Humphrey Primatt: The Duty of Mercy and the Sin of Cruelty to Brute Animals, 1776, Neuerscheinung 1992 Centaur Press.


Von Humphrey Primatt wissen wir nur wenig. Nachweisbar ist, dass er in London geboren wurde und im Jahr 1752 im Clare College in Cambridge in England zu studieren begann. 1757 wurde er Bachelor of Arts, 1764 Master of Arts und am 3. September 1773 Doktor of Divinity in Aberdeen. Von 1771 an war er Rektor in Brampton in Norfolk, und von 1766-1774 Vicar of Higham in Suffolk und of Swardeston in Norfolk. Im Jahr 1774 zog er sich zurück und lebte von seinem Vermögen in Kingston-on-Thames. Zwischen der Veröffentlichung seines einzigen Buches, „The Duty of Mercy and the Sin of Cruelty to Brute Animals“, im Jahr 1776 und dem 24. Juli 1780, an dem sich seine Witwe wieder verheiratete, muss er gestorben sein. So starb er wahrscheinlich in seinen 40ern.

Als Kind seiner Zeit, der Aufklärung, teilt er das Buch in 2 Teile. Zunächst argumentert er auf Basis liberalen, fast säkularen, Denkens, und fügt dann, "um auf das Wissen jener Rücksicht zu nehmen, die keine liberale Bildung genossen haben" [Seite 16], eine viel längere Abhandlung auf Basis der Interpretation von Bibelzitaten an. Für letzteres stützt er sich ausschliesslich auf das Alte Testament, das eine beeindruckende Fülle von Textstellen enthält, die sich mit nicht-menschlichen Tieren auseinandersetzen.

Primatt kritisiert den aristotelischen Perfektionismus zumindest insoweit nicht, dass er den Menschen [engl. „man“, also eigentlich den Mann, bzw. vielleicht sogar den zivilisierten, christlichen, europäischen, erwachsenen, nicht-behinderten Mann] sowohl körperlich wie geistig über die anderen Tiere stellt. Der Mensch – in Gottes Ebenbild – ist körperlich wie geistig perfekter als die anderen Tiere.

Die physischen Vorteile wie Stärke, Intelligenz oder Schönheit haben aber alle irdischen Wesen ohne ihr Zutun erhalten. „Deshalb lässt sich mit dem Perfektionsgrad weder Stolz für die perfekteren als auch Verachtung für die weniger perfekten Wesen rechtfertigen“ [Seite 20]. Aus der eigenen Perfektion lässt sich also keine eigene Höherwertigkeit und kein Recht auf Misshandlung von Minderwertigen ableiten.

"Gott [...] hat manche Männer weiss geschaffen und manche schwarz; aber da weder Verdienst noch Verschulden in der Hautfarbe liegt, hat der weisse Mann, trotz der barbarischen gängigen Meinung, die auf Tradition und Vorurteil basiert, kein Recht, nur wegen seiner Hautfarbe, den schwarzen Mann zu tyrannisieren und zu versklaven; noch hat ein blonder Mann irgendein Recht einen dunkelhaarigen Mann zu verachten, zu misshandeln oder zu beleidigen. Ich glaube auch nicht, dass ein grosser Mann, nur wegen seiner Grösse, ein Recht hat, auf einem kleinen Mann herumzutrampeln. Weil, ob ein Mann weise ist, oder dumm, weiss oder schwarz, blond oder dunkel, gross oder klein, und, nicht zu vergessen, reich oder arm, weil es ist genausowenig die freie Wahl eines Mannes arm zu sein, wie dumm, schwarz, dunkel oder klein, ist durch göttlichen Zufall bestimmt; abstrakt gesprochen, keine dieser Eigenschaften ist Grund für Stolz oder Verachtung. Aber, wenn unter Menschen die Unterschiede in geistiger Kraft, Hautfarbe, Grösse und anderen durch glückliches Schicksal erhaltenen Eigenschaften keinem das Recht geben, aufgrund dieser Unterschiede einen anderen zu misshandeln oder zu beleidigen, so folgt aus demselben Grund, dass ein Mensch kein natürliches Recht hat ein Tier zu misshandeln und zu quälen, nur weil ein Tier dem Menschen geistig unterlegen ist." [Seite 22]

In einem sind sich aber alle leidensfähigen Wesen gleich: "Schmerz ist Schmerz, ob er Menschen oder Tieren zugefügt wird; und das Wesen, das Schmerzen erleidet, ob Mensch oder Tier, erleidet Böses, solange es diesen Schmerzen gegenüber empfindlich ist; und das Erleiden von Bösem, unverschuldet, unprovoziert, nicht durch eine eigene Tat verursacht, und ohne, dass dadurch Gutes geschieht, sondern nur um Macht herauszustreichen und die Lust auf Bosheit zu befriedigen, ist Grausamkeit und Ungerechtigkeit." [Seite 21] Primatt spricht also explizit davon, dass es nicht-menschlichen Tieren gegenüber eine Ungerechtigkeit gibt.

