Rowlands auch alle möglichen anderen moralischen Fragen durch und befindet Tierrechte, wie wir sie kennen, als logische Folge dieses sogenannten "kontraktionalistischen" Ansatzes.

Pflanzen oder Autos z.B. haben nach Rowlands allerdings keine Rolle in dieser Moral, weil sie erstens keine Individuen sind, und zweitens kein Bewußtsein und so keine Gefühle haben können. „Wär ich ein Baum oder ein Auto“, so schreibt er, „dann wär mir ja herzlich wurscht was mit mir passiert, weil ich weder Sinneswahrnehmungen, noch Gedanken noch Gefühle hätte, mit einem Wort: kein Bewußtsein.“ Deshalb sind Tierrechte die weitest mögliche Ausdehnung der Individualrechte.

Zuletzt ist noch ein sehr schönes Argument gegen den Speziesismus aus diesem Buch erwähnenswert. Rowlands beginnt mit der Beobachtung, daß eine Tierart im allgemeinen durch ihre Genetik definiert wird. Alle Lebewesen mit menschlichen Genen z.B. sind Menschen. Speziesismus bedeutet dann, daß ich alle Lebewesen, die dasselbe artspezifische Genom wie ich haben, für moralisch wichtiger und wertvoller halte, als alle anderen Lebewesen. Sprechen wir der Einfachheit halber vom menschlichen Speziesismus im folgenden.

Gedankenexperiment: sagen wir, vor 500 Jahren sind UFOs auf der Erde gelandet, die genau so ausschauen wie Menschen, aber genetisch natürlich völlig verschieden sind (so wie z.B. in den Star Treck Folgen, wo der gute Spok ja ganz andere Gene als die Menschen hat). Dieser Umstand, so nehmen wir an, sei vergessen worden bis in die heutige Zeit, und niemand weiß jetzt, daß einige von uns von UFOs abstammen, und wer von uns das eigentlich ist, und wer nicht. Bei einer Genomuntersuchung wüßten wir das sofort, aber so etwas wurde bisher noch nicht gemacht. Weiters nimmt Rowlands an, daß UFOs und Menschen Sex miteinander haben können, nur natürlich keine Kinder, außer vielleicht unfruchtbare (wie es ja bei Sex zwischen verschiedenen Arten möglich ist).

Eine Speziesistin müßte jetzt der Meinung sein, alle diese UFOs haben ein weniger wertvolles Leben als die Menschen, und könnten gefressen und für Versuche verwendet werden, weil sie nicht zur menschlichen Art gehören, also keine Menschen sind. Nun könnte dieses Szenario ja Wirklichkeit sein, und die Speziesistin ohne es zu wissen selbst ein UFO. Mit diesem Gedankenexperiment konfrontiert würde keine Speziesistin weiterhin den Speziesismus aufrecht erhalten können. Es zeigt in wunderschöner Einfachheit wie einfältig Speziesismus ist und an was für völlig irrelevanten Größen er sich orientiert. Und würde irgendwo im Himalaya noch eine Gruppe NeanderthalerInnen gefunden werden, sollten dann wirklich an denen medizinische Versuche gemacht werden dürfen, nur weil sie nicht zu unserer Art gehören, egal wie gescheit, selbstbewußt, leidensfähig, etc. sie sind? Offensichtlich nicht. Und damit ist der Speziesismus als vertretbare moralische Position gestorben.