Und dann wendet er die Goldene Regel der Moral auch auf nicht-menschliche Tiere an: "Wenn wir, schreckliche Fügung, dieselbe Fähigkeit zu Verstand und Reflektion hätten, wie die Tiere sie haben; und andere Wesen, in Menschengestalt, würden uns barbarisch misshandeln und unterwerfen, weil wir nicht dieselben Fähigkeiten hätten wie sie; die Ungerechtigkeit und Grausamkeit in ihrem Verhalten wäre uns offensichtlich, und wir würden natürlich daraus schliessen – ob wir auf 2 oder 4 Füssen gehen, ob unsere Köpfe nach oben oder unten weisen, ob wir nackt oder behaart sind, ob wir Schwänze haben oder nicht, Hörner oder keine, kurze oder lange Ohren haben; ob wir wiehern wie ein Esel, sprechen wie ein Mensch, singen wie ein Vogel oder stumm sind wie ein Fisch – dass diese Unterschiede von Natur aus nicht als Rechtfertigung für das Recht auf Tyrannei und Unterdrückung vorgesehen sind. Aber vielleicht wendet jemand ein, dass diese Annahme absurd wäre, ein Mensch müsse sich vorstellen ein Tier zu sein und ein Tier wäre als Mensch vorzustellen. [...] Argumente sollen auf Fakten und nicht auf Annahmen basieren. [...] Dem antworte ich allgemein in wenigen Worten: alle Argumente, die auf dem wichtigen Konzept behandle andere, wie Du behandelt werden willst aufbauen, setzen notwendig eine derartige Annahme voraus. [...] Ein reicher Mann ist z.B. kein armer Mann; die moralische Pflicht, die aus diesem Konzept folgt ist aber die: der Mann, der jetzt reich ist, soll sich dem Mann, der jetzt arm ist, gegenüber so verhalten, wie der Reiche wollen würde, wäre er arm, dass sich der Arme, wäre er reich, ihm gegenüber verhält." [Seite 24]

Viele Menschen sind über den Vergleich mit nicht-menschlichen Tieren hellauf empört. Okay, sagt Primatt, sagen wir der Mensch ist das perfekteste aller irdischen Wesen. Was besagt das? Jedes Wesen muss an seinen Fähigkeiten gemessen werden. Wenn der Mensch so perfekt ist, und so rational und vernünftig handeln kann, dann soll dem sein Verhalten entsprechen: ein moralisch perfektes Verhalten nach den Regeln der Vernunft. Und die Vernunft gebietet andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will. „Du behauptest Tiere sind Wesen ohne Vernunft [während Du Vernunft hättest]; die Vernunft sagt aber, dass einem Wesen unverschuldet und unnötig Schmerzen zuzufügen ungerecht und unvernünftig ist: deswegen ist ein Mensch, der zu Tieren grausam ist, ein Tier in Menschengestalt.“ [Seite 34]

Nicht-menschliche Tiere haben das gleiche Recht wie Kleinkinder glücklich zu leben: "Was sollen wir von einem grossen starken Mann halten, der seine Wut an einem hilflosen unschuldigen Kleinkind auslässt? Sollen wir diesen Mann nicht als einen Feigling und bösen Schuft verabscheuen, der die Grösse und Stärke eines Mannes nicht wert ist? Genauso feig und böse ist es, ein unschuldiges Tier zu misshandeln, dass sich weder helfen noch sich rächen kann, das aber genauso ein Recht auf ein glückliches Leben in dieser Welt hat, wie ein Kind; vielleicht sogar mehr Rechte, wenn es im Gegensatz zum Kind keine unsterbliche Seele haben sollte." [Seite 33]

Gegen Tierschutz wird nach Primatt häufig angeführt, dass Menschen das Recht haben nicht-menschliche Tiere zu essen, dafür müssen sie diese Tiere töten, und das geht nicht ohne Leiden. Primatt akzeptiert das zunächst: "Da es bereits allgemeine Praxis ist, gehen wir einmal davon aus, dass es akzeptiert sei, dass Menschen das Recht haben das Fleisch einiger nicht-menschlicher Tiere zu essen, und sie daher für die Ernährung oder andere Notwendigkeiten zu töten." [Seite 35] Wenn das Töten in diesem Sinn notwendig ist, dann soll es mit geringstem Schmerz und geringstem Leid geschehen. Primatt’s Auffassung nach fürchten nicht-menschliche Tiere nur den Schmerz und nicht den Tod, weil sie vom Tod kein Konzept hätten.

Ein zweites Argument gegen Tierschutz sei nach Primatt, dass es gefährliche nicht-menschliche Tiere gäbe, die man töten müsse, und das gehe wieder nicht ohne gleichzeitig Schmerzen zuzufügen. Giftige und gefährliche Tiere in Selbstverteidigung zu töten ist offensichtlich moralisch zulässig, kann aber natürlich nicht eine Gewalthandlung gegen ungefährliche und ungiftige nicht-menschliche Tiere rechtfertigen. Bei Notwehr darf auch nur minimale Gewalt ausgeübt und minimal notwendiger Schmerz zugefügt werden.

Und drittens gäbe es ja Raubtiere, die andere nicht-menschliche Tiere brutal töten und verspeisen. Warum sollten Menschen das dann nicht dürfen? Primatt sieht alles in der Natur als grundsätzlich gut, weil von einem lieben Gott geschaffen. Die gute Rolle der Raubtiere erkennt er darin, dass sie alten und schwachen Tieren das Leid ersparen, indem sie sie rasch töten und aufessen. Letzteres würde auch verhindern, dass die Leichen die Luft verpesten und das Wasser vergiften. Wenn es bei dieser guten Rolle der Raubtiere zu Grausamkeiten kommt, dann ist das ein zufälliger, seltener Ausnahmefall. Die Brutalität der Raubtiere sei notwendig wie die Brutalität der SoldatInnen und der PolizistInnen. Nicht-menschliche Tiere können aber sowieso als unvernünftige Wesen nicht vernünftigen Menschen als Vorbild dienen.

Diejenigen Grausamkeiten gegen nicht-menschliche Tiere, die Primatt in seiner Gesellschaft am meisten ins Auge stechen, zählt er am Ende seiner „säkularen“ Abhandlung auf: Misshandlung von Nutztieren, Hetzjagd auf Hirsch, Fuchs und Hase, das Werfen von harten Gegenständen auf an den Beinen aufgehängte Hähne [offenbar eine Volksbelustigung im England des 18. Jahrhunderts], Stierkampf und generell organisierte Tierkämpfe, das Kochen von lebenden Hummern und das Braten eines lebenden Fisches.

Im zweiten, viel längeren, Teil seines Buches, zitiert Primatt unzählige Bibelstellen des Alten Testaments und interpretiert sie dahingehend, dass nicht-menschliche Tiere vor unnötiger Grausamkeit geschützt werden sollen. Die Gemeinsamkeit von Menschen und anderen Tieren begründet er mit der Schöpfungsgeschichte. Die Grundelemente wie Feuer, Luft, Wasser und Erde hätte Gott zunächst direkt geschaffen. Aus diesen Grundelementen formten sich selbständig durch Naturgesetze, also bloss indirekt durch Gott, die Sonne, die Sterne, das Meer und die Pflanzen und Bäume. Tiere (inklusive Menschen) sind aber beides: direkt und indirekt von Gott geschaffen. Ihr Körper indirekt, weil er sich aus den Grundelementen durch die Naturgesetze selbst geformt hat. Ihr Leben und ihre Gefühle [also ihr Bewußtsein] direkt, weil Gott ihnen laut Genesis in der Bibel den Atem des Lebens eingehaucht hat. Insofern haben Menschen und andere Tiere eine fundamentale Gleichheit.

Aus der Bibel deduziert Primatt den moralischen Imperativ im Umgang mit wilden Tieren: sie sollen in Ruhe gelassen werden, weil sie Gott gehören. Die Nutztiere hätte Gott aber für den Gebrauch durch die Menschen geschaffen. Sie hätten deshalb vorsätzlich keine Sprache, keine Rationalität und keine Wildheit. Hätten sie diese nämlich, dann würden sie sich gegen die Herrschaft durch die Menschen auflehnen, und das wollte Gott verhindern.

Da sie dadurch aber hilflos und schwach sind, sich weder physisch widersetzen, noch verbal widersprechen oder einen effektiven Widerstand organisieren können, sind sie den Menschen vollkommen ausgeliefert. Deshalb ist die moralische Pflicht den Nutztieren gegenüber dreifach:

1. Ausreichend Nahrung geben. Die Nahrung der Nutztiere, wie das Gras, gehört Gott und nicht den Menschen, und daher haben die nicht-menschlichen Tiere ein Recht darauf, das ihnen die Menschen nicht streitig machen dürfen (begründet mit verschiedenen Stellen aus den Psalmen). Dafür, dass arbeitenden Nutztieren anständig Nahrung zusteht, zitiert Primatt Deuteronomium 25:4, wo geschrieben steht, dass der Ochse, der das Korn tritt, keinen Maulkorb umgebunden bekommen soll. Primatt geht aber noch weiter und vergleicht jemanden, der seine Nutztiere nicht nach deren Bedürfnissen füttert und tränkt mit jemandem, der seine ArbeiterInnen nicht mit dem vereinbarten Lohn bezahlt, was ebenso durch die Bibel untersagt wird (1 Tim v. 18). Die grosse Ähnlichkeit von Mensch und nicht-menschlichem Tier bedingt, dass wer nicht-menschliche Tiere misshandelt, auch zu Menschen grausam ist und umgekehrt (1 Cor 9:7-9).

2. Ausreichend Ruhe geben. In der Bibel (Exod 20:8-10) wird als Regel eingeführt, dass an jedem 7. Tag, dem Sabbath, nicht nur die Menschen, sondern explizit auch die Nutztiere ruhen können sollen. Primatt folgert daraus, dass Nutztieren genügend Ruhe zusteht, sodass sie glücklich leben können.

3. Rücksichtsvoll nutzen. Aus Deut 22:10, wo geschrieben steht, dass ein Ochse nicht zugleich mit einem Esel an den Pflug gespannt werden soll, schliesst Primatt, dass Gottes Gebot generell nur eine sehr rücksichtsvolle Nutzung der Nutztiere erlaubt. Und im Alter, wenn das Tier ausgedient hat, soll es, auch wenn es nutzlos geworden ist, sein Gnadenbrot bekommen und nicht einfach weggegeben und getötet werden.

In Prov 12:10 sagt Salomon, dass ein rechtschaffener Mann das Leben seiner Tiere respektiert, während ein schlechter Mann grausam zu seinen Tieren ist. Primatt nennt deshalb einen rechtschaffenen [righteous] Mann jenen, der nicht nur nicht grausam zu nicht-menschlichen Tieren ist, sondern voller Mitleid und Mitgefühl sich für sie einsetzt und ihre Rechte respektiert. Ein nicht-rechtschaffener [unrighteous] Mann ist zwar nicht grausam zu nicht-menschlichen Tieren, ignoriert aber ihre Bedürfnisse und respektiert sie nicht, und zeigt kein Mitleid. Der Mann aber, der grausam ist, ist schlecht [wicked]: "Wenn ich weiss, dass ein Mann zu seinem Tier grausam ist, dann frag ich nicht weiter. Er kann ein adeliger Mann sein, oder ein reicher Mann, er kann ein vernünftiger Mann sein, oder ein gebildeter Mann, er kann ein othodox-religiöser Mann sein, oder ein Kirchenmann, oder ein Puritaner oder was auch immer, es macht keinen Unterschied; soviel weiss ich, durch die Worte eines weisen Königs [Salomon], dass er, weil er zu seinem Tier grausam ist, ein schlechter Mann ist." [Seite 87]

Primatt führt noch eine Vielzahl weiterer Bibelstellen an, aus denen zu sehen ist, dass Gott will, dass alle Tiere gerecht behandelt werden. Da gibt es z.B. die Geschichte von Balaam (Num 22). Balaam reitet auf seinem Esel, und es stellt sich ihm ein Engel in den Weg, den er selbst zwar nicht sieht, aber der Esel sieht ihn. Der Esel weicht aus und wird dafür von Balaam geschlagen und auf den Weg zurückgezwungen. Das geschieht ein zweites Mal, und Balaam schlägt den Esel noch mehr. Beim dritten Mal bricht der Esel zusammen. Wie Balaam ihn furchtbar zu schlagen beginnt, gibt Gott ihm die Sprache und er, der Esel, fragt Balaam, warum er so geschlagen wird. Balaam antwortet, dass er ihn lächerlich gemacht hätte, und er, hätte er ein Schwert, den Esel töten würde. Daraufhin erscheint der Engel mit gezogenem Schwert und sagt, dass er Balaam getötet aber den Esel verschont hätte, wäre der Esel nicht dreimal ausgewichen. Und weiters macht der Engel deutlich, dass Balaam sich versündigt hat. Balaam erkennt daraufhin seinen Fehler und bereut.

Primatt baut auf obiger Geschichte sein christlich-moralisches Argument dafür auf, dass niemand seine Tiere schlagen soll. "Auch Du würdest es als sehr hart empfinden, wenn Du für etwas zurechtgewiesen oder geschlagen würdest, was Du nicht absichtlich getan hast. Tu anderen nichts an, von dem Du auch nicht willst, dass es Dir angetan wird." [Seite 97] Also wieder die Goldene Regel der Moral auf alle Tiere angewandt.

In Jonah 4:11 erklärt Gott, dass er die Stadt Niniveh nicht zerstören will, obwohl seine menschlichen BewohnerInnen es verdient hätten, weil darin auch unschuldige Menschenkinder und unschuldige nicht-menschliche Tiere wohnen. Offenbar hat Gott also auch mit nicht-menschlichen Tieren ein Mitgefühl. Das Alte Testament weist eine Fülle solcher Stellen auf. In Deut 22:6 wird z.B. deutlich gemacht, dass Vogelkinder in Ruhe gelassen und wilde Vögel nicht gefangen und eingesperrt werden dürfen. Dennoch, so beobachtet Primatt, würden ChristInnen Vögel fangen und einsperren, und TürkInnen und Muslime würden es als ihre religiöse Pflicht erachten, diese Vögel von den ChristInnen los zu kaufen um sie freizulassen. "[Das] sollte Christen die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn wir deren [der TürkInnen und Muslime] Humanität und Mitgefühl mit unserem vergleichen." [Seite 114]

Für Primatt ist aber jene Stelle in der Bibel am zentralsten, in der Gott einen Bund mit Noah und – explizit – auch mit den nicht-menschlichen Tieren schliesst (Gen 9:8-17). Nach Primatt beweist das, wie ernst Gott die nicht-menschlichen Tiere und ihre Schicksal nimmt.

Aber, so wie die Unterschiede zwischen Mensch und nicht-menschlichem Tier nicht rechtfertigen, zweitere beliebig misshandeln zu können, so sind auch die Unterschiede zwischen den nicht-menschlichen Tieren moralisch irrelevant. Das wesentliche ist, dass sie Gefühle haben: "Eine Fliege hat genauso Gefühle wie ein Ochse; und eine Kröte hat genauso ein Recht darauf glücklich sein zu können, wie ein Kanarienvogel; derselbe Gott hat den Ochsen, die Fliege, die Kröte und den Vogel gemacht." [Seite 107] Alle nicht-menschlichen Tiere sind also gleich wichtig zu nehmen, und gleichermassen zu respektieren. Es gibt hier keine Wertehierarchie.

Nur durch die Sünden der Menschen sind Schmerz und Leid auf die Erde gekommen. Wenn die nicht-menschlichen Tiere durch unsere Sünden leiden, dann sind wir an ihrem Elend schuld. Und am Tag des jüngsten Gerichts wird Gott die unschuldigen Kinder und die rechtschaffenen Menschen genauso wie die nicht-menschlichen Tiere töten. „[Aber für diese] ist der Tod nichts Böses, sondern nur das Ende ihres Lebens; und wenn das Leben zur Last wird, ist der Tod für alle ein Segen, die nicht gesündigt haben." [Seite 118]

"Wer sich zum Christentum bekennt, aber die Pflicht zu Mitgefühl und Mitleid mit nicht-menschlichen Tieren nicht als Gottes Willen akzeptiert, „kann entweder die Grundprinzipien der Bibel überhaupt nicht kennen, [...] oder er muss ein Herz haben, das zu einem ungewöhnlich hohen Grad versteinert ist. Zu welcher Religion wir uns auch immer bekennen, Grausamkeit ist Atheismus. Wenn wir uns auch noch so sehr zum Christentum zugehörig fühlen, Grausamkeit ist Unglauben. Wir können auch noch so sehr unserem Glauben vertrauen, aber Grausamkeit ist die schlimmste aller Häresien. Die Religion von Jesus Christus hat ihren Ursprung in der Barmherzigkeit Gottes; und es ist ihr wesentlichstes Merkmal, den Frieden für jedes Wesen auf dieser Erde zu fördern, und den Geist eines universellen guten Willens bei den Menschen zu schaffen." [Seite 125]

